23.09.2010, 09:32 Uhr | Anne Barthel, dpa / t-online.de/business
Sophie Schendel und Brigita Bosotin sind heute ihre eigenen Chefinnen. (Foto: dpa)
Der eigene Chef sein - das klingt zunächst mal traumhaft: Ob mit einem Kiosk, einer Baufirma oder einem Schreibbüro - tausende Deutsche machen sich jedes Jahr selbstständig. Doch eine tolle Geschäftsidee allein reicht nicht aus, um als Unternehmer auf Dauer zu bestehen. Zwei Gründerinnen berichten, warum aller Anfang schwer, die Selbstständigkeit aber auch ein tolles Gefühl ist.
Nur die wenigsten jungen Unternehmen überleben die Startphase. Das zeigt ein Blick auf die Statistik: Im ersten Halbjahr 2010 erhöhten sich laut dem Statistischem Bundesamt in Wiesbaden die Gewerbeanmeldungen um 5,2 Prozent auf rund 453.000 gegenüber dem gleichen Zeitraum des letzten Jahres. Dazu gehören Neugründungen, aber auch Verlagerungen, Umwandlungen und Übernahmen.
Die Zahl der gewerblichen Abmeldungen sank dabei um 4,3 Prozent auf rund 356.000. Darunter gab es 157.000 Anmeldungen von Kleinunternehmen und 147.000 Abmeldungen. Die Ursachen des Scheiterns in den ersten fünf Jahren sehen Forscher in einer unzureichenden Startfinanzierung. Das ermittelte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim in einer Studie für das Bundeswirtschaftsministerium.
Das ZEW analysierte 3000 Unternehmen zwischen 2006 und 2009. Das Ergebnis: Fast drei Viertel der Jungunternehmen konnten mindestens einmal im Laufe ihrer Geschäftsaktivitäten die Gewinnschwelle überschreiten. Trotzdem gaben sie auf - genauso wie die Gründer, denen von Anfang an keine markttaugliche Geschäftsidee für ihr Unternehmen zugrunde lag.
Sophie Schendel und Brigita Bosotin haben es den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Die Jungunternehmerinnen machten sich mit einer Kommunikations-Agentur in Berlin selbstständig. Und das mit einer Summe, die nur im vierstelligen Bereich liegt. "Wir investieren oft viel Zeit in Probetexte, Ausschreibungen, Akquise - dazu gehört natürlich auch die Absage", erklärt Schendel.
Damit meint sie aber auch Absagen, die sie und ihre Partnerin selber treffen. "Wir lehnen auch Aufträge ab, wenn uns das Thema nicht interessiert", sagt die Gründerin. Für Atomkraftwerke würden beide keine Werbung machen, dies widerspräche ihrer Lebenseinstellung. "Dann lieber hungern", so Schendel.
Die beiden Gründerinnen lernten sich bei einer Fortbildung des Arbeitsamtes kennen. Sie erstellten einen Businessplan und reichten ihn bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) ein. Nach drei Wochen hatten sie ein Gutachten und somit einen Nachweis für die Arbeitsagentur. "Damit konnte ich einen Gründungszuschuss beantragen", sagt Schendel.
Die Genehmigung dauerte nochmals rund einen Monat. Die Förderung muss laut Bundesagentur für Arbeit mindestens 90 Tage vor Auslaufen des Arbeitslosengeldes beantragt werden. "Außerdem müssen Sie die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten zur Ausübung der selbstständigen Tätigkeit darlegen", heißt es dort. Bei begründeten Zweifeln könne die Agentur die Teilnahme an Vorbereitungskursen zur Existenzgründung verlangen.
Die beiden Unternehmerinnen entschieden sich für eine Unternehmergesellschaft - eine sogenannte Mini-GmbH. Wo wenig Kapital gebraucht wird, fahren Gründer mit dieser Unternehmensform gut, bestätigt Thomas Diehn von der Bundesnotarkammer in Berlin die Entscheidung. Braucht man allerdings Maschinen oder Autos, so sei eine richtige GmbH-Gründung die bessere Wahl. Die Notarkosten für die Mini-GmbH lagen bei rund 50 Euro.
"Auf den Handelsregistereintrag beim Amtsgericht haben wir rund acht Wochen gewartet", berichtet Bosotin. Rund 100 Euro kostete dieser Eintrag. Teurer bezahlten die beiden ihre Erfahrung mit einer Steuerkanzlei. "Wir wollten die Unterlagen zum Handelregistereintrag überprüfen lassen, weil wir sie nicht verstanden haben", so Bosotin. Dabei gerieten sie an eine Kanzlei, die ihnen sofort 237 Euro für die Beratung in Rechnung stellte.
"Im Vorfeld braucht man keinen Steuerberater. Gründungswillige sollten die kostenlosen Angebote der Kammern annehmen", rät Alfred Töpper von der Stiftung Warentest, die Existenzgründungsportale im Internet unter die Lupe genommen hat. Informationen dazu fänden sich reichlich im Internet. "Das Portal des Bundeswirtschaftsministeriums ist brillant", lobt Töpper - es schnitt im Test am besten ab.
Aber auch Veranstaltungen für Gründer helfen weiter. Bei einem Besuch des "Gründertages" steuerten Bosotin und Schendel auf den Messestand der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin zu. Zur HWR gehört seit Ende 2009 auch ein Gründungszentrum - nach eigenen Angaben eine "Experimentierfläche für Gründungsinteressierte". Die beiden Frauen bewarben sich mit ihrem Businessplan, überzeugten im Gespräch und wurden im Förderprogramm aufgenommen.
Seitdem teilen sie sich eine Bürofläche mit anderen Jungunternehmern - Hip-Hop-Models, einem Öko-Pressereferenten, einem Öko-Textil-Vertrieb, einem Unternehmensberater und einem Online-Marketing-Unternehmen. Sie nutzen dort zwei Schreibtische, eine Gemeinschaftsküche, werden fünf Stunden im Jahr gecoacht und können umsonst telefonieren, sagt Schendel.
HWR-Professor Sven Ripsas arbeitet seit 1994 zum Thema Entrepreneurship. Einer seiner Arbeitsschwerpunkte ist die Gründungsfinanzierung. "Gründer müssen eine Lernzeit am Markt einkalkulieren, bei der sie die Annahmen aus dem Businessplan überprüfen und ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln", fasst der Experte zusammen. Bei ihm bekommen all jene eine Chance, "die mit ihrem Businessplan aufzeigen, dass sie sich Gedanken gemacht haben".
"Wir empfehlen allen Unternehmensgründern erst einmal ein PR-Konzept in eigener Sache", sagen Schendel und Bosotin. Ihre Tipps: Jungchefs sollten in fachrelevanten Vermittlungsportalen - Stellenbörsen - auf sich aufmerksam machen. Das heißt: an Ausschreibungen teilnehmen und sich Netzwerke beispielsweise über Xing schaffen. Und ein eigener Internetauftritt ist demnach natürlich immer noch die beste Visitenkarte.
Quelle: T-Online
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special
Zeigen Sie Flagge - alles für die per- fekte EM-Party in Schwarz-Rot-Gold.
von GINGAR.de
Entdecken Sie die neuen Kollektionen zu Top-Preisen: jetzt online bestellen! zu den Angeboten