29.03.2012, 12:22 Uhr
Die Spots kennt jeder Fernsehzuschauer: In der Werbung eines Textilherstellers tritt der Unternehmenslenker persönlich vor die Kamera, bevor er einen Affen für seine Produkte sprechen lässt. Und kurz vor der "Tagesschau" preist ein freundlicher Herr im Anzug Motoröl an. Auch hier rührt der Chef die Werbetrommel selbst und liegt damit voll im Trend: Immer mehr Inhaber mittelständischer Betriebe versuchen sich als Werbehelden. Und machen damit alles richtig. Denn was manchem wie peinliche Selbstdarstellung vorkommt, ist ein cleverer PR-Schachzug, sagen Experten.
Die Spots fallen auf in der verführerischen Hochglanz-Welt der Fernsehwerbung: Keine Models, die ein Produkt anpreisen - dafür eine Großaufnahme vom Chef, der über den Erhalt von Arbeitsplätzen spricht. Nach Trigema, Seitenbacher oder dem Babynahrungs-Produzenten Hipp stellt sich nun auch beim Ulmer Schmierstoffhersteller Liqui Moly der Chef selbst vor die Kamera. In Internetforen kriegen die etwas staksig daherkommenden Unternehmer viel Häme ab - doch Werbestrategen glauben an der Erfolg solcher Spots.
Liqui-Moly-Chef Ernst Prost wirbt seit einigen Wochen vor der "Tagesschau" um Kunden. Im Februar habe er davon geträumt, einen Spot zu machen, und sein Unterbewusstsein habe ihm dazu den kurzen Text diktiert, erzählt er. Eigentlich eine gute Idee, als Firmeninhaber selbst in einem Spot aufzutreten, findet Werbexperte Franco Rota von der Hochschule der Medien in Stuttgart. "Ein Unternehmen bekommt dadurch ein Gesicht. Und Authentizität ist eine ganz wichtige Geschichte."
Der Chef und Inhaber des Bekleidungsherstellers Trigema in Burladingen auf der Schwäbischen Alb, Wolfgang Grupp, war in den frühen 90er Jahren einer der ersten Firmeninhaber, die persönlich vor die Kamera getreten sind. "Der Inhaber ist die höchste Glaubwürdigkeitsstufe, die es gibt. Wenn der Inhaber öffentlich für sein Produkt einsteht, erzeugt das Vertrauen bei den Kunden", sagt er. Seit knapp 20 Jahren läuft sein Spot unverändert - und der Schimpanse, der neben Grupp zu sehen ist, hat längst Kultstatus. Der Affe hat von diesem Ruhm übrigens nie etwas mitbekommen: Das wichtigste Aushängeschild von Trigema war von einem Züchter ausgeliehen worden - und kam nach dem Dreh wieder zurück in einen Käfig.
Neben ihrer Machart haben die Spots von Trigema und Liqui Moly noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie werben nicht mit der Qualität der Produkte, sondern mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen und der Ausbildung von Lehrlingen in Deutschland. "Damit all dies so bleiben kann, bitte ich Sie sehr herzlich: Verwenden Sie Motorenöle von Liqui Moly", sagt Prost sogar.
Das kommt bei vielen Zuschauern wie plumpe Bettelei rüber. In Internetforen wird eifrig über die Spots diskutiert: "Lächerlicher Appell", schreibt ein Zuschauer. "Drücken auf die Tränendrüse", meint ein anderer. Werbeexperte Rota hält dagegen. Die Umsetzung solcher Spots sei manchmal zwar wirklich etwas schwach, weil man sich ganz auf die prominente Besetzung mit den Chefs verlasse. Aber solche Kampagnen seien ein Versuch, gesellschaftliche Aspekte aufzugreifen. "Es gibt eine immer stärkere Orientierung von werblichen Maßnahmen an Themen, die die Gesellschaft bewegen."
Trigema-Chef Grupp kennt die Kritik an seinem Fernsehauftritt - nimmt sie aber gelassen. "Der Spot fällt auf jeden Fall auf. Man kann ihn gut finden oder nicht. Aber alle wissen nach der ersten Sekunde: Jetzt kommt der von Trigema wieder." Bei Seitenbacher in Buchen im Odenwald ist es genauso, wenn Firmengründer Willi Pfannenschwarz im Radio im breitesten Schwäbisch für seine Müsli-Mischungen wirbt: "Lecker leckerleckerlecker..." Und im jüngsten Spot - der unterlegt mit Szenen aus einem Kasperletheater auch zu sehen ist - geht es sogar ein bisschen unter die Gürtellinie: "Woisch Karle, du sottscht amol a Seitenbacher Müsli essa... no hättscht au net emmer die Probleme mit deiner Verdauung." Rota sagt dazu: "Das ist schon ein bisschen Panne." Aber zumindest erfolgreich, denn jeder wisse sofort, wofür geworben wird. Und: "Der Spot ist so schräg, dass er bei vielen Jüngeren schon wieder gut ankommt."
Quelle: t-online.de , dpa
Hermann schrieb:
am 6. Mai 2012 um 19:22:36
(1)
(0)
Werbung
Ich finde eine Werbung wie von Trigema ehrlich und ich in auch selbst von der Qualität überzeugt.
Was hilft mir eine teuere Werbung
und das Produkt ist dann sein Geld nicht wert und ich ärgere mich darüber!
mehr
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Tolle Bildqualität & kleiner Preis: 94 cm Grundig-LCD-TV (EEK: C) jetzt nur 555,- €. bei euronics.de
Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de
Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special
Bildschöne Mai-Schnäppchen: Bücher, Tablet-PC, eBook-Reader und mehr. bei Hugendubel.de
Verpatzter Börsenstart ist der Grund für die Sammelklage. zum Video