28.05.2010, 11:44 Uhr | dpa-AFX
Proteste nach dem neunten Selbstmord vor einem Foxconn-Büro in Hongkong (Foto: Reuters)
Die Serie von Selbstmorden unter den Arbeitern des weltgrößten Elektronik-Herstellers Foxconn geht weiter. Am Dienstag starb erneut ein Mitarbeiter, nachdem er vom Dach des Werkes im südchinesischen Shenzhen gestürzt war. Das berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. Es war der neunte Todesfall und der elfte Sturz dieser Art in der Fabrik in diesem Jahr. Zwei Mitarbeiter wurden bei versuchten Selbstmorden schwer verletzt.
Die Selbstmorde lösten eine heftige Diskussion über die Arbeitsbedingungen bei dem taiwanesischen Hersteller aus, der für Weltkonzerne wie Apple, Hewlett-Packard, Dell, Sony oder Nokia produziert. Der Vorsitzende der Hon-Hai-Gruppe, zu der Foxconn gehört, bestritt am Montagabend in Taipeh, dass schlechte Behandlung der Beschäftigten hinter den Selbstmorden stecken könnte.
"Foxconn ist kein Ausbeuterbetrieb", sagte Terry Kuo. Das Unternehmen versuche aktiv, Selbstmorden vorzubeugen. Details nannte er nicht. Kuo hob hervor, dass die breite Berichterstattung über die Fälle möglicherweise zur Nachahmung angeregt haben könnte. Erst am Freitag hatte sich ein Mitarbeiter des Werkes in Shenzhen umgebracht. In der Fabrik arbeiten allein 300.000 Menschen. Foxconn beschäftigt in China insgesamt 800.000 Mitarbeiter.
Während das Unternehmen schlechte Arbeitsbedingungen bestreitet, klagen Beschäftigte über lange Arbeitszeiten, hohen Druck, niedrige Bezahlung, strenge Disziplin und schlechte Behandlung durch Vorgesetzte. Viele leben isoliert in Wohnheimen auf dem Werksgelände.
Nach dem Bekanntwerden des neunten Selbstmordes demonstrierten Arbeitsrechtsaktivisten vor einem Foxconn-Büro in Hongkong. Sie stellten Papierfiguren auf, die die gestorbenen Arbeiter symbolisieren sollten. Dabei verstreuten sie Papiergeld wie bei einer traditionellen chinesischen Trauerzeremonie. Neben das Bild von Foxconn-Gründer Kuo schrieben sie unter anderem die chinesischen Schriftzeichen für Grausamkeit. Sie warfen ihm auch vor, seine Angestellten schlecht zu behandeln und damit für deren Probleme verantwortlich zu sein.
Quelle: dpa-AFX , t-online.de
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