
16.01.2012, 17:06 Uhr | Spiegel Online
Hohe Zinsen, schleppende Konjunktur, kriselnde Banken - Europa und die USA kämpfen mit der Schuldenkrise. Doch selbst das reiche China ist keine Insel der Seligen. Im Gegenteil: Peking versucht derzeit verzweifelt, einen Flächenbrand auf dem Finanzmarkt zu verhindern.
Die Theorie, ein autoritäres System könnte ein Finanzsystem besser kontrollieren als eine Demokratie, entpuppt sich als Illusion: Ähnlich wie die westliche Welt vor drei Jahren kämpft China mit einer hausgemachten Schuldenkrise, deren Folgen noch kaum absehbar sind. Selbst in den Staatsmedien stellen die Kommentatoren bereits warnende Vergleiche mit der amerikanischen Hypothekenkrise an, die 2008 die globale Finanzkrise ausgelöst hat. Während die Europäer gerade Peking um Milliardeninvestitionen für ihren Euro-Rettungsschirm bitten, sucht die kommunistische Führung selbst nach Lösungen, um die großen Risiken im Finanzsystem und die Gefahren durch ein spürbar langsameres Wachstum bändigen zu können.
Sorge macht nicht nur ein Berg fauler Kredite, der sich durch das milliardenschwere Konjunkturprogramm aufgetürmt hat, oder die hohen Schulden der einzelnen Provinzen. Die Regierung ist auch alarmiert über die Zahl der Schattenbanken, die seit zwei Jahren explosionsartig und unkontrolliert wächst. Zwischen 10 und 20 Prozent aller neuen Kredite stammen nach Schätzungen aus diesem informellen Kreditmarkt, der jetzt ins Wanken gerät. Es ist ein undurchsichtiges Geflecht von Unternehmen, Investoren, illegalen Geldverleihern und skrupellosen Kredithaien.
Aktuelle Stellenangebote für Filialleiter, Kundenberater, Buchhalter und Absolventen in Ihrer Wunschregion finden.
Jobsuche starten
Regierungschef Wen Jiabao kündigte ein scharfes Vorgehen gegen Zinswucher und illegale Kapitalbeschaffung an. Gleichzeitig müssten die durch Kreditklemme und Kapitalmangel ausgelösten Probleme bekämpft werden, "um eine Ausbreitung der Risiken zu verhindern". Er sicherte kleinen und mittleren Unternehmen Hilfe zu. Für solche Privatfirmen, die von den großen Banken keine Kredite bekommen, bot der graue Markt schon lange effektive Finanzierungshilfen. Dafür zahlen sie auch höhere Zinsen.
Im Schattenreich des Kreditwesens bedienten sich zunehmend aber auch risikobereite Spekulanten oder Unternehmer, die fallende Gewinne in ihrer Produktion mit anderen Geschäften etwa auf dem boomenden Immobilienmarkt oder selbst als Kreditgeber aufpäppeln wollten. Jetzt platzt die Blase: Das Exportwachstum flaut ab. Die ohnehin geringen Gewinnmargen sinken weiter. Die Verluste steigen. Viele Spekulationen auf dem Immobilienmarkt gehen nicht mehr auf. Auch die Aktienbörsen sind seit Jahresanfang um 13 Prozent abgesackt.
Der Hochgeschwindigkeitszug fährt die Strecke Schanghai - Peking. Das Fahrzeug legt 1318 Kilometer in fünf Stunden zurück. zum Video
Das chinesische Bruttoinlandsprodukt ist im Sommer um 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen, im Frühjahr 2011 waren es noch 9,5 Prozent. Eine nachlassende Nachfrage aus dem Ausland bremste den Exportweltmeister ebenso wie höhere Zinsen. Die Konjunktur kühlte sich damit bereits das dritte Quartal in Folge ab. Ein schwächeres Wachstum hatte es zuletzt im Frühjahr 2009 mit 8,1 Prozent gegeben, als die weltweite Finanzkrise auf das Boomland durchschlug.
Die Regierung hat aus Angst vor Inflation die Richtlinien für die Kreditvergabe deutlich verschärft. Dadurch aber geht auch dem Graumarkt Liquidität verloren, denn viele Geldverleiher sind ihrerseits auf die Kredite der offiziellen Banken angewiesen. Die Folge: Die Zahl der Pleiten nimmt zu, Bosse ergreifen die Flucht. "Es fühlte sich an wie ein ständiger Ritt auf dem Tiger", schilderte Hu Fulin, Chef des größten chinesischen Brillenglasherstellers Xintai in Wenzhou (Provinz Zhejiang). Er setzte sich im September unter der Last von 1,5 Milliarden Yuan Schulden (166 Millionen Euro) in die USA ab. "Ich hatte jede Nacht Alpträume." Ihm griffen die Banken unter die Arme, so dass Hu Fulin zurückkam.
Wir präsentieren in unserem großen Energiespecial die wichtigsten Infos zu Strom und Gas im Haushalt. Strompreise
Chinas Staatsmedien feierten seine Rückkehr als Erfolg für die Bemühungen der Behörden, die Kreditkrise zu bekämpfen und strauchelnden Unternehmern zu helfen. Andere wurden allerdings auch in Handschellen zurückgeholt. Schlagzeilen machte vor allem die Wirtschaftsregion Wenzhou, aber auch Ordos in der Inneren Mongolei. Die Provinzen Shanxi sowie Fujian und Guangdong, die als Motoren der Wirtschaft gelten, sollen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben.
"Die inhärenten Risiken im Schattenbankensystem sind im Moment groß, weil Wohnungspreise fallen und sich das Wirtschaftswachstum abschwächt", warnte Barclays in einem Bericht, den das "Wall Street Journal" unter dem Titel "Die nächste Subprime?" zitierte. Der Ausfall einiger Projekte könnte eine Welle von Kreditkündigungen auslösen, warnte das Investmenthaus. Gefahr drohe auch durch boomende neue Anlageprodukte, in denen Banken geschickt Kredite in Investitionsmöglichkeiten umwandeln. Damit umgehen sie behördliche Kreditgrenzen. Das Risiko ist meist unklar. "Wenn solche Kredite platzen, werden Einzelpersonen und Unternehmen beträchtliche finanzielle Verluste hinnehmen."
Devisen-Handel beim Testsieger, Cash Back und keine Ordergebühren!
Jetzt sichern
Welcher Funke in China einen Steppenbrand auslösen könnte, weiß niemand. Experten sind sich einig, dass das chinesische Finanzwesen mit seinen Staatsbanken, Kapitalkontrollen, hohen Spareinlagen und der geringen Transparenz anders funktioniert als das Bankensystem im Westen. Eine große Gefahr wäre sicher ein Vertrauensverlust der Sparer. Die Chinesen sind Weltmeister im Sparen. Durch staatlich festgelegte, niedrige Zinsen subventionieren Haushalte schon massiv die Banken, während ihr Geld durch hohe Inflation an Wert verliert.
So fürchtet die kommunistische Führung auch soziale und politische Spannungen. Die Inflation gibt aber wenig Raum für eine Lockerung der Geldpolitik, die ohnehin an Wirkung verliert. Nach Erhebungen der Rating-Agentur Fitch generiert heute jeder Yuan neuer Kredite nur noch halb so viel Wachstum wie vor fünf Jahren. Regierungschef Wen Jiabao kündigte jetzt ein neues "Fein-Tuning" an. Auch prüft das Industrieministerium eine "Stimulus-Politik" für Unternehmen, um auf den globalen Abschwung zu reagieren.
Quelle: Spiegel Online
Banken Wanken schrieb:
am 2. November 2011 um 13:39:25
(3)
(0)
Chinas Banken haben Probleme
Der große Knall zeichnet sich schon lange ab. Nur die Politiker begreifen das nicht. Der KLEINE MANN muß das ganze ausbaden.
Kommentar melden
Egon schrieb:
am 31. Oktober 2011 um 18:24:49
(7)
(4)
'Kommunistische Führung' = Nonsens
Es gibt keine kommunistische Führung in China. Damit versucht man im Westen die Menschen mit dem
Kapitalismus bzw. (A)'Soziale Marktwirtschaft' zu befrieden. Die Menschen sollen sich mit der kapitalistischen Herrschaft in Deutschland zufrieden geben, so der Wunsch und die Ideologie der Quandtschen und Springerschen - Medien.
mehr
Kommentar melden
fundador schrieb:
am 31. Oktober 2011 um 16:17:51
(5)
(5)
Chinas Banken...
...und wenn sie noch so im Schatten liegen,die rufen nach Angela und die öffnet den Rettungsschirm. Sobald wieder eine Bank
in Deutschland neu bilanziert, tauchen wieder ein paar Milliarden auf und dann ist da noch der Steuerzahler,allen voran die Merkelfans,die sicher gerne ihr überschüssiges Geld zur Verfügung stellen.
Liebe Chinesen,sagt was ihr braucht,wir überweisen.
mehr
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special
Entdecken Sie die neuen Kollektionen zu Top-Preisen: jetzt online bestellen! zu den Angeboten
Zeigen Sie Flagge - alles für die per- fekte EM-Party in Schwarz-Rot-Gold.
von GINGAR.de
Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de
Batterie- und Steuerungstechnik soll optimiert werden. zum Video