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Warum Öl und Benzin immer teurer werden

Erschienen am 18. Mai 2008 | aktualisiert am 19. Mai 2008 | dpa/ AFP/ T-Online - mmr
Sprit immer teurer (Foto: dpa)
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Ein Liter Kraftstoff kostet fast 1,60 Euro, selbst Diesel-Fahrer müssen für eine große Tankfüllung jetzt 100 Euro hinblättern. Schlimmer noch trifft es Heizöl-Käufer. Wer jetzt nach der kalten Jahreszeit Heizöl kaufen muss, zahlt für 100 Liter erstmals mehr als 90 Euro. Bei Abnahme von 3000 Litern werden dann mal eben mindestens 2700 Euro fällig. Und ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht. Doch wer ist Schuld an der Misere? Öl ist doch noch genug vorhanden.

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Schamloses Abkassieren der Ölkonzerne
Die "Bild"-Zeitung spricht von "schamlosen Abkassieren der Mineralölkonzerne". Andere machen die Bundesregierung verantwortlich, die von jedem Liter Benzin rund 90 Cent an Steuern einstreicht. Und auch die Spekulanten an den Waren-Terminbörsen tragen wohl eine Mitschuld. Rex Tillerson, Chef des größten börsennotierten Ölkonzerns Exxon Mobil lastet den Hedge Fonds und anderen Investoren etwa ein Drittel des übertriebenen Ölpreises an.

Neuer Rekordpreis für Rohöl nach China-Erdbeben
An der Börse erklären Marktteilnehmer die historischen Höchstpreise mit der Sorge vor Angebotsengpässen. So schrieb die Commerzbank in einer Studie, die anhaltend hohen Preise würden von der Furcht vor einem geringen Angebot bei Mineralöl-Produkten gestützt. China habe rund 4 Gigawatt oder 0,5 Prozent seiner Kapazitäten zur Stromerzeugung wegen des Erdbebens schließen müssen. Dies dürfe eine erhöhte Diesel-Nachfrage nach sich ziehen, da Versorgungslücken durch Diesel-Generatoren geschlossen würden.

Rohölpreis nähert sich 130-Dollar-Marke
Am Terminmarkt wird dieser Preisanstieg vorweg genommen. Am Freitag (16.05.08) kostete ein Barrel (159 Liter) der maßgeblichen US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juni in der Spitze 127,82 Dollar. Der Preis für ein Fass Nordsee-Öl der Sorte Brent übersprang erstmals die Marke 126 Dollar. Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) war ebenfalls gestiegen. Nach Angaben des OPEC-Sekretariats vom Freitag kostete ein Barrel Rohöl aus den Fördergebieten des Kartells am Donnerstag 118,95 Dollar.

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Blasenbildung am Ölmarkt
Angesichts der jüngsten Ölpreis-Explosion warnen Experten vor der Bildung einer Spekulationsblase. "Wir denken, dass wir uns kurz vor oder bereits in der letzten Phase einer spekulativen Blasenbildung befinden, in der das Preissteigerungspotenzial jedoch noch nicht ausgereizt ist", sagt Rohstoff-Experte Eugen Weinberg von der Commerzbank. Zwar sei die "Rohstoff-Story" sicherlich solider als die "New Economy-Blase" Anfang des Jahrtausends. Dennoch: Der "faire Preis" für Rohöl dürfte je Barrel unter 100 US-Dollar liegen, mahnt der Experte.

Ölpreis in zwölf Monaten verdoppelt
Nur noch mit Superlativen lässt sich die Lage am Ölmarkt zuletzt beschreiben. "Rekordjagd" , "Ölpreisrallye" und "Höhenflug" sind derzeit treffend: Seit Jahresbeginn haben wichtige Ölsorten wie US-Rohöl der Marke WTI und das Nordseeöl Brent um rund 25 Prozent zugelegt. Auf Jahressicht haben sich die Ölpreise sogar fast verdoppelt: Im Mai 2007 kostete ein Barrel US-Rohöl noch rund 65 Dollar. Und in den vergangenen zehn Jahren haben sich die Ölpreise mehr als verzehnfacht.

Investoren-Nachfrage treibt Preise
Zwar nennt Weinberg wie andere Marktbeobachter auch angebots- und nachfrageseitige Gründe sowie geopolitische Risiken als Ursache für die anhaltende Rekordjagd der Ölpreise. Als Hauptgrund identifiziert der Rohstoffexperte aber spekulative Kräfte. "Viele Fundamentaldaten stützen die Preisentwicklung, vor allem aber die Investoren-Nachfrage treibt derzeit den Ölpreis." Als Beleg verweist Weinberg auf die kräftigen Preissprünge der vergangenen Monate. Diese vollzogen sich ungeachtet der deutlichen Anzeichen einer Rezession in den USA, dem weltweit größten Ölverbraucher. Normalerweise sollte die Möglichkeit einer US-Rezession den Ölpreis drücken. Da dies nicht geschehen sei, liege der Verdacht nahe, dass der drastische Preisanstieg nicht nur auf fundamentale Faktoren zurückzuführen sei.

"Ungesunde Übertreibung" ist wahrscheinlich
Für die künftige Entwicklung hält Weinberg zwei Szenarien für realistisch: Sollte der Ölpreis in den nächsten Monaten eher sinken, sei das Korrekturpotenzial nach unten tendenziell geringer, da die "ungesunde Übertreibung" letztlich ausbleibe. Wahrscheinlicher sei es indes, dass die Ölpreise zunächst weiter steigen. Die Spitze dürfte laut Weinberg zwischen 150 und 170 Dollar je Fass Rohöl liegen.

Immer weniger verfügbares Rohöl
Auch fundamental betrachtet werden die stark gestiegenen Ölpreise einer Studie zufolge in absehbarer Zeit wohl nicht mehr sinken. Die weltweite Ölförderung ist auf dem Höhepunkt oder hat ihn sogar schon überschritten. Wie die "BILD"-Zeitung unter Berufung auf eine unveröffentlichte Studie der Energy Watch Group berichtet, werde die Menge des verfügbaren Rohöls bis zum Jahr 2030 den aktuellen Berechnungen zufolge um etwa die Hälfte schrumpfen. Die Expertengruppe der Ludwig-Bölkow-Stiftung gehe davon aus, dass der Preisdruck dadurch weiter steigen werde. Allerdings sei die insgesamt rückläufige Entwicklung der Fördermengen nicht unumkehrbar.

Öltanks am Rotterdamer Hafen (Foto: dpa)
Öltanks am Rotterdamer Hafen (Foto: dpa) Vergrößern
USA pumpen nichts mehr in die strategische Reserven
Die US-Regierung hat unterdessen angesichts der explodierenden Ölpreise die Belieferung ihrer strategischen Reserven ausgesetzt. Entsprechende Verträge laufen Ende Juni aus und sollen für die sechs Monate danach nicht verlängert werden, teilte das US-Energieministerium am Freitag (16.05.08) mit. Ursprünglich war vorgesehen, die Vorräte von August an bis Dezember mit 76.000 Barrel Öl (je 159 Liter) täglich aufzustocken. Der US-Kongress hatte jedoch beschlossen, die Belieferung auszusetzen, um damit eine Entspannung bei den Öl- und Benzinpreisen zu erreichen.

Bush zu Öl-Krisengespräch in Saudi-Arabien
US-Präsident George W. Bush ist am Freitag in Saudi-Arabien, der zweiten Station seiner Nahost-Reise, mit König Abdullah zusammengetroffen. Bush wollte den König wegen des hohen Ölpreises für eine Steigerung der Ölproduktion der OPEC-Staaten gewinnen. Saudi-Arabien ist der größte erdölproduzierende Staat der OPEC und fördert weltweit am meisten Rohöl. Doch das Herrscherhaus lehnte eine weitere Steigerung der Ölförderung des Königreichs ab. Ölminister Ali al-Nuaimi und Außenminister Prinz Saud al-Faisal sagten nach dem Treffen, eine Steigerung sei derzeit nicht nötig, da man bereits zum 10. Mai die Produktion um 300.000 Barrel pro Tag erhöht habe. Damit habe man auf die wachsende Nachfrage auf dem Weltmarkt reagiert.

Flash-Grafik - Wer Deutschland mit Rohstoffen versorgt

Goldman Sachs erhöht Ölpreis-Prognose
Die US-Investmentbank Goldman Sachs hatte ihre Prognose für den Ölpreis im zweiten Halbjahr 2008 deutlich angehoben. Der Preis werde im Durchschnitt des zweiten Halbjahres auf 141 US-Dollar steigen, schreibt die Investmentbank in einer am Freitag veröffentlichten Studie. Bisher war Goldman Sachs noch von einem Ölpreis im Jahresschnitt von 107 Dollar ausgegangen.

Rohöl-Preis nächstes Jahr bei 200 Dollar
Die Experten begründeten ihre neue Prognose mit einem gestiegenen Ressourcen-Protektionismus einiger Länder. Zudem liege der Trend beim Weltwirtschaftswachstum bei 3,8 Prozent während die Ölförderung jährlich im Trend lediglich um 1,0 Prozent steige. Goldman Sachs ist eine der aktivsten Investmentbank am Energiemarkt und hatte als erste im Jahr 2005 einen Ölpreis von über 100 Dollar geschätzt. Zu Beginn des Monats hatte die Investmentbank einen Anstieg des Ölpreise in zwei Jahren auf 150 bis 200 Dollar prognostiziert.

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