05.01.2010, 09:36 Uhr | t-online.de/business
Am persischen Golf ragt der höchste Turm der Welt empor - 828 Meter misst der gerade eröffnete Burj Chalifa. Dass er das kann, hat er nicht zuletzt Firmen aus Deutschland zu verdanken, die ihr Know-how zur Verfügung stellten. Denn von den Bädern über die Küchen und das Parkett bis hin zur blitzenden Stahlfassade - vieles im Turmgiganten ist "made in Germany". Für sein Stahlskelett wurde sogar historischer deutscher Schrott verwendet – vom Palast der Republik in Berlin.
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500 Tonnen Glas, 56.000 Tonnen Beton, 19.300 Tonnen Stahl und Eisen - von Anfang Februar 2006 bis Anfang Dezember 2008 wurde das Bauwerk schrittweise abgerissen. Die Senatsbauverwaltung Berlin wies den Verkauf des Materials an. Bis zu 90 Meter lange Stahlträger wurden nach Angaben von bild.de per Lastkran aus Berlin über die Spree bis Roßlau in Sachsen-Anhalt geschippert. Dort habe Europas zweitgrößte Stahlschere sie zerschnitten, berichtet das Portal. Aufgekocht und eingeschmolzen sei das Endprodukt dann auch an einen Abnehmer in der Türkei weiterverkauft worden, der die Baustelle der Superlative in Dubai mit Stahl versorgte.
Beste deutsche Wertarbeit ist aber noch viel mehr im "Turm des Kalifen" - etwa das Parkett in 900 Appartements von der Firma Lopark aus Niederzier. Das Unternehmen fertigte und lieferte 95.000 Quadratmeter Parkett und koordinierte die Verlegung vor Ort. Die Holzart Royal Muiracatiara wurde speziell für den Turm ins Programm aufgenommen und laut rp-online.de in 80 Containern nach Dubai verschifft. Ein Auftrag der Superlative für die Firma aus Nordrhein-Westfalen.
Auch die Bäder der Luxusappartements sollen höchste Ansprüche erfüllen - mit knapp 4000 WCs und Bidets sowie mehr als 1600 Bade- und Whirlwannen der Firma Duravit aus Hornberg. Der Clou: In die edlen Bäder wird auch Duravits „Tonne“ einziehen, ein Waschtischunterbau, den der renommierte Designer Philippe Starck für das Unternehmen aus dem Schwarzwald entworfen hat. "Ein schöner Millionenauftrag" heißt es auf der Duravit-Website.
Mit von der Partie war auch das Familienunternehmen Dorma, ansässig im westfälischen Ennepetal. Die Firma hat rund 13.000 Türen mit eigenen Produkten - Türklinken und Beschlägen - ausgestattet. „Mit einem Umsatzvolumen von umgerechnet weit über zehn Millionen Euro ist das einer der größten Aufträge in der Unternehmensgeschichte. Wir sind stolz darauf, bei diesem bedeutenden Projekt dabei zu sein“, erklärte Dorma-CEO Michael Schädlich in einer Pressemitteilung. Außerdem stellen nach Angaben der Firma acht große automatisch betriebene Karusselltüren den Zugang in das höchste Gebäude der Welt sicher.
Den größten Einzelauftrag in der Unternehmensgeschichte mit einem Liefer- und Installationsumfang von mehr als 7000 Geräten konnte sich laut welt.de das Traditionsunternehmen Miele sichern. Die Küchen der Wohnappartements des Burj und des Armani Hotels hat Miele demnach komplett mit Elektrogeräten ausgestattet, vom Geschirrspüler bis zur Dunstabzugshaube.
Auch bei den Bauarbeiten mischten deutsche Firmen mit. Konzept und Material der kompletten Wand-, Decken- und Unterzugschalung für den fünf- bis neungeschossigen Podiumbereich des Burj Chalifa stammen vom Gerüstbauer Hünnebeck aus dem nordrhein-westfälischen Ratingen, ebenso wie die Decken- und Unterzugschalung der ersten zehn Etagen des Turms. Das Unternehmen Meva aus Haiterbach in Baden-Württemberg entwickelte für das einzigartige Projekt ein besonderes Schalungssystem: Meva übernahm die Schalung von 532 Decken auf 153 Etagen - insgesamt 224.808 Quadratmeter, das entspricht einer Größe von mehr als 33 Fußballfelder.
Für die Organisation einzelner Bauarbeiten war nach Informationen von rp-online.de die Firma Turner zuständig, das US-Tochterunternehmen der Essener Hochtief. 850 Pfähle seien 36 bis 50 Meter tief in den Wüstenboden gerammt worden, um 230.000 Kubikmeter Beton und 31.000 Tonnen Stahl tragen zu können.
Die im schwäbischen Aichtal ansässige Firma Putzmeister sorgte dafür, dass der Beton in spektakuläre Höhen gelangte. Was mit Kränen wegen der schnellen Aushärtung der speziellen Betonrezepturen schlecht möglich gewesen wäre, schafften deren Hochleistungs-Betonpumpen, ein ausgeklügeltes Förderleitungssystem und stationäre Betonverteilermasten.
Ebenfalls spektakulär ist die Vorhangfassade des gigantischen Turmes. Das Material für einen Teil davon wurde aus ThyssenKrupp Nirosta hergestellt: nach Firmenangaben 42 Zentimeter breite Edelstahl-Bänder an den Stirnseiten der Etagen-Plattformen. Der Krefelder Edelstahl umfasst jetzt die zahlreichen Glasfenster der Außenhaut. „Die besondere Herausforderung war es, eine gleichmäßig hohe Oberflächenqualität für diese riesige Fassade zu gewährleisten“, betonte Gert Weiß, Leiter Produktservice der ThyssenKrupp Nirosta auf www.thyssenkrupp.com.
t-online.de/business
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