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Daimler fordert Bluttests von Bewerbern
28.10.2009, 17:33 Uhr | mash, bv
Blutabnahme - manchmal schon im Bewerbungsverfahren (Foto: imago)Beim AutobauerDaimler müssen Bewerber bereits vor der endgültigen Einstellung Blut abgeben. Das berichtete der Norddeutsche Rundfunk. Dem Radiosender NDR Info liegen eigenen Angaben zufolge entsprechende Unterlagen vor. Arbeitsrechtler sehen die Vorgehensweise kritisch. Datenschützer fordern eine Stellungnahme des Konzerns. Daimler hat die Vorwürfe zurückgewiesen. #
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Abgabe vor oder nach endgültiger Zusage fällig
Eine Daimler-Sprecherin sagte, zu Beginn des Bewerbungsverfahrens - zum Beispiel im Rahmen von Assessment Centern - würden weder Blut- noch Gesundheitstests gemacht. Dies erfolge erst bei den Einstellungsuntersuchungen, die vor oder nach einer endgültigen Zusage für die Stelle gemacht würden. Dabei werde untersucht, ob der Bewerber für die Stelle geeignet sei. "Das sind die üblichen Einstellungsuntersuchungen", sagte die Sprecherin.
Daimler: "Befunde werden nicht weitergegeben"
Die Tests werden ihren Angaben zufolge beim werksärztlichen Dienst gemacht. Dieser teile der Personalabteilung anschließend mit, ob der Bewerber geeignet oder nicht geeignet sei. "Befunde und Diagnosen werden nicht weitergegeben." Diese würden direkt mit den Jobsuchenden besprochen. Der Arbeitgeber habe aber eine Fürsorgepflicht. Wenn ein Mitarbeiter zum Beispiel Diabetes habe, müsse auf geregelte Schicht- und Arbeitszeiten geachtet werden
Freiwillig mitmachen oder chancenlos
Laut NDR Info mussten die Bewerber zur Blutabnahme, obwohl es noch keine Zusage für eine Arbeitsstelle gab. Dass Gesundheitstests nicht erst nach der Einstellung, sondern bereits im
Bewerbungsprozess durchgeführt werden, ist nach Angaben des Senders bei vielen Unternehmen inzwischen üblich. Zwar sei die Teilnahme an den Tests freiwillig, wer sich aber weigere, könne seine Hoffnung auf die angestrebte Stelle meist auch gleich begraben.
Bewerber geben mehr preis als sie müssen
Angesichts der schwierigen Arbeitsmarktlage wachse der Druck auf die Bewerber, die Freiwilligkeit werde zur Farce. Die Bewerber geben mehr von sich preis, als sie müssten. Zwar darf beispielsweise eine Frau im Bewerbungsgespräch nicht gefragt werden, ob sie schwanger ist. Anhand der Blutwerte lässt sich dies aber dennoch ermitteln. "Es findet eine Selektion statt, die mit dem eigentlichen Berufseingangsgeschehen nichts zu tun hat", zitiert NDR Info den Arbeitsrechtler Joachim Heilmann.
Allgemeine Gesundheitstests sind unzulässig
Nach Ansicht der Gewerkschaften können Bewerber einen Gesundheitstest kaum ablehnen. "Ich kann das verweigern, aber dann werde ich im Zweifel die Stelle nicht bekommen", sagte die Arbeitsrechtlerin des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Martina Perreng. Der Arbeitgeber sitze am längeren Hebel. Allgemeine Gesundheitstests seien grundsätzlich unzulässig. Nur wenn es für die künftige Tätigkeit erforderlich sei, müsse sich ein Bewerber auf Herz und Nieren prüfen lassen. "Für Bergleute gibt es etwa eine Tauglichkeitsprüfung, auch der Sehtest für Lastwagenfahrer ist eine notwendige Maßnahme." Bei der berufsspezifischen Untersuchung erfährt der Arbeitgeber nicht die Diagnose, sondern nur, ob der Bewerber geeignet ist oder nicht.
Betriebsrat bestätigt umfassende Tests
Der Daimler-Betriebsrat bestätigte derweil dem Sender, dass jeder, der für die Firma arbeiten will, untersucht wird - von der Sekretärin bis zum Manager. Dabei finden die Untersuchungen entweder vor oder nach der Einstellung statt - wann, das entscheidet das Unternehmen.
Datenschützer fordern Stellungnahme
Auch die Datenschützer überprüfen nun die Zulässigkeit von Bluttests bei der Einstellung von neuen Mitarbeitern beim Stuttgarter Autobauer. "Daimler wurde umgehend von uns aufgefordert, sich zu äußern", sagte ein Sprecher der zuständigen baden-württembergischen Aufsichtsbehörde für Datenschutz. Dazu, ob solche Test grundsätzlich zulässig sind, wollte er sich nicht äußern. Die Fälle sollten einzeln geprüft werden, sagte der Sprecher.
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Quelle: dpa-AFX
, dpa
, t-online.de