03.06.2009, 19:57 Uhr | Financial Times Deutschland
Solaranlagen (Foto: imago)Mitten in der Branchenkrise baut der Ölkonzern BP sein Geschäft mit Sonnenenergie aus. In den ersten Monaten des Jahres verzeichnete BP bei den Neuinstallationen von Solaranlagen so viele Geschäftsabschlüsse wie noch nie in der Geschichte der Sparte. Das sagte Reyad Fezzani, Chef von BP Solar weltweit, der "Financial Times Deutschland" (FTD). Damit stellt sich BP gegen führende Konkurrenten.
Während sich Shell fast komplett aus dem Solargeschäft zurückgezogen hat, lehnt der weltgrößte Ölkonzern Exxon Mobil Investitionen in erneuerbare Energien wie Wind und Solar ab. Auch der US-Rivale ConocoPhillips hielt sich bislang zurück. Nach Angaben des Hamburger Energie Informationsdiensts (EID) haben die fünf größten Ölkonzerne in den vergangenen 15 Jahren erst 15 Milliarden US-Dollar in alternative Energien investiert - das entspricht einem Anteil von zehn Prozent an den Gesamtausgaben für erneuerbare Energien weltweit.
Konzerne bleiben bei ihrem Kerngeschäft
"Im Vergleich zu den finanziellen Mitteln, die die Branche hat, sind die Investitionen in erneuerbare Energien sehr gering", sagte Heino Elfert vom EID. Es sei eindeutig, dass die Konzerne ihr Kerngeschäft weiterhin bei der Förderung von Öl und Gas sehen. Energieexperten kritisieren die Zurückhaltung als zu kurzsichtig: "Die Branche wäre gut beraten, sich mittel- bis langfristig Alternativen zum Öl zu schaffen", sagte Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. "Dazu zählen auch erneuerbare Energien."
Shell setzt auf Biokraftstoffe
Aktiver sind die Oil-Majors allerdings bei der Entwicklung von Biokraftstoffen der zweiten Generation aus pflanzlichen Abfällen. So etwa Shell. Shell-Chef Jeroen van der Veer hatte jüngst angekündigt, dass alternative Treibstoffe und Technologien zur Abscheidung von Kohlendioxid im Mittelpunkt stünden. Aktivitäten in der Windenergie oder bei Solaranlagen sollten hingegen nicht weiter ausgebaut werden.
BP investiert in alternative Energieträger
Konkurrent BP setzt hingegen neben der Entwicklung von Biokraftstoffen der zweiten Generation auch auf das Geschäft mit klassischen erneuerbaren Energien wie Solaranlagen und Windkraft. Seit 2006 hat der britische Ölkonzern fast drei Milliarden US-Dollar in alternative Energieträger und Biokraftstoffe investiert. Bis zum Jahr 2015 will BP insgesamt acht Milliarden US-Dollar ausgeben - gemessen an den einstigen Ambitionen des Konzernmottos "Beyond Petroleum" aber immer noch viel zu wenig, sagen Kritiker.
Solarsparte verspricht hohe Wachstumsraten
"Wir investieren nicht mehr, als die weltweite Nachfrage hergibt", sagte Fezzani. Langfristig werde BPs Solarsparte mit viel höheren Wachstumsraten zulegen als das traditionelle Öl- und Gasgeschäft - allerdings von einer deutlich niedrigeren Basis. So will BP in diesem Jahr Solaranlagen mit einer Leistung von 320 Megawatt verkaufen - das entspricht Schätzungen zufolge einem Umsatz von rund 900 Millionen Euro. Zum Vergleich: BP erwirtschaftete 2008 Erlöse von umgerechnet 242 Milliarden Euro.
Solarbranche durchläuft gerade eine Krise
Die Solarbranche leidet derzeit unter einem starken Rückgang der Nachfrage bei gleichzeitigen Überkapazitäten. Der Preisverfall befördere die Wirtschaftlichkeit von Solarstrom, die sogenannte Grid Parity, in Märkten mit hohen Stromkosten, sagte Fezzani. "Wir werden die erste Grid Parity ab 2012 sehen."