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Kaffee-Preis springt auf 12-Jahres-Hoch
24.06.2010, 16:18 Uhr | Von Martin Mrowka
Fünf-Jahres-Chart Kaffee "Arabica" - Verlaufskurse mit 200-Tage-Linie (Grafik: boersenradar.t-online.de) Die Kaffee-Preise kennen an den Terminmärkten derzeit kein Halten mehr. Am Donnerstag schoss die Futures-Notierung für die Kaffee-Sorte Arabica zeitweise um mehr als 10 Prozent auf 176,50 US-Cents pro Pfund in die Höhe. Das ist laut "Financial Times" (FT) der höchste Preis seit Februar 1998. Allein seit Monats-Anfang legte die Rohkaffee-Notierung rund 30 Cent zu. Wo liegen die Gründe für die Kaffee-Hausse? Und wie lange könnte sie noch anhalten?
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Gute Kaffee-Ernte steht bevor
Für die Preissteigerungen seit Monatsanfang gab es zunächst keine fundamentale Erklärung. Trader vermuteten, dass es sich um einen Short Squeeze handeln könnte. Dabei hätten mögliche Positionsschieflagen von kurzfristig orientierten Marktakteuren glattgestellt werden müssen. Eine weitere Ursache für den plötzlichen Preisanstieg könnten Sorgen sein, dass das Angebot mit der Nachfrage nicht Schritt halten könne, vermuteten die Analysten der Commerzbank. Dagegen stehe allerdings, dass eine große Kaffee-Ernte bevorsteht. Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums soll die Ernte im größten Kaffeeland Brasilien in diesem Jahr um 20 Prozent höher als im Vorjahr ausfallen. In Kolumbien wird ein Plus von 25 Prozent erwartet.
Haben sich Hedge Fonds verzockt?
So schien es der Bank zufolge doch plausibler, dass missglückte Spekulationsmanöver auf den Kaffeemärkten zu dem Preisanstieg geführt haben. Ebenso wie andere Rohstoffmärkte ist auch der Kaffeemarkt weitgehend in der Hand von Finanzinvestoren, Hedge Fonds und Spekulanten. Die "Financial Times" berichtete schon vor zehn Tagen, Hedge Fonds hätten in London
auf fallende Preise gewettet und sich zu ungünstigen Konditionen mit Kontrakten eindecken müssen, als der Markt gegen sie drehte.
Korrektur wird kommen
Für den jüngsten Preissprung machte die "FT" gesunkene Lagerbestände für kolumbianische Kaffeebohnen mit Premium-Qualität verantwortlich. Gemeinsam mit der Aussicht auf eine gute Kaffee-Ernte in Südamerika und den aggressiven Käufen von Hedge Fonds ergibt sich offenbar das aktuelle Hausse-Gefüge am Terminmarkt. Für private Spekulanten ist nun die Frage interessant: Wann dreht der Markt? Prallt der Kurs an dem Jahreshoch aus 2008 (siehe Chart-Vergrößerung oben) bei 176 US-Cent ab? Demnächst dürften sich Kauf-Positionen auf fallende Kaffee-Preise lohnen.
Mit Put-Schein auf die Lauer legen
Doch noch ist es offenbar nicht so weit. Die "FT" zitierte Händler, die die starken Käufe durch Hedge Fonds als Auslöser für Absicherungskäufe anderer Trader sehen, die bereits zuvor auf fallende Preise gesetzt hatten. Angus Kerr, Eigner einer Kaffee-Handelsfirma im englischen Cobham, sagte der Agentur Bloomberg: "Ich denke, da sind Stop-Loss-Käufe im Markt." Ähnlich wie nach der Mega-Hausse von VW-Stammaktien Ende 2008 werden auch die Kaffee-Preise wieder korrigieren. Denn normalerweise ist der Kaffee-Markt eher langweilig. Tipp der Wirtschaftsredaktion von t-online.de: Spekulativ eingestellte Privatanleger legen sich mit einem Put-Schein auf die Lauer. Ein erstes Signal für weiter fallende Kurse könnte die Unterschreitung des Zwischenhochs in 2008 bei knapp 155 US-Cent sein. Bis etwa 120 Cent dürfte es danach abwärts gehen.
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Kaffee-Preise im Supermarkt noch nicht berührt
Ob sich die Turbulenzen am Rohkaffee-Markt auch auf die Endpreise für deutsche Verbraucher auswirken können, ist eher fraglich. Der Deutsche Kaffee-Verband verweigerte jeglichen Kommentar zu Preisen, weil er kartellrechtliche Probleme fürchtet. Der Verband war erst vor wenigen Wochen vom Bundeskartellamt mit einer Buße belegt worden, weil er in einer Pressemitteilung auf bevorstehende Preiserhöhungen hingewiesen und damit eine Kartellbildung befördert habe. Auch die Unternehmen äußern sich nicht mehr zu Preisen.
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Tagesschwankungen werden weggesteckt
Generell macht der Preis für Rohkaffee nur einen kleinen Teil des Endverbraucherpreises aus. Allein 1,10 Euro beträgt die Kaffeesteuer, dazu kommen Mehrwertsteuer, Handelsmargen sowie Kosten für Verarbeitung, Verpackung und Vertrieb. Die täglichen Schwankungen an den Börsen werden zudem von den Kaffeefirmen nicht in tägliche Preispolitik umgesetzt. Vielmehr bestehen langfristige Lieferbeziehungen zu den Produzenten in Kaffeeländern.
(24.06.10)
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Quelle: t-online.de