27.05.2010, 08:57 Uhr | Financial Times Deutschland
KfW und Commerzbank planen offenbar einen Fonds für den Mittelstand (Foto: dpa) Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) soll das Vehikel ein Volumen von 300 bis 500 Millionen Euro haben und Firmen mit Eigenkapital versorgen. Auf diese Weise sollen die Unternehmen in die Lage versetzt werden, ihr Wachstum zu finanzieren, hieß es in informierten Kreisen. Der Verwaltungsrat der KfW soll am 10. Juni darüber abstimmen.
Der deutsche Mittelstand dürfte sich über den zunehmenden Wettbewerb deutscher Kreditinstitute freuen. Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte im Dezember einen Eigenkapitalfonds der deutschen Kreditwirtschaft für den krisengeplagten Mittelstand angekündigt. Dies hatte jedoch für öffentliches Brimborium gesorgt, da der Vorschlag nicht mit anderen Banken abgesprochen war. Auch später bat die Deutsche Bank dem Vernehmen nach andere Banken nicht, sich daran zu beteiligen. Der Fonds ging im Frühjahr mit einem Volumen von 300 Millionen Euro an den Start - die Deutsche Bank ist bislang der einzige Investor.
Auch Sparkassen bieten Fonds an
In informierten Kreisen hieß es ausdrücklich, der neue Fonds von KfW und Commerzbank sei kein Konkurrenzprodukt zum Fonds der Deutschen Bank. Er sei anders konstruiert. Über die Details der Ausgestaltung war allerdings nicht viel zu erfahren. KfW und Commerzbank lehnten eine Stellungnahme ab. Auch die Sparkassen und Landesbanken haben ein Programm aufgelegt: Sie hatten im März erklärt, über regionale Beteiligungsgesellschaften 550 Millionen Euro frisches Eigenkapital für Mittelständler zur Verfügung zu stellen.
Geld auch für größere Firmen
Ein Unterschied zwischen dem Fonds der Deutschen Bank und dem der KfW und wird allerdings die Größe der Zielkunden sein: Der Deutsche-Bank-Fonds richtet sich an Mittelständler mit einem Umsatz von maximal 100 Millionen Euro, der neue Fonds dagegen nach derzeitiger Planung an Unternehmen mit einem Umsatz von 50 bis 500 Millionen Euro.
Commerzbank und KfW offen für andere Investoren
Die KfW soll etwa 150 bis 250 Millionen Euro in den Fonds geben, die Commerzbank voraussichtlich den Rest. Allerdings seien die Institute offen für weitere interessierte Investoren, hieß es. Dem Vernehmen nach gibt es keine Bedenken, dass es beihilferechtliche Probleme mit der EU-Kommission geben könne. Die größte deutsche Förderbank KfW ist komplett in staatlicher Hand, an der Commerzbank hält der deutsche Steuerzahler 25 Prozent plus eine Aktie.
Zu wenig Eigenkapital bei Firmen
Das Bundeswirtschaftsministerium begrüßte die Pläne für den neuen Fonds: "Wir sehen es positiv, weil damit eine Lücke in der Mittelstandsfinanzierung geschlossen würde", sagte eine Sprecherin auf FTD-Anfrage. KfW-Vorstand Axel Nawrath hatte sich im April beklagt, dass viele Marktteilnehmer und Politiker die schlechte Eigenkapitalausstattung des deutschen Mittelstands diagnostizierten, aber kaum jemand neue Impulse setze. Er hatte daher angekündigt, dass die KfW prüfen werde, selbst in diesem Feld aktiv zu werden. Bislang ist die Förderbank nur in den seltensten Fällen Eigenkapitalgeber für den Mittelstand. Das Institut beschränkt sich auf die Kreditvergabe.