Oh, Tannenbaum... - Forstwirt Poul Norup auf seiner Plantage (Foto: AFP)Poul Norup lächelt zufrieden, als er eine letzte Lieferung von Weihnachtsbäumen nach Deutschland überwacht: Jede einzelne seiner Nordmann-Tannen wurde verkauft, und noch dazu zu einem überdurchschnittlich guten Preis - trotz weltweiter Krise. "Wir haben alles exportiert, was wir hatten, etwa 7500 Bäume", sagt der blonde Forstwirt. Und noch immer werde er überschwemmt von Anfragen "ausländischer Käufer, die nach dänischen Weihnachtsbäumen verlangen, den begehrtesten der Welt". Doch Norup ist ausverkauft: "Sie müssen warten, bis die Schösslinge noch ein bisschen gewachsen sind", sagt er und schaut über seine Tannenplantagen - endlose Hügel voll junger Bäumchen.
Mit rund neun Millionen verkauften Bäumen allein im vergangenen Jahr ist Dänemark der größte Exporteur von Nordmanntannen weltweit; die meisten gingen nach Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Eine Nordmann-Tanne, der Rolls Royce unter den Nadelbäumen, braucht rund ein Jahrzehnt zum Wachsen. Der Baum wird vor allem wegen seiner eleganten Symmetrie geschätzt, wegen seiner dichten, smaragdgrünen Zweige und seiner weichen, langlebigen Nadeln.
Nachfrage weiterhin hoch
Während andere Branchen mit sinkender Nachfrage zu kämpfen haben, werden in Dänemark laut Norup schon im zweiten Jahr die Nordmann-Tannen knapp. Dass sie so gut gedeihen, liege an "Dänemarks sehr günstigem Klima, dem fruchtbaren Boden und dem Know-how". Der Forstwirt kennt jeden einzelnen der Schösslinge, die auf 1200 Hektar Land in Skjoldenaesholm rund 60 Kilometer westlich von Kopenhagen zu Tausenden wachsen. Mit seinen Mitarbeitern kontrolliert er regelmäßig die Gesundheit der Bäume.
Drei bis vier Euro Gewinn pro Baum
In diesem Jahr rechnet der Tannenzüchter mit einem Gewinn von umgerechnet zwischen 2,70 und vier Euro pro Baum. Importeure zahlen rund zwölf Euro plus Steuern für einen Zwei-Meter-Baum, laut Norup "15 Prozent mehr als 2007". Dänische Familien werden in dieser Saison voraussichtlich um die 47 Euro für eine Zwei-Meter-Tanne anlegen müssen. Größere Bäume kosten noch einiges mehr. Die rund 3500 dänischen Anbauer rechnen dieses Jahr mit einem ähnlichen Gewinn wie 2007, als sie rund 188 Millionen Euro erlösten.
Weniger Tannen als gewünscht
Auch Kai Oestergaard vom Verband dänischer Weihnachtsbaumzüchter spürt keinen Rückgang: "Krise hin oder her, die Nachfrage aus dem Ausland ist so stark wie zuvor, sie ist sogar größer als das Angebot, weil weniger Bäume zum Verkauf stehen." Wie 2007 fehlen auch dieses Jahr nach seiner Einschätzung rund 300.000 Nordmann-Tannen. Die Verknappung geht auf die Krisenjahre 1998 bis 2004 zurück. Damals führte eine Überproduktion zu Preiskriegen, die viele Züchter aus dem Markt drängten oder zu einer Pflanzpause zwangen. "Es dauert zwischen acht und zehn Jahren, bis eine Tanne ihre Verkaufsgröße erreicht hat", sagt Claus Christensen vom Züchterverband.
Mit der Tram zum Baum-Schlagen
Auch im Straßenbahnmuseum von Skjoldenaesholm laufen die Vorbereitungen für das Weihnachtsgeschäft auf Hochtouren. Mitte Dezember werden in dem kleinen Dorf rund 2000 Besucher erwartet, die ihren eigenen Baum schlagen wollen. In mit Nikoläusen und Rentieren geschmückten, historischen Tramzügen werden die Ausflügler in die Wälder transportiert. "Das gibt eine große Party, auf die ich mich jedes Jahr freue", sagt Museumsdirektor Mikael Lund. "Auch wenn die Dänen ihre Gürtel enger schnallen müssen, werden sie sich diesen traditionellen Weihnachtsausflug nicht entgehen lassen. Mit den Kindern im Wald den eigenen Baum aussuchen ist Pflichtprogramm", egal zu welchem Preis, betont Lund. "Weihnachten ist eben nur einmal im Jahr."