25.06.2010, 09:04 Uhr | Financial Times Deutschland
Konzernchef Michael Dell (Foto: dpa)Der US-Konzern wagt erstmals seit 2006 wieder eine Prognose. "Wir verfolgen eine Wachstumsstrategie", sagte Konzernchef Michael Dell auf der jährlichen Analystenkonferenz in Austin. Anleger reagierten skeptisch. Der Aktienkurs von Dell verlor fünf Prozent im frühen Handel. Der einstmals weltgrößte PC-Hersteller steckt schon länger in der Krise. Im Kerngeschäft verliert das Unternehmen Marktanteile und rangiert hinter Hewlett-Packard (HP) und Acer nur noch auf Rang drei. Bei mobilen Internetgeräten wie Tablet-Computern und Smartphones hat der Anbieter den Trend verschlafen. Und die Gewinnmarge ist gering.
Seit einiger Zeit baut Konzernchef Dell das Unternehmen um. Unter anderem wird das Servicegeschäft ausgebaut, die Produktion ausgelagert und Computer auch über den Einzelhandel verkauft. Groß geworden war der Konzern mit dem Direktverkauf sowie der individuellen Konfiguration der Computer. "Der direkte Verkauf an Verbraucher geht nicht auf", sagte Finanzchef Brian Gladden. Die meisten Menschen wollten ganz offensichtlich den Computer im Geschäft kaufen. "Derzeit teilt sich unser Geschäft jeweils zur Hälfte auf Direkt- und Einzelhandel auf. Das wird sich in Zukunft in Richtung Einzelhandel verlagern", sagte Gladden.
Abhängigkeit von Firmenkunden
Zudem sieht der Konzern ein sich besserndes Umfeld. "Das vergangene Jahr war für die gesamte Wirtschaft eine Herausforderung, aber dieses Jahr sehen wir das Wachstum zurückkommen", sagte Dell. Der Hersteller ist stärker als die Konkurrenz von Firmenkunden abhängig. Die Unternehmen hatten allerdings angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr die Ausgaben für Informationstechnik reduziert. Als einziger der großen Hersteller verbuchte Dell im vergangenen Jahr einen Rückgang bei der Zahl verkaufter Computer.
Vorsichtige Umsatz- und Gewinn-Prognose
Für das aktuelle, bis Ende Januar 2011 laufende Geschäftsjahr prognostiziert Dell ein Umsatzwachstum von 14 bis 19 Prozent. Das entspricht den Analystenerwartungen. Letztes Geschäftsjahr fiel der Umsatz um 13 Prozent auf 52,9 Milliarden Dollar. Der operative Gewinn vor Sondereffekten soll dieses Jahr um 18 bis 23 Prozent steigen. Dies soll etwa durch eine bessere Organisation und Logistik gelingen. "Die Zahlen sind konservativ und entsprechen im Großen und Ganzen den Erwartungen", sagte Jayson Noland, Analyst bei Robert Baird.
Partner-Angebot
Auslagerung soll Produktionskosten drücken
Die hohen Produktionskosten will Dell durch einen Rückzug aus der eigenen Fertigung senken. Bis 2013 sollen 80 Prozent der Produktion ausgelagert werden. Im Geschäftsjahr 2010 wurden nur 43 Prozent der Geräte von anderen zusammengebaut.
Dell streckt die Fühler aus
Um sich vom traditionellen PC-Geschäft unabhängiger zu machen, hatte Dell vor knapp einem Jahr für 3,9 Milliarden Dollar den IT-Dienstleister Perot Systems gekauft. Zudem stellte der Konzern kürzlich einen Tablet-Computer vor. Und bei Laptops liebäugelt man nun mit Google-Betriebssystem Chrome OS.
Deutschland: Attraktiver Absatzmarkt
Mit dem Deutschlandgeschäft ist Dell zufrieden. Es war "im vergangenen Jahr nicht weltbewegend. Jetzt wird es besser", sagte Dell. Verglichen mit anderen Ländern Westeuropas liefe es in Deutschland am besten, ergänzte Gladden.