14.10.2010, 14:29 Uhr | FTD, Sabine Meinert
In deutschen Büros wird immer mehr per E-Mail kommuniziert. (Foto: Imago)
An deutschen Arbeitsplätzen regiert die Technik: Um sich mit Kollegen, Kunden oder Vorgesetzten zu verständigen, greifen Beschäftigte hierzulande immer häufiger auf E-Mails zurück, zeigt eine Studie.
Der Bürotalk verliert offenbar an Attraktivität. Wo man sich früher zum Schwätzchen in der Kaffeeküche traf oder auf eine Zigarette auf dem Balkon - werden heutzutage zunächst mal E-Mail, SMS und Co. eingesetzt. Egal, ob es um Termine, eine kurze Absprache oder eine letzte Bemerkung zur Projektbesprechung geht, der schriftliche Kontakt gehört inzwischen dazu, so eine Umfrage des Personaldienstleisters Secretary Plus.
Dennoch: Das große Schweigen ist noch nicht ausgebrochen. Denn das persönliche Gespräch lässt sich nicht ersetzen, zeigt die Statistik. Ein Großteil der Teilnehmer gab an, sich weiterhin am häufigsten direkt mit den Kollegen oder dem Chef zu verständigen. Das Telefongespräch wird dagegen mehr und mehr durch den Kontakt per E-Mail ersetzt.
Auffällig: Die häufig für die schnelle Kommunikation als besonders geeignet gepriesenen sozialen Netzwerke spielen in der Bürokommunikation bisher so gut wie keine Rolle. Im Umgang mit dem Chef postet und netzwerkt nur jeder Zwanzigste regelmäßig. Sekretärinnen, die nur noch via Monitor mit Kollegen oder Chefs kommunizierten, obwohl sie dasselbe Büro teilten, entsprächen somit nicht der Realität, sagt Harriet Aans, Deutschland-Geschäftsführerin von Secretary Plus, und verweist darauf: "Eine gesunde, lebendige Gesprächskultur im Unternehmen erhöht ganz wesentlich die Arbeitseffizienz und den Wohlfühlfaktor."
Wie kommunizieren Sie am meisten am Arbeitsplatz?
Persönliches Gespräch | 38 Prozent |
E-Mails | 34 Prozent |
Telefon | 24 Prozent |
Xing, Facebook & Co. | 5 Prozent |
Nicht aus dem Auge verlieren dürfen Arbeitgeber jedoch die nachkommende Arbeitnehmergeneration, die Gruppe sogenannter Digital Natives. Die heutigen Berufseinsteiger unterscheiden sich in ihrem Kommunikationsverhalten von den bereits Beschäftigten und postulieren ganz klar: "Wir wollen die Kommunikationstools, die wir privat verwenden, auch beim Arbeitgeber verstärkt nutzen."
Einer nichtrepräsentativen Umfrage unter Studenten durch den Serviceanbieter Damovo zufolge erwarten die Berufsanfänger von ihrem Arbeitgeber mehrheitlich (71 Prozent), dass er der Tatsache, dass die Grenzen zwischen privat und beruflich immer mehr verschwimmen, Rechnung trägt und für entsprechende Kommunikationsmöglichkeiten sorgt. Sprich: Für die heutigen Studenten sind Social Media der neue Alltag. Fast die Hälfte der Befragten will beispielsweise auch während der Arbeitszeit nicht auf Facebook verzichten. Ebenso viele gaben an, Skype für Instant Messaging nutzen zu wollen.
Das zwingt die Unternehmen vor allem bei der Ausrüstung der Arbeitsplätze zum Umdenken. Standard-PCs sind den Nachwuchskräften zu wenig. Mobilgeräte und Smartphones der neuesten Generation werden der Umfrage zufolge als wichtiges Jobkriterium angesehen. Immerhin 81 Prozent der befragten Studenten ist eine moderne und individuelle Hardware wichtig.
Damovo zufolge ist die Generation Internet in der Lage, schneller als je zuvor neue Kontakte aufzubauen und im Berufsleben jederzeit und zu jedem Thema mit anderen zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten. Ob Gespräche in der Teeküche für sie künftig noch als wichtiges Kommunikationsinstrument gelten werden, ist eher ungewiss. Denn fast 80 Prozent der heutigen Studenten sind der Meinung, dass sich Menschen im Web schneller vernetzen.
Dem Arbeitgeber eröffnen die Mitarbeiter der nächsten Generation mit ihrem geänderten Kommunikationsverhalten aber auch ungeahnte Möglichkeiten, sind die Studien-Initiatoren überzeugt: sei es zur intuitiven, schnellen, internen Unternehmenskommunikation oder auch zum Austausch mit Kunden und Lieferanten. Der Effekt seien höhere Flexibilität und eine bessere Wettbewerbsfähigkeit, so die Experten.
Der internationale Personaldienstleister Secretary Plus, der sich auf die Vermittlung von Jobs im Sekretariat und im Management Support spezialisiert hat, wertete für die nichtrepräsentative Online-Umfrage die Angaben von mehr als 140 Beschäftigten zum Thema Kommunikation am Arbeitsplatz aus.
Das Service-Unternehmen Damovo befragte 200 Münchner Studenten der Wirtschafts- und Geisteswissenschenschaften sowie der technischen Fächer nach ihren Erwartungen an die Arbeitswelt.
Quelle: Financial Times Deutschland
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