Dell verliert Marktanteile (Foto: dpa)Der US-Computerbauer Dell hat auch im dritten Geschäftsquartal bis Ende Oktober unter der Wirtschaftsflaute und hauseigenen Fehlern gelitten. Während viele Konkurrenten rasch aus der Talsohle herausfanden, stagnierte das Geschäft der Texaner. Die Hoffnung ruht nun auf dem wichtigen Weihnachtsgeschäft. "Wir sehen eine Verbesserung bei der IT-Nachfrage", sagte Firmenchef und Gründer Michael Dell am Sitz in Round Rock. Die Börsianer reagierten dennoch geschockt.
Der Gewinn brach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte auf unterm Strich 337 Millionen Dollar ein. Ein guter Teil des Rückgangs war den Kosten für den laufenden Konzernumbau geschuldet. Dell gliedert Teile der Fertigung aus, wobei auch Stellen wegfallen. Der Umsatz im dritten Quartal lag mit 12,9 Milliarden Dollar um 15 Prozent unter Vorjahr.
Börsianer reagieren enttäuscht
Analysten zeigten sich enttäuscht, nach den Zahlen rutschte die Aktie um knapp neun Prozent in den Keller. Die Börsianer ließen sich auch nicht dadurch besänftigen, dass Dell eine fortschreitende Erholung ausmacht. Zuletzt war insbesondere das Geschäft mit den wichtigen Firmenkunden angesprungen. Dagegen stagnierte das Geschäft mit den Privatkunden gegenüber dem schon schwachen Vorquartal. An die öffentliche Hand verkaufte Dell sogar weniger Computer.
Dell verliert Marktanteile
Der PC-Markt insgesamt hatte sich im abgelaufenen Vierteljahr unerwartet erholt. Weltweit wurden nach Daten des Marktforschungsunternehmens Gartner 80,9 Millionen PC verkauft. Dell büßte aber deutlich an Marktanteilen ein. Der Konzern fiel mit einem Anteil von 12,8 Prozent auf den dritten Rang zurück. Auf Platz zwei vor schob sich Acer mit 15,4 Prozent. Die Taiwaner haben großen Erfolg mit ihren Mini-Notebooks, den sogenannten Netbooks. Weltgrößter Computerproduzent ist weiterhin Hewlett-Packard (HP) mit 19,9 Prozent.
Windows 7 soll die Wende bringen
Im Schlussquartal setzt Konzernchef Dell insbesondere auf das neue Windows 7, das sich derzeit glänzend verkauft - laut Hersteller Microsoft doppelt so gut wie die Vorgänger. Viele Unternehmen und auch Privatleute hatten die Anschaffung von neuer Hardware bis zum Erscheinen des Betriebssystems hinausgezögert.
Harter Kampf mit HP
Die zwischenzeitlich schwache Nachfrage hatte zu einem noch schärferen Preiskampf unter den Computerherstellern geführt. Speziell die asiatischen Konkurrenten heizten die Abwärtsspirale an. Größter Konkurrent ist aber Branchenprimus HP. Beide Unternehmen stellen neben Bürorechnern, Laptops, Monitoren und Druckern auch Hochleistungscomputer her, sogenannte Server. Diese werden für den Datenverkehr in Firmen und im Internet benutzt.
Fokus auf Dienstleistungen
Um dem harten Preiskampf zu entfliehen, flüchten sich die Computerhersteller in Services. Paradebeispiel ist IBM: Das Computer-Urgestein hat sich großteils aus dem Hardware-Geschäft verabschiedet und verdient dank seiner IT-Dienstleistungen und Software-Lösungen selbst in der Krise noch glänzend. Mit der jüngsten, milliardenschweren Übernahme der Software-Firma Perot geht Dell den gleichen Weg. Die Integration sei angelaufen, hieß es. Weitere Zukäufe sollen folgen.
Künftig auch Handies von Dell
Überdies will Dell in den Handy-Markt vorstoßen. Ein erstes Smartphone - eine Mischung aus Mobiltelefon und Mini-Computer - soll Ende November herauskommen. Analysten rechnen Dell aber wenig Chancen aus, tummeln sich auf dem Markt doch Größen wie Nokia, der Blackberry-Hersteller Research In Motion (RIM) und nicht zuletzt Apple mit seinem iPhone.