27.09.2011, 09:43 Uhr | Financial Times Deutschland
Lange stieg die Aktie seiner Investmentholding unaufhaltsam. Doch die Talfahrt an den Märkten geht auch an seinem Papier nicht vorbei. Um den Kurs zu stützen, tut der Investor etwas, das er sonst fast nie macht - er kauft die Aktie selbst.
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Selbst Buffett wird in der Krise nervös
Seit Wochen schon ist die Wirtschaftspresse voll von Nachrichten über Staatspleiten, Börsencrashs und miesen Konjunkturaussichten - und noch immer soll es ja Menschen geben, die nicht glauben wollen, dass die Dinge irgendwie aus dem Ruder laufen. Diesen Krisenignoranten kann nun geholfen werden. Denn schließlich hat Investorenlegende Warren Buffett, nun ja, die Nerven verloren angesichts der Dauerdepression an den Finanzmärkten.
Buffett, ansonsten das Sinnbild des kaltblütig-besonnenen Investors, tut etwas, was er praktisch nie tut und ein Zeichen der Schwäche ist: Er lässt seine Investmentholding Berkshire Hathaway eigene Aktien zurückkaufen, damit deren Kurs wieder steigt. Das ist zwar generell kein ungewöhnliches Unterfangen, für Buffett und Berkshire aber doch so etwas wie ein Tabubruch.
Auch das "Orakel" irrt
Schien es bislang doch so, als würde dem wegen seiner erstaunlichen Prognosekraft und erfolgreichen Firmenübernahmen "Orakel von Omaha" genannten Buffett alles gelingen. Vor allem die Mehrung seines Reichtums und selbstredend auch dem seiner Aktionäre, die seit Jahrzehnten nur Kurssteigerungen kennen und dafür genügsam auf eine Dividende verzichten.
Schier unaufhaltsam war der Kurs der Berkshire-A-Aktie im Frühjahr bis auf satte 131.000 Dollar gestiegen, was sie zum optisch teuersten Dividendenpapier aller Zeiten machte. Seither freilich mussten auch die Buffett-Titel aufgrund der allseits fragilen Situation Rückschläge hinnehmen, kurzzeitig ging es sogar bis unter 100.000 Dollar.
Buffett hievt seine Aktie nach oben
Grund genug für den Altmeister, gegenzusteuern. Rund 30 Milliarden Dollar hat Berkshire derzeit auf der hohen Kante, und weniger als 20 Milliarden Dollar sollen es auch nicht sein, heißt es. Aber alles dazwischen, also etwa zehn Milliarden Dollar, könnte in das Kurspflegeprogramm fließen. Mehr als zehn Prozent Aufschlag auf den Buchwert seiner Aktien, den Buffett rund 98.000 Dollar beziffert, werde er zwar nicht zahlen, versicherte der Berkshire-Chef.
Seine Androhung verfehlte dennoch nicht ihre Wirkung: Nach Bekanntgabe des geplanten Rückkaufs stieg der Kurs der A-Aktien bereits wieder deutlich um sechs Prozent auf knapp 106.000 Dollar. Darüber gefreut haben dürfte sich vor allem der 81-Jährige selbst: Schließlich ist der angeblich drittreichste Mensch der Welt selbst größter Berkshire-Aktionär.