07.01.2010, 10:32 Uhr | Financial Times Deutschland
Conti sichert sich offenbar frisches Geld (Foto: dpa)Mehr als zehn Investmenthäuser sind nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) bereit, die Kapitalerhöhung von Continental zu zeichnen. Der Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Wolfgang Reitzle stimmte der Ausgabe der Aktien in einer Telefonkonferenz zu. Der Aktienverkauf kann damit unmittelbar abgewickelt werden. Die zwischen Weihnachten und Neujahr vorbereitete Kapitalerhöhung ist der vorerst letzte wichtige Schritt des hoch verschuldeten Konzerns, um seine finanzielle Lage zu stabilisieren. Sie verschafft dem Unternehmen Handlungsspielraum für den angepeilten Zusammenschluss mit dem Großaktionär Schaeffler. Für die Finanzmärkte ist der Schritt ein Signal, dass auch größere Kapitalerhöhungen - selbst aus der Krisenbranche der Automobilzulieferer - wieder auf Interesse von Investoren stoßen.
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Schaeffler behält Dreiviertel-Mehrheit
Nach Informationen aus Finanzkreisen stammen die meisten Investoren aus Europa. Es werden 31 Millionen Aktien platziert. Der Anteil des Familienkonzerns Schaeffler an Continental wird damit nicht unter 75 Prozent fallen. Dies galt als Voraussetzung, damit die Schaeffler-Vertreter im Aufsichtsrat von Conti der Kapitalerhöhung zustimmen. Dass nicht mehr Aktien ausgegeben werden mussten, ist auch der guten Kursentwicklung der vergangenen Monate zu verdanken. "Wenn die Märkte deutlich schlechter gelaufen wären, hätte das nicht geklappt", sagte ein Beteiligter. Die Investoren bekommen die Aktien für 35 Euro je Papier. Am Mittwoch schloss Continental mit 40,78 Euro - ein Abschlag von rund zehn Prozent ist in solchen Fällen üblich.
Schaeffler hat selbst Probleme
Schaeffler ist selbst hoch verschuldet und hat kein Geld, sich an Contis Kapitalerhöhung zu beteiligen. Das fränkische Unternehmen hatte Ende 2008 über Kredite knapp 90 Prozent der Aktien an dem ehemaligen DAX-Konzern übernommen. Angesichts der Finanzkrise und der schwachen Konjunktur hatte dieses Geschäft Schaeffler selbst in Schieflage gebracht.
Gezielt Investoren angesprochen
Um die neuen Aktionäre für Conti zu finden, haben die Investmentbanken nicht - wie meist üblich - eine breite Platzierung angestrebt. Stattdessen sind sie in den ersten Januartagen auf einzelne Großinvestoren zugegangen und haben ihrerseits gegenüber Conti die Abnahme der Aktien garantiert. Zu dem Konsortium gehören federführend Goldman Sachs, die Deutsche Bank und JP Morgan Chase. Dazu kommen noch BNP Paribas, HSBC und Calyon.
Milliarden-Schulden belasten Conti
Conti ist nach der Übernahme der Siemens-Autosparte VDO hoch verschuldet und litt zudem zuletzt unter der schwachen Autokonjunktur. Die Gläubigerbanken des Konzerns forderten deshalb frisches Eigenkapital. Sie hatten unter dieser Bedingung Ende Dezember zugestimmt, eine verlängerte Rückzahlungsfrist für 2010 fällige Kredite zu akzeptieren. Conti stand noch im September bei etwa 50 Banken mit rund zehn Milliarden Euro in der Kreide.
Geplante Fusion Conti-Schaeffler
Schaeffler hatte schon im vergangenen Jahr Stillhalteabkommen mit seinen Banken erreicht und das operative Geschäft stabilisiert. Für die kommenden Monate strebt Schaeffler an, die beiden Konzerne unter einer übergeordneten Holding zusammenzuführen. Conti hatte sich anfangs heftig gegen eine Fusion mit dem deutlich kleineren Konzern aus Herzogenaurach gewehrt.