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Börsenexperte: "Wir neigen dazu, zu überzeichnen"

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Börsenexperte: "Wir neigen dazu, zu überzeichnen"

09.08.2011, 11:05 Uhr | dpa

Der rasante Kurssturz an den Aktienmärkten überrascht selbst Börsenprofis. "Erstaunlich ist die Geschwindigkeit. Denn Probleme in Euroland und den USA sind schon länger bekannt", sagte Joachim Goldberg, Chef des Frankfurter Markt- und Verhaltensforscher Cognitrend im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Auslöser für die seit vergangener Woche anhaltende Talfahrt ist aus seiner Sicht vor allem der "Minimalkompromiss im Schuldenstreit in den USA".

Nach der Einigung im USA-Schuldenstreit habe es am vergangenen Montag zunächst Jubel gegeben, "vor allem bei langfristig orientierten Anlegern hat dann aber offensichtlich ein Umdenken stattgefunden". Sie hätten Aktien verkauft, in dem Moment als alle dachten, die Börsen gingen nach oben hoch: "Das ist ein typischer Moment, wo ich als großer Anleger verkaufen kann, ohne aufzufallen. Doch offensichtlich ist die Dosis zu groß geraten für den Markt", sagte Goldberg.

Sparen statt Konjunkturspritze verursacht Sorgen

Der Kompromiss im US-Schuldenstreit sieht vor allem Ausgabenkürzungen vor. "Wenn ein Land auf Teufel komm raus sparen muss, kann es keine Konjunkturprogramme zur Stützung der schwächelnden Wirtschaft auflegen", sagte Goldberg. Das sei offenbar bei großen Anlegern schlecht angekommen. "Auf europäischer Seite war dagegen schon alles bekannt". Dass DAX und Co dennoch seit einer Woche absackten - allein vergangene Woche verlor der deutsche Leitindex insgesamt 13 Prozent, am Montag weitere 5 Prozent - hat für Goldberg auch mit Psychologie zu tun. "Bei uns herrscht die Haltung, wenn es Amerika schlecht geht, muss es uns doppelt schlecht gehen. Wir neigen dazu, zu überzeichnen."

Hinzu kommt: "Wenn einer anfängt zu verkaufen, hat das auch Auswirkungen auf andere Anlageklassen zum Beispiel den Ölpreis, weil mittlerweile alles miteinander korreliert". Laut Goldberg gibt es keine Garantie, dass es in den kommenden Tagen "nicht mit der gleichen Wucht weitergeht wie in Vergangenheit". Für eine nachhaltige Stabilisierung müssten langfristig orientierte Investoren wieder am Aktienmarkt investieren. "Für viele dürfte sich jedoch die Frage stellen, ob sie überhaupt Lust haben, in so einen Markt noch einmal reinzugehen."

Wenig hilfreich ist aus seiner Sicht das Verhalten der Politik: "Es wäre schön wenn die Politik mal agieren und nicht nur reagieren würde. Es fehlt derzeit an Führung in der Politik."


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