Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind düster (Foto: Archiv)Der Ausblick für die Wirtschaft verdüstert sich zunehmend: Nach Einschätzung der Deutschen Bank trifft die Wirtschaftskrise die Bundesrepublik weitaus schlimmer als bislang angenommen. Der Deutsche Bank Chefvolkswirt Norbert Walter warnte in der "Bild"-Zeitung vor einem dramatischen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts. Die Bundesregierung müsse nun konsequent handeln und die Mehrwertsteuer drastisch senken.
"Im nächsten Jahr könnte das deutsche Bruttoinlandsprodukt um bis zu vier Prozent schrumpfen. Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt rund ein Drittel", sagte Walter. Das wäre die größte Krise seit Bestehen der Bundesrepublik. Die Bundesbank erwartet dagegen, dass die Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr 0,8 Prozent schrumpfen wird - weitaus optimistischer also als Walters Einschätzung. Klar ist, dass Deutschland im kommenden Jahr in eine tiefe Rezession abgleiten wird.
Mehrwertsteuer sofort senken
Als mögliche Ursachen für einen solchen Einbruch nannte Walter unter anderem eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in Russland und im Nahen Osten. Der Chefökonom forderte die Bundesregierung auf, die Mehrwertsteuer "sofort für ein Jahr" auf 16 Prozent senken, um den Inlandskonsum zu stärken. "Sonst ist der Absturz nicht mehr zu verhindern", sagte Walter. Im besten Fall sei 2009 mit einem Schrumpfen des Inlandsprodukts um ein Prozent zu rechnen.
Nicht nur Walter sieht die Bundesrepublik immer tiefer in den Sog der Finanzkrise abdriften. Auch das Münchner ifo-Institut prophezeit für kommendes Jahr eine globale Rezession, von der das exportabhängige Deutschland besonders schwer getroffen würde. Insgesamt werden im kommenden Jahr herbe Dämpfer für den deutschen Außenhandel erwartet.
Tiefgreifende Rezession
Die Experten von der Commerzbank sehen Deutschland in der schlimmsten Rezession seit dem 2. Weltkrieg. "Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht", heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Studie des Bankhauses. Der Einbruch der Auftragseingänge in der deutschen Industrie setzte sich fort. Das Bruttoinlandsprodukt werde im vierten Quartal deutlich zurückgehen. Angesichts des offensichtlichen Einbruchs der Industrieproduktion bestünden weiter Abwärtsrisiken. Deshalb könnte die deutsche Wirtschaft 2009 stärker schrumpfen als bislang angenommen. Bisher rechnen die Commerzbank-Analysten mit einem Minus von 1,2 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt.
Rückläufige Industrieproduktion
Schlechte Nachrichten zur Konjunktur kommen auch aus dem Bundeswirtschaftsministerium. So sanken die Auftragseingänge der Industrie im Oktober um 6,1 Prozent - nach 8,3 Prozent im September. Der stärkste Rückgang wurde mit 8,2 Prozent bei den Investitionsgüterproduzenten registriert. "In der Tendenz nimmt die Nachfrage aus dem Ausland und hier speziell die aus der Eurozone stärker ab als die aus dem Inland", erklärte das Ministerium. Die Industrieproduktion werde sich deshalb in den kommenden Monaten weiter rückläufig entwickeln.
2010 kommt neuer Schwung
Für die Bundesbank ist erst 2010 wieder Licht am Ende des Tunnels. Erst dann erwarten die Banker eine weltwirtschaftliche Belebung, die die deutsche Wirtschaft wieder in Schwung bringen könnte. Dabei sei unterstellt, dass sich aufgrund der umfangreichen Maßnahmenpakete die Lage an den Finanzmärkten entspanne. Allerdings sei ein schärferer Einbruch im Rahmen eines Risikoszenarios "keineswegs abwegig".
Autobauer besonders betroffen
Am stärksten ist bislang die deutsche Autoindustrie von der Krise betroffen. Sie kämpft mit massiven Absatzeinbrüchen und reagierte darauf mit Entlassungen von Zeitarbeitern und Kurzarbeit in vielen Werken. Zudem verlängerten einige deutsche Autobauer die Weihnachtsferien drastisch, um so den Ausstoß von Neufahrzeugen zu drosseln. Dabei soll 2009 noch schlimmer werden: der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) rechnet damit, dass im kommenden Jahr auf dem deutschen Markt nur noch 2,9 Millionen Neuwagen verkauft werden. Das wäre das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990.
Unterdessen ist der konjunkturelle Abschwung nun auch in der deutschen Stahlindustrie angekommen: die Produktion von Rohstahl und Roheisen brach im November kräftig ein. Auf Jahressicht sei die Produktion um 18,5 Prozent auf 3,28 Millionen Tonnen zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Die Lage in der Stahlindustrie gilt als Indikator für den konjunkturellen Ausblick.