Ein Karmann-Klassiker: Der VW Ghia Cabrio aus dem Jahr 1969 (Quelle: imago)Der Cabrio-Spezialist Karmann hat am Mittwoch Insolvenz angemeldet. Der Grund ist nach Angaben des Unternehmens die drohende Zahlungsunfähigkeit. Die bevorstehenden finanziellen Verpflichtungen sind schlicht zu hoch. Die Geschäftsführung stellte den Antrag zur Eröffnung des Verfahrens beim Osnabrücker Amtsgericht. Nach Angaben der IG Metall sind 3470 Mitarbeiter der Wilhelm Karmann GmbH betroffen.
"Der alle Planungen sprengende Umsatzrückgang hat dazu geführt, dass der mit den Arbeitnehmervertretern vereinbarte Sozialplan nicht mehr zu finanzieren ist", heißt es in einer Mitteilung. Mit dem vom Gericht zu bestellenden vorläufigen Insolvenzverwalter sollten nun die neu strukturierte Unternehmensgruppe in eine gesicherte Zukunft geführt und so viele Arbeitsplätze wie möglich gerettet werden.
Karmann ist im Kern sanierungsfähig
Ein Sanierungskonzept vom September 2008 habe für 2009 noch ein ausgeglichenes Ergebnis vorgesehen. Das mehr als 100 Jahre alte Unternehmen, das nach eigenen Angaben weltweit rund 8000 Mitarbeiter beschäftigt, sieht sich zwar "im Kern sanierungsfähig". Karmann sei "praktisch frei von Bankkrediten", teilte das Unternehmen weiter mit. "Der Zusammenbruch des Automobilmarktes einerseits und der Sozialplan andererseits sind in ihrer Summe Belastungen, die die Finanzierungskraft des Unternehmens übersteigen."
Ein trauriger Tag für Niedersachsen
Die niedersächsische Landesregierung hat mit Bestürzung auf die Insolvenz des Autobauers Karmann reagiert. "Das ist ein trauriger und ernster Tag", sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei. Die Landesregierung stehe dem Betriebsrat für Gespräche zur Verfügung. Es bestehe die Chance auf eine Transfergesellschaft für die Beschäftigten. Die Autokrise habe die Situation bei Karmann weiter verschärft.
Legendärer VW Karmann Ghia
International bekannt geworden war das Automobilunternehmen ab den 50er Jahren durch den Bau des legendären Fahrzeugs VW Karmann Ghia. Der Insolvenzantrag beziehe sich auf die Wilhelm Karmann GmbH mit Sitz in Osnabrück. Unmittelbar betroffen seien zudem die Automotive Global Service GmbH in Bissendorf, die Karmann Rheine GmbH & Co. KG in Rheine und Karmann Rheine Verwaltungs GmbH in Rheine.