12.04.2011, 10:03 Uhr | FTD, Hanna Klimpe
Billard, Kicker und Co.: Im Büro geht's manchmal auch sportlich zu. (Foto: imago)
Ob Pingpong, Kickertisch oder Billard: Spielecken am Arbeitsplatz gibt es längst nicht mehr nur in crazy Agenturen. Aber was bringt das eigentlich, so eine Tischtennisplatte im Büro? Braucht man das? Und wo kriegt man so was? Ein kleiner Einkaufsberater.
Es war einmal eine Zeit, da waren Arbeit und Privatleben zwei getrennte Dinge. Akkurat beanzugte Büromenschen gingen ihrem Tagwerk nach, bevor sie abends zu ihren Ehefrauen und Modelleisenbahnen zurückkehrten. Diese simple Zweiteilung ist spätestens seit seligen New-Economy-Zeiten vorbei: Die Dotcom-Blase mag 2001 geplatzt sein - aber Kickertische, Punchingballs und Flippermaschinen stehen bis heute ganz selbstverständlich in vielen Büroräumen herum.
Was für die "Mad Men"-Generation unserer Väter undenkbar gewesen wäre, finden Arbeitspsychologen heutzutage gar nicht mal so blöd: Eine Runde daddeln macht schließlich nicht nur den Kopf frei und hilft beim Aggressionsabbau, es fördert auch die Teambildung und dient als Kontaktbörse. Wie würde man sonst mit der reizenden Kollegin drei Büros weiter reden können, mit deren Aufgabenbereich man leider überhaupt nichts zu tun hat? Auch die Chefs profitieren von Tischtennisplatte oder Billardtisch. Nicht nur, dass sie sich mit einem kleinen roten Schläger in der Hand plötzlich als Mensch profilieren können - bei solchen Freizeitmöglichkeiten erscheint auch ihren Mitarbeitern der Gedanke gar nicht mehr so grauenvoll, 80 Stunden pro Woche im Büro zu sitzen.
Wenn Sie nun tatsächlich einer der bemitleidenswerten Old-Economy-Menschen sind, deren Arbeitsplatz noch komplett ohne Bürosport auskommt, dann haben wir hier ein paar Anregungen für Sie. Es sind im Grunde die Klassiker der Mitarbeiterbespaßung - aber jeder einzelne ist immer noch Gold wert.
Die ersten Tischtennis-Erfahrungen haben die meisten von uns wahrscheinlich auf dem Schulhof oder in der Jugendherberge gemacht. Damals reichte eine elegante Schlägerführung noch aus, um Mädchen zu beeindrucken, und beim Rundlaufturnier war spätestens bei der dritten Runde nicht mehr klar, ob einem jetzt vom warmen Bier schlecht war oder vom Drehwurm. Das waren Zeiten, an die man sich heute zwischen zwei Meetings gern erinnert - etwa bei der Hamburger Digitalagentur Sinner Schrader, wo mit dem Aufstellen der Tischtennisplatte auf der Dachterrasse traditionell der Frühlingsbeginn gefeiert wird.
Es darf aber ruhig eine Nummer kleiner sein: Wenn Sie auf der Arbeit keine komplette Pingponganlage hinstellen dürfen, tut's auch ein ordinärer Schreibtisch, den man freiräumt und mit einem Netz bespannt. Letzteres bekommt man für erstaunlich schmales Geld, und wenn Sie schon beim Reduzieren sind: Statt mit echten Pingpongschlägern können Sie gern mit Ordnerdeckeln oder Adressbüchern schmettern und schnippeln. Viel mehr Pausenhofatmosphäre geht wirklich nicht (Kickboarding: Der Tretroller für Erwachsene).
Tischtennisset mit Netz für Schreibtische von Yokozuna, 9,90 Euro, www.yokozuna.de
Auf T-Shirts mit Altherrenhumor steht bisweilen: "Haben Sie noch Sex, oder golfen Sie schon?". Auch Bürogolf klingt nur mäßig sexy, dabei ist die Idee ausgesprochen putzig: Banken, Hotels oder Autohäuser werden zu Abenteuerspielplätzen, wo man mit mondänem Gestus Golfbälle über Konferenztische und Flachbildschirme schlägt. Es gibt superprofessionelle Agenturen, die solche Bürogolfturniere inzwischen als Firmenevents veranstalten. Aber für ein bisschen Spaß am Arbeitsplatz müssen Sie sich ja nicht direkt das IOC ins Haus holen.
Verteilen Sie für den Anfang ein paar Metalllöcher auf dem Büroteppich (die kann man kaufen, sehen aus wie kleine Aschenbecher), und stellen Sie Putter für die Kollegen bereit. Angst vor einem allzu schwungvollem Abschlag müssen Sie übrigens nicht haben: Bürogolf wird mit weichen Spezialbällen gespielt, wie Thorsten Dreps von Bürogolf Team verrät: "Unser erstes Turnier haben wir in einem Glashaus in Münster veranstaltet."
Bürogolf, zum Beispiel organisiert von Bürogolf Team, circa 1000 Euro, über buerogolf-team.de; Anfängerausrüstung (Putter, Loch zum Aufstellen, Ball) circa 80 Euro, über www.buerogolf-turnier.de
Schon zu Zeiten, als "gutes Betriebsklima" noch hieß, dass die Angestellten per Lochkarte ihre Anwesenheit bestätigen mussten, war der Kickertisch eine Oase der Ekstase. Heute ist er die letzte Bastion der Männlichkeit in einer Welt, die zunehmend von der Frauenquote bedroht wird. Ob in Redaktionen, Unternehmensberatungen oder Werbeagenturen: Der Kickertisch vereinigt alle Berufsgruppen und Hierarchiestufen und ist somit das kommunistischste aller Bürobespaßungsutensilien. Aber Obacht: Tappen Sie dabei nicht in die Originalitätsfalle.
Auf dem Markt gibt es Designerkicker, die aussehen wie eine Badewanne, mit Figuren wie Wasserhähne. Lassen Sie davon die Finger! Kickern ist fürs Büro schließlich das, was Kricket für Indien ist: vielleicht der einzige gemeinsame Nenner. Da macht man keine Kompromisse. Was Sie wollen, ist deshalb ein robuster Tisch der Marken Lehmacher, Löwen oder Leonhart - das meiste andere ist Nippes und höchstens was für Mädchen.
Kickertisch, etwa Leo Soccer Tournament von Leonhart, 1088 Euro, www.original-leonhart.com
Der Reiz von Billard liegt in der Atmosphäre, die so ein Tisch mit seinem grünen Filz hervorruft: Eine schwummrige Kneipe in Arizona, Country-Gedudel, ein schnurrbärtiger Trucker im dreckigen weißen Unterhemd, in der linken Hand das Queue, in der rechten das Whiskeyglas ... Ein Eindruck also, der so ziemlich das Gegenteil von dem darstellen dürfte, was Sie jeden Tag in Ihrem Großraumbüro erleben. Weil ein bisschen Lonesome-Cowboy-Gefühl noch keinem Bürohengst geschadet hat, sind Billardtische bei soliden Softwarefirmen wie IBM im Einsatz, aber auch bei quietschbunten Spaßläden à la Google .
Zwei Nachteile hat das Spiel mit den bunten Bällchen allerdings: Zum einen ist es recht materialintensiv und braucht viel Platz. Zum anderen dauert eine gepflegte Partie Pool einfach deutlich länger als ein Quickie am Kicker, vor allem, wenn keiner der Kontrahenten das Spiel richtig beherrscht. Reißen Sie sich also ein bisschen zusammen, und vertrödeln Sie nicht den ganzen Arbeitstag mit dem Queue in der Hand - sonst haben Sie bald mehr Zeit für Billard, als Ihnen lieb ist.
Billardtisch, zum Beispiel Modell Dakota, 699 Euro, über www.billardshop.de
Quelle: Financial Times Deutschland
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