Infineon-Produktionsstätten sind dank Auftragsflut ausgelastet (Foto: ddp)Der Chiphersteller Infineon kämpft angesichts der starken Nachfrage in seiner Industriesparte mit Produktionsengpässen. "Unsere Auftragsbücher sind voll, und unsere Kunden würden gerne noch schneller und mit noch mehr Produkten beliefert werden", erklärte Arunjai Mittal, Chef der Industriesparte, dem "Handelsblatt". Vergangene Woche erst hat Infineon angekündigt, 18 Millionen Euro in sein Werk in Dresden zu stecken, um die Kapazitäten bis Juli um zehn Prozent aufzustocken. Infineon Technologies haben nach der Meldung zu den größten DAX-Gewinnern gehört. Die Aktien legten zwischenzeitig um rund fünf Prozent zu.
Vom Auftragsboom profitiert neben der Autosparte vor allem die Industriesparte (Industrial & Multimarket), die Großkunden wie ABB, Alstom, General Electric oder Siemens beliefert. "Die höchsten Wachstumsraten verzeichnen wir gerade mit Abnehmern aus der Windkraft- und Solarindustrie", erläuterte Divisionschef Mittal. Für Windräder und Sonnenkollektoren liefert Infineon Leistungshalbleiter, mit denen Spannung und Strommenge geregelt werden.
ICE und TGV kaufen bei Infineon ein
Von der landläufigen Meinung, Chips seien klein und billig, ist Infineon auf diesem Gebiet weit entfernt. Die Module, etwa für Stromleitungen, wiegen mitunter einige Kilo und kosten mehrere tausend Euro. "In den neuen ICEs stecken Infineon-Produkte für mehr als 100.000 Euro", sagte Mittal. Sowohl der deutsche Hochgeschwindigkeitszug ICE als auch der französische Wettbewerber TGV werden von den Bayern ausgestattet.
Gestärkte Industriesparte
Im abgelaufenen Quartal kletterten die Erlöse in der Industriesparte um 17 Prozent auf 273 Millionen Euro, der operative Gewinn stieg zum Vorjahr von zwei Millionen auf 44 Millionen Euro. Damit steht die Sparte für rund 30 Prozent des Konzernumsatzes und für die Hälfte des Betriebsgewinns der vier Sparten.
Experten erwarten Umsatzplus
Die Analysten von Unicredit gehen davon aus, dass es mit dem Industriegeschäft weiter aufwärtsgeht. Für das laufende Geschäftsjahr rechnen die Experten mit einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel auf knapp 1,2 Milliarden Euro, kommendes Jahr soll der Zuwachs knapp sechs Prozent betragen. Damit würde die Industriesparte an der zuletzt leicht größeren Autodivision vorbeiziehen. Der dritte große Bereich des Konzerns ist der Mobilfunk, der nur auf sechs Prozent Marge kommt. Darüber hinaus fertigen die Münchener Halbleiter für Chipkarten. Auf diesem Feld sind sie Weltmarktführer, verdienen damit aber momentan praktisch kein Geld.