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Wall-Street-WahnsinnKrisenbanker gönnen sich 70-Milliarden-BelohnungErschienen am 18. Oktober 2008 | aktualisiert am 20. Oktober 2008 | Spiegel Online Während Politiker in Europa und Amerika Rettungspakete für den Finanzsektor schnüren, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat, stellen manche Banker schnell noch ihre eigenen und großzügigen Notfallpläne auf. Wie die britische Tageszeitung "The Guardian" recherchiert hat, verteilen alleine die Geldhäuser an der Wall Street noch einmal 70 Milliarden Dollar an ihr Spitzenpersonal, das meiste davon in diskreten zusätzlichen Bonuszahlungen. Die Manager belohnten sich damit für ein Geschäftsjahr, schreibt der "Guardian", in dem sie das globale Finanzsystem in die schlimmste Krise seit dem Börsencrash von 1929 führten.Fotoshow - So viel verdienen die Mächtigen im Monat Ranking - Vorstandsgehälter der DAX-Bosse Abfindungskönige - Was Manager und Banker kassieren Quiz - Was wissen Sie über die großen Finanzkrisen? Letzter Griff in die KassenIn Deutschland muss sich Josef Ackermann für seine Ankündigung ausbuhen lassen, dass er in diesem Jahr auf einen Teil seiner Bezüge verzichten werde. Angesichts der miesen Geschäftslage, sagen die Kritiker, würden in diesem Jahr eh kaum Beträge anfallen, die den Verzicht wirklich schmerzhaft machten. An der Wall Street aber füllt man sich schnell noch einmal die Taschen, bevor die Regelung der Regierung greift, wonach Bankmanager ihre Bezüge reduzieren müssen, wenn sie staatliche Hilfe in Anspruch nehmen. Sechs Bankhäuser, darunter Goldman Sachs und Citigroup, planen jedenfalls noch einmal bedeutende Auszahlungen an ihr Personal, obwohl man schon Hilfen aus dem 700-Milliarden-Rettungsplan aus Washington beantragt hat.
Belohnung für 60 Prozent KursverlustWas die Rechercheure beim "Guardian" am meisten wunderte: "Die Summen, die Wall-Street-Firmen weiterhin für Gehälter, Abfindungen und die - besonders umstrittenen - Boni zahlen, scheinen in keinem Verhältnis zu den Verlusten zu stehen, die sie auch für die Investoren eingefahren haben." Die Börsenkurse von Citigroup und Goldman Sachs sind seit Jahresbeginn um 45 Prozent gefallen, die Notierungen für Morgan Stanley und Merrill Lynch sind sogar um 60 Prozent eingebrochen. Und Lehman Brothers sind komplett untergegangen.
Managergehälter teurer als das ganze UnternehmenDer dramatische Rückgang der Unternehmenswerte bei gleichzeitigen Milliardenbonuszahlungen produziert dabei verrückte Szenarien wie diese: In der vergangenen Woche war der Kurs von Morgan Stanley so weit abgestürzt, dass im Topf für die Managergehälter und Prämien mit 10,7 Milliarden Dollar genügend Geld war, um die Bank komplett zu kaufen. Ähnlich interessant waren die Zahlenspielereien, die sich bei der Citigroup ergaben: Dort werden, trotz des Gewinneinbruchs, in diesem Jahr vier Prozent mehr für Gehälter und Boni ausgezahlt als im Vorjahr - insgesamt 25,9 Milliarden Dollar. Gleichzeitig hat die Bank im Rahmen des Finanzrettungsplans 25-Milliarden Dollar als Investition aus Washington akzeptiert.Kein KommentarNach Angaben des "Guardian" sind auch bei der Konkurrenz erstaunliche Beträge für Gehälter und Sonderzahlungen aufgelaufen:
Absprung mit goldenem FallschirmVielleicht waren dann Leute wie Lehman-Brothers-Boss Dick Fuld oder Merrill-Lynch-Chef Stan O'Neal und ihre Kollegen die letzten einer Generation, die dank der Boni oder großzügigen Abfindungen - die sie in Amerika gerne auch den "golden parachute" nennen, also den goldenen Fallschirm - steinreich wurden. Dick Fuld verdiente in den Jahren von 2000 bis 2007 Gehälter und Sondervergütungen in einer Höhe von 485 Millionen Dollar. Stan O'Neal verkündete noch einen Verlust von acht Milliarden Dollar, bevor er mit einem Abschiedsgeld von 161 Millionen privatisierte. Citigroup-CEO Chuck Prince musste zig Milliarden abschreiben - und verabschiedete sich mit 38 Millionen Dollar in Boni, Aktien und Optionen aus dem Geschäft.Mehr Themen: Richtig investiert - Die zehn reichsten Deutschen Finanzkrise - Wie sicher ist meine Altersvorsorge? Ratgeber zum Crash - Bücher zur Finanzkrise sind gefragt Finanzkrise - Bankenpräsident Müller räumt Fehler der Branche ein Ist mein Geld noch sicher? - Antworten im Special zur Finanzkrise Irrationale Börsen - Massenpanik oder die Lust am Zocken DAX-Quiz - Kennen Sie Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer? Video-Umfrage - Wie sicher ist Ihr Geld? Euro, Dollar, Pfund - News, Kurslisten, Crossrates, Charts - alles realtime Rohstoffe - Gold | Öl | Überblick
Quelle: Spiegel Online, t-online.de | Speichern Sie diesen Artikel bei:
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