02.08.2011, 10:24 Uhr | Financial Times Deutschland
Dänemark büßt für seine Banken (Foto: ddp)Kaum ein Staat verfährt mit seinen Banken so rigoros wie Dänemark. Grundsätzlich gilt: Wer pleite geht, hat Pech gehabt. Das schürt die Sorge um eine Konkurswelle. Kreditausfallversicherungen für Staatsanleihen klettern auf Rekord.
Die Refinanzierungsprobleme der inländischen Banken beschädigen den Ruf Dänemarks als sicherer Schuldner. So sind die Kosten für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) auf dänische Staatsanleihen in der Vorwoche auf ein Allzeithoch geschnellt. Dahinter stehen vor allem Ängste, dass das Land seine angeschlagenen Finanzkonzerne finanziell unterstützen muss.
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Prämien innerhalb von vier Wochen verdreifacht
Die CDS-Prämien auf dänische Anleihen kletterten am Freitag um 14 Basispunkte auf 87, wie Daten des Analysehauses CMA zeigen. Investoren müssen somit jährlich eine Gebühr von 87.000 dänischen Kronen (rund 11.700 Euro) bezahlen, um Kredite in Höhe von 10 Millionen Kronen abzusichern. Die Prämien, die noch am 7. Juni dieses Jahres bei nur 28 Basispunkten notiert hatten, haben sich somit in den vergangenen vier Wochen verdreifacht und so stark verteuert wie für kein anderes Land der Welt.
Damit bekommt Dänemark das Misstrauen zu spüren, das Investoren bereits anderen Ländern entgegengebracht haben. Aufgrund der Probleme im Finanzsektor mussten viele Staaten mit Geldspritzen in Milliardenhöhe einspringen. Das hatte zur Folge, dass sich die Bonität der Länder selbst verschlechterte, vor allem dann, wenn der Finanzsektor einen überproportionalen Anteil an der Gesamtwirtschaft ausmachte. Das krasseste Beispiel ist Irland, das zur Rettung seines Finanzsektors auf Hilfen der Euro-Länder angewiesen war.
Etliche Pleite-Banken können noch folgen
In Dänemark sind seit 2008 insgesamt elf Banken pleitegegangen. Laut Angaben der Ratingagentur Standard & Poor's vom Donnerstag könnten bis zu 15 weitere dänische Banken in den Bankrott rutschen. Als gefährdet gelten vor allem Banken mit vielen faulen Krediten an den angeschlagenen Bau- und Agrarsektor.
Dänemark fährt bei der Abwicklung von Banken eine harte Linie. Laut dem Insolvenzrecht büßen vor allem die Gläubiger. Bei der im Februar kollabierten Amagerbanken mussten Anleihegläubiger 41 Prozent ihrer Forderungen abschreiben. Anders als in anderen EU-Staaten finanzieren in Dänemark seit Herbst 2010 allein die Banken die Abwicklung der insolventen Institute. Die Regierung müsste somit erst einspringen, wenn der Einlagensicherungsfonds zahlungsunfähig wäre.
Ein ernstes Schuldenproblem wäre aber nicht zu befürchten. Mit einer Verschuldung von 44 Prozent und einem Defizit von 2,7 Prozent der Wirtschaftsleistung steht Dänemark besser da als viele EU-Länder. Auch die Staatsanleihen zählen mit einer Rendite von 2,7 Prozent für zehn Jahre immer noch zu den sichersten Papieren.