19.07.2010, 10:45 Uhr | Udo Taubitz und Rainer Leurs
Eigentlich soll man ja über die Hitzewelle nicht mosern: Es herrscht halt Freibadwetter - wenn nur der schwitzende Kollege nicht wäre, mit dem man das Büro teilt. Wir zeigen Ihnen, wie man mit Stinkern im Job umgeht.
Eins vorweg: Wer stinkt, fliegt raus! So oder so ähnlich könnte man die Entscheidung des Kölner Arbeitsgerichts interpretieren, das neulich die Klage eines Architekten abwies. Der Mann war von der Denkmalbehörde in Köln entlassen worden, die wiederum als Grund für die Kündigung sein "ungepflegtes Erscheinungsbild" angab: "insbesondere durch starken Schweißgeruch und unsaubere Hände". Dagegen hatte der Mann geklagt - und war vom Gericht abgewiesen worden. Wer mieft, so scheint es, riskiert seine Karriere.
Aber kein Stress: Natürlich darf niemandem einfach gekündigt werden, nur weil er transpiriert. Besagter Architekt musste seinen Schreibtisch räumen, weil er noch in der Probezeit war - und da kann man auch ohne konkreten Grund gefeuert werden. Er hätte also nicht mal müffeln müssen.
Sicher haben Sie selbst schon längst bemerkt: Stinken und Arbeit, das ist eine schwitzige Angelegenheit, gerade jetzt im Sommer. Wie geht man mit übel riechenden Kollegen um? Was macht man, wenn man selbst mieft? Und ist an Erfolg im Job überhaupt zu denken, wenn man spätestens ab Mittags stinkt wie Oma unterm Arm? Manche Leute schwitzen ja nicht mal übermäßig, aber man kann sie trotzdem nicht riechen: Sie sondern einfach durch jede Pore ein Aroma ab, das jede einzelne unserer bis zu 30 Millionen Riechzellen beleidigt - und an besonders heißen Tagen wie zuletzt wird es nicht besser.
Bekommt man so einen Müffler als Bürogenossen oder - Gott bewahre! - als Vorgesetzten, ist es ein bisschen wie bei "Flucht in Ketten" mit Tony Curtis und Sidney Poitier: Irgendwie muss man da jetzt gemeinsam durch, auch wenn es einem stinkt. Subtile Hinweise - demonstrativ die Fenster aufreißen, heimlich Deo auf den Schreibtisch stellen - verkneift man sich besser.
"Wenn ein Kollege unschön riecht, sollte man das Problem offen ansprechen", rät stattdessen Jochen Waibel, Arbeitspsychologe und Konfliktmanagementcoach vom Stimmhaus Hamburg. "Man sollte feinfühlig formulieren, vielleicht mit einer Frage beginnen: 'Darf ich Ihnen eine persönliche Rückmeldung geben?' Und dann ganz direkt: 'Ich erlebe Ihren Körpergeruch heute als unangenehm.'"
Nun kann man sich - Arbeitspsychologie hin oder her - was Schöneres vorstellen, als seinen Kollegen derart geschliffen vor den Kopf zu stoßen. Dummerweise bekommt man ja selbst auch kaum mit, wenn man müffelt: Die Nase gewöhnt sich an den Eigengeruch. Und wenn man keine Ehefrau hat, die einen beiseitenimmt und auf das schlimme Aroma hinweist, bleibt man womöglich bis zur Rente ahnungslos.
Wer seinen miefenden Kollegen nicht offen darauf ansprechen mag, dem bleibt nur eins: sich an den Gestank zu gewöhnen. Fischverkäufer, Müllmänner und Schweinezüchter müssen es schließlich auch. Allenfalls könnte man noch versuchen, seinen Geruchssinn abzutöten: Das gelingt am ehesten mit Tabakrauch, der recht effektiv den Riechkolben lähmt. Doch das Qualmen ist mittlerweile in den meisten Büros verboten. Zudem macht Zigarettenrauch krank und lässt einen selbst aus dem Hals stinken. Räucherstäbchen duften angenehmer, aber bringen den Brandschutzverantwortlichen zur Weißglut.
Officeverträglicher, gesünder und ganz legal ist das Ausbringen von Duftessenzen. Aber Vorsicht: Raumsprays vom Discounter können Raum- und Betriebsklima vollends zunichtemachen! Feinriecher raten zu hochwertigen ätherischen Ölen. Für ein Schälchen mit verflüssigter Ackerminze, Bergamotte oder Myrrhe ist auch auf dem kleinsten Schreibtisch Platz. Wer das Raumklima diskreter verbessern will, gibt einfach einige Tropfen auf die Glühbirne der Schreibtischlampe - die Wärme intensiviert das Aroma.
Schwieriger indes ist die Frage, wie man als heftig transpirierender Mensch im Job mit seinem Körpergeruch umgehen soll. Dass normale Deos den Gestank nur übertönen und spätestens nach leichtem Anschwitzen alles nur noch schlimmer machen, wissen Sie bestimmt. Mittel der Wahl ist deshalb ein Antitranspirant, das mit chemischer Keule die Schweißbildung hemmt. Gar nicht so blöd ist außerdem ein Hemd zum Wechseln, das man dezent im Rollcontainer unter dem Schreibtisch aufbewahren kann.
Und eine weitere, entwaffnende Option besteht in radikaler Offenheit: Warum nicht gleich während der ersten Tage im neuen Job erwähnen, dass man leicht schwitzt - und für den Akutfall um sachdienliche Hinweise bitten? Der Schritt nach vorn zeugt von Selbstbewusstsein, Souveränität und Verantwortungsgefühl. Solche Eigenschaften braucht bekanntlich, wer heutzutage Karriere machen will. Bis dahin gilt: mindestens einmal am Tag duschen. Schweißhemmer benutzen. Und schön die Unterhemden wechseln. Zumindest so lange, bis die Probezeit vorbei ist.
Quelle: Financial Times Deutschland
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