Bush will bis Weihnachten über Rettung von GM und Co. entscheiden. (Foto: Reuters)Nach dem Scheitern des Rettungspakets für die US-Autobauer im Senat, suchen Politiker verzweifelt nach Lösungen. Die Zeit drängt denn General Motors und Co. könnte bis zum Jahresende das Geld zur Bezahlungen von Löhnen und Rechnungen ausgehen. Wie das Weiße Haus nun deutlich macht, schließt US-Präsident George W. Bush auch ein Insolvenzverfahren mit Gläubigerschutz nicht mehr aus.
"Dies wäre eine der Optionen", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, in Washington. Bush selbst sagte, ein Insolvenzverfahren nach US-Muster sei "unter normalen Umständen" eine Lösung. Doch herrschten "gegenwärtig keine normalen Umstände". Er wolle nicht als Präsident in die Geschichte eingehen, in dessen Amtszeit das Land in eine Depression stürzt.
Chance zur Sanierung
Ein Insolvenzverfahren nach US-Recht bietet notleidenden Unternehmen grundsätzlich die Chance zur Sanierung. Auf diese Weise warfen etwa fast alle großen US-Fluggesellschaften in der Vergangenheit viel Ballast ab. In Deutschland hat die GM-Tochter Opel einen solchen Insolvenzfall bereits grundsätzlich nach einer Staatsbürgschaft über gut eine Milliarde Euro gefragt. Die Autokonzerne lehnen eine Insolvenz als Weg zur Sanierung strikt ab, weil sie fürchten, dann noch weniger Autos verkaufen zu können.
Entscheidung bis Weihnachten
Es heißt, eine Entscheidung über das Schicksal von General Motors (GM), Ford und Chrysler solle spätestens bis Weihnachten fallen. Medienberichten zufolge denkt die Regierung auch weiterhin an die Möglichkeit eines vorläufigen Rettungspakets, das die Autobauer bis zum Amtsantritt von Präsident Barack Obama Ende Januar über Wasser halten können. Finanzminister Henry Paulson plane für GM und Chrysler rasche Notkredite von mehr als 14 Milliarden Dollar (9,7 Milliarden Euro) aus dem zunächst für die Finanzbranche gedachten 700-Milliarden- Dollar-Rettungspaket, berichtete die "New York Times". So sollen die Hersteller zumindest über das erste Quartal 2009 hinweg zahlungsfähig bleiben.
Verschärfter Sparkurs
Unterdessen verschärfen die US-Autobauer ihre Sparmaßnahmen. Bei Chrysler stehen von diesem Freitag an alle Bänder einen ganzen Monat lang still. Die Opel-Mutter GM stoppte vorläufig die Bauarbeiten an einem Zukunfts-Werk für sparsame Motoren. Berichte über neue Fusionsgespräche mit dem ebenfalls von der Pleite bedrohten Konkurrenten Chrysler wies GM unterdessen zurück.
Cerberus ergreift Initiative
Der Chrysler-Mehrheitseigner Cerberus, ein Finanzinvestor, ergriff dem "Wall Street Journal" zufolge erneut die Initiative für eine Ehe mit GM. Erst vor wenigen Wochen hatte GM solche Verhandlungen abgebrochen, um sich auf seine Finanznöte zu konzentrieren. Es gebe seither eindeutig keine neuen Fusionsgespräche, sagte ein GM-Sprecher auf Anfrage am Sitz in Detroit.
Fusion GM-Chrysler würde 40.000 Jobs kosten
Ein Zusammenschluss würde laut Experten zudem weitere Milliarden etwa für den Abbau von womöglich 40.000 Stellen kosten. Gemeinsam wären US-Branchenführer GM und die Nummer drei, Chrysler, der nach Absatz weltgrößte Autobauer vor dem japanischen Toyota-Konzern. Cerberus sei bereit, Anteile abzugeben, so die Zeitung unter Berufung auf Insider. Mit dem Signal wolle Cerberus die Politik gnädig stimmen und zu den dringend nötigen Milliardenhilfen bewegen. Der deutsche Daimler-Konzern ist noch mit rund 20 Prozent an Chrysler beteiligt, eine komplette Trennung scheiterte bislang.