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Das Millionen-Geschäft mit den Doktortiteln

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Das Millionen-Geschäft mit den Doktortiteln

21.02.2011, 13:38 Uhr | Financial Times Deutschland

Für Doktorarbeiten kassieren Ghostwriter mehrere zenhtausend Euro (Foto: imago)

Für Doktorarbeiten kassieren Ghostwriter mehrere zenhtausend Euro (Foto: imago) (Quelle: imago)

Jahrelange Recherche und mühsame Schreibarbeit sind so manchem zu anstrengend. Zeitgenossen ohne Geldsorgen blättern für einen akademischen Grad oftmals lieber Geld auf den Tisch. Eine ganze Branche lebt blendend von den Betrügern.

Dramatischer Aufruf des Hochschulverbands von 1994

Der Aufruf klingt alarmierend: "Der Deutsche Hochschulverband sieht mit großer Sorge, dass der prosperierende Markt der Promotionsberatung geeignet ist, [...] das Vertrauen auf die Nichtkäuflichkeit akademischer Titel zu erschüttern und die redlich erworbenen Doktortitel zu diskreditieren." Vermehrt versprächen so genannte Berater Hilfe bei Dissertationen, letztendlich gehe es dabei aber um Ghostwriting. Dieser Praxis, warnt die Vertretung der Professoren in Deutschland, müsse dringend ein Riegel vorgeschoben werden.

Eine brandaktuelle Forderung anlässlich der Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der hochkochenden Debatte um Betrug bei akademischen Titeln. Könnte man meinen. Doch der Aufruf stammt aus dem Jahr 1994.

Getan hat sich seither eigentlich nichts - zumindest aus Sicht der Kritiker. Dafür hat das Geschäft mit den Doktortiteln weiter zugenommen. Erst im vergangenen Jahr hat der Verband wieder einen Aufruf gestartet, um Plagiate und Promotionsberatungen einzudämmen. "Der Titelkauf ist nach wie vor ein Problem", sagt Matthias Jaroch vom Hochschulverband am Donnerstag. Zahlen will er nicht nennen.

Professionelle Ghostwriter per Mausklick

Schätzungen des Münchner BWL-Professors Manuel Theisen zufolge, der seit Jahren gegen das unlautere Geschäft mit den akademischen Graden kämpft, sind rund drei Prozent der jährlich rund 25.000 Promotionen in Deutschland erschlichen. Tendenz steigend.

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Im Zeitalter des Internets ist der akademische Grad nur einen Mausklick entfernt. Besonders die Deutschen sind scharf auf den Doktor - im Ausland ist es unüblich, sich den Titel aufs Klingelschild zu schreiben, hierzulande schindet man damit bei vielen Menschen Eindruck.

Die seit Jahren anhaltende Nachfrage nach dem schnellen Doktortitel ernährt mittlerweile eine ganze Branche: Nach Theisens Auffassung hat sich ein millionenschwerer Markt entwickelt. So bieten im Netz professionelle Ghostwriter ihre Dienste an, inklusive Preisliste. Eine 500-seitige Jura-Doktorarbeit kostet bei den in Berlin ansässigen "ghostwriter.nu" beispielsweise 43.500 Euro. Die setzen sich zusammen aus 3000 Euro Grundhonorar plus 75 Euro je Seite.

Akademische Titel von dubiosen Unis

Es geht aber auch einfacher: So bietet unter anderem die Schweizer Titelmühle "Freie Universität Teufen" akademische Grade gegen Bezahlung einer so genannten "Studiengebühr" an. Eine Urkunde gegen Bargeld.

Einer, der sich nicht zu schade für einen Doktortitel an der verrufenen Hochschule war, ist der CDU-Politiker Dieter Jasper. Vor gut einem Jahr flog auf, dass er seinen akademischen Grad bei dem Titelsupermarkt erworben hatte, die öffentliche Empörung war groß.

Jasper selbst gab an, er sei "dämlich genug" gewesen, den Versprechungen der Schweizer zu glauben. Glaubwürdig ist das nicht: Die "Freie Universität Teufen" genießt seit den 80er Jahren einen entsprechend schlechten Ruf. Jeder, der es wissen will, findet das binnen Sekunden im Netz.

Promotionsberatung per Agentur

Weitaus gängiger, da schwerer zu durchschauen, ist jedoch das Hinzuziehen einer so genannten Promotionsberatung. Der "Promotionsstudent" engagiert in diesem Fall eine Agentur, die ihm einen Doktorvater vermittelt und der bei der Recherche helfen soll. Heißt es offiziell.

Doch meistens ist das nur vorgeschoben: "Jemand, der allein schon 20.000 Euro für die Adressvermittlung ausgibt, setzt sich anschließend nie und nimmer hin und schreibt eine Promotion ohne fremde Hilfe", sagte BWL-Professor Theisen bereits vor mehr als zwei Jahren der "Süddeutschen Zeitung".

In Wahrheit sind also vermutlich Ghostwriter am Werk, deren Arbeiten von Professoren durchgewinkt werden, die die Promotionsberatung bezahlt. So haben alle etwas davon: Der Professor und die Berater verdienen Geld, der 'Doktorand' erhält einen Titel. Alles geschützt durch ein Kartell des Schweigens.

Unis laden zum Betrug ein

2009 war ein solcher Doktortitelring aber dennoch aufgeflogen: Rund 100 Professoren an deutschen Unis hatten in Kooperation mit Promotionsberatern Titel an "Doktoranden" verschachert. Die Aufregung war groß, doch mittlerweile ist der Fall längst vergessen. Denn für Staatsanwaltschaften ist es in solchen Fällen meist schwer nachzuweisen, dass der Doktorand die Arbeit tatsächlich nicht selbst geschrieben hat.

Gelingt es doch, kann es bitter werden für den Titelsüchtigen: Das Führen akademischer Grade ist durch Paragraf 132a Strafgesetzbuch geschützt. Falsche Doktoren müssen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe rechnen.

Allerdings sind viele deutsche Hochschulen auch nicht gerade unschuldig an den zahlreichen Betrugsfällen - sie laden geradezu dazu ein: Obwohl der Deutsche Hochschulverband es seit Jahren fordert, fehlt in vielen Promotionsordnungen deutscher Unis der Passus, in dem der Kandidat eidesstattlich versichert, dass er die Arbeit selbst geschrieben hat. Ein Verstoß dagegen gilt als Meineid und ist strafrechtlich relevant. Ghostwritern ist das meistens zu heiß - und vielen Promotionskandidaten auch.


Quelle: Financial Times Deutschland

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Kommentare (112)

zum Forum

Thema: "Das Millionen-Geschäft mit den Doktortiteln"

kritiker schrieb: am 19. Februar 2011 um 19:47:17
(0) (0) Gutenberg
Von abschreiben kann ja nicht die Rede sein, wenn er in seiner Arbeit 1300 gelistete Zitate hat und eben 20 nicht als soche
gekennzeichnet hat. Da Dokoranden in der Regel Studenten betreuen und sich von denen zuarbeiten lassen, kann es auch sein, dass ihn einer gelinkt hat und einige Quellen nicht gelistet hat.
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Streber schrieb: am 19. Februar 2011 um 19:38:22
(0) (0) Doktortitel
Bin jetzt 24 Jahre alt und konnte meinen Doktortitel vor genau 20 Jahren in der KITA in Empfang nehmen. Ich war der größte
Schreihals ! Heute schreibe ich meine Professur über " Leiharbeit in Deutschland " und werde durch die ARGE mit Fördermitteln unterstützt. Geht doch.
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Dr. Mabuse schrieb: am 19. Februar 2011 um 19:31:56
(0) (0) Der Doktortitel ist.......
...real nichts wert, nur zur Abrundung des Egos. Jetzt also wegen dieser Geschichte bundesweit einzunässen, ist
ein absoluter Witz. Ich wage zu behaupten, dass viele Doktoranden beschis....n haben. Nehmen wir die Betrüger raus, bleiben 1/8 Doctors übrig. Und, wen kratzt es? Sogar Seehofer hat einen Ehrendoktor und kann nicht rechnen. Was also ist der Doktor wert ? Nix, wie man sieht.
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