09.07.2010, 12:13 Uhr | Financial Times Deutschland
BVI-Fondsbericht: Regulierungspläne bei Immofonds verschrecken Anleger (Foto: imago)Die monatliche Absatzstatistik des Fondsverbands BVI enthält in der Regel kaum interessante Neuigkeiten. Läuft es an den Börsen gut, steigen die Zuflüsse in Aktienfonds, geht es eher ruppig zu, verschieben Anleger ihr Geld in Rentenfonds. Das Ganze ist so überraschend wie das saisonal wechselnde Obst- und Gemüseangebot. Mitunter zeigt die Statistik jedoch ein paar wirklich interessante Entwicklungen, die dem Zahlenmenü ein wenig Farbe geben.
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Immofonds: Regulierungspläne verschrecken Anleger
Die Veröffentlichung der Ergebnisse für den Monat Mai war so ein Ereignis. Denn die Statistik deckt erstmals auf, wie groß die Panik der Anleger von Immobilienfonds im Mai war, nachdem das Bundesfinanzministerium (BMF) gleich zu Beginn des Monats seine Pläne zur Regulierung der Branche veröffentlicht hatte. Diese sehen für die Produkte unter anderem eine Mindesthaltedauer von zwei Jahren sowie eine Kündigungsfrist von bis zu 24 Monaten vor. Die tägliche Verfügbarkeit der Anteile wäre damit künftig eingeschränkt.
Viele Anleger schreckten die Pläne auf. Sie zogen im Mai rund 1,4 Milliarden Euro aus den Immobilienfonds ab - so viel wie seit Oktober 2008 nicht mehr. Damals, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, gingen der Branche 5,1 Milliarden Euro verloren. Zwölf Fonds mussten schließen, weil sie weitere Anteilsrückgaben nicht mehr bedienen konnten.
Auf Anlegerpanik folgten Fondsschließungen
Ähnliches wiederholte sich nun im Mai. Drei Fonds, der Kanam Grundinvest, der SEB Immoinvest und der Euroreal der Credit Suisse, machten nacheinander dicht. Den schwarzen Peter schoben die Anbieter dem BMF zu. Eine Mitverantwortung an dem Desaster kann das Ministerium nicht abstreiten, gleichwohl zeigen die Fondsschließungen einmal mehr, wie dringend eine Reform der Produkte ist.
Anleger kritisieren Vorgehen der SEB
Der Immoinvest liefert dafür gute Argumente und sorgt zudem für eine weitere Überraschung in der BVI-Statistik: Der Mutterkonzern SEB hatte, schon drei Tage nachdem die BMF-Pläne öffentlich wurden, die Aussetzung der Anteilsrücknahme verkündet. Laut BVI flossen dem Fonds im Monat aber nur 8,6 Millionen Euro ab - bei einer Größe von 6,3 Milliarden Euro eine vernachlässigbare Summe, die eine Sperrung kaum rechtfertigen würde. Zumal der Fonds seit Jahresbeginn per saldo Zuflüsse hatte und eine üppige Bruttoliquidität von 1,2 Milliarden Euro besitzt, was einer Quote von 18,6 Prozent entspricht.
Insider argwöhnen, die SEB habe sich früh fallen lassen. "Die SEB müsste an einem Tag unglaublich viele Rückgaben gehabt haben - das ist mehr als unwahrscheinlich." Eine SEB-Sprecherin wies die Vermutungen zurück. Anhand der eingegangenen Anteilsrückgaben sei absehbar gewesen, dass nicht alle Anleger hätten bedient werden können. Es habe sich um einen dreistelligen Millionenbetrag gehandelt. Zudem werde die Schließung nicht erst angeordnet, wenn das gesamte Geld verbraucht ist.
Mit Reformen gegen Fondsschließungen
Sollten die Pläne des BMF Gesetz werden, dürften solch starke Mittelschwankungen künftig jedenfalls ausbleiben. Die BVI-Statistik wäre dann zwar um einen Überraschungsfaktor ärmer. Den Anlegern dürfte dies aber ganz recht sein.