10.12.2010, 11:10 Uhr | AFP
Passanten gehen in Dresden durch ein weihnachtlich geschmücktes Einkaufszentrum (Foto: dapd) (Quelle: dapd)
2010 war nicht das Jahr der Arbeitnehmer, möchten viele Berufstätige meinen: Der erste und zweite Weihnachtsfeiertag fallen auf ein Wochenende. Und schon der 1. Mai - der Tag der Arbeit - war an einem Samstag. Doch das Gefühl, dass die Feiertage 2010 besonders günstig für die Unternehmen fallen, trügt. Im Vergleich zu 2009 gibt es in diesem Jahr nur 1,3 Arbeitstage mehr, wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ausgerechnet hat, der die Interessen der Wirtschaft vertritt. Den Firmen hilft dies im Aufschwung dennoch. Auch der Handel könnte im Weihnachtsgeschäft profitieren: Die Verbraucher haben mehr Zeit zum Einkaufen.
"Wir hatten schon Jahre, die günstiger für die Unternehmen ausfielen als 2010", sagt DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier. Die 1,3 Arbeitstage mehr als im Jahr 2009 kommen dadurch zustande, dass der 1. Mai von einem Freitag durch die üblichen Kalenderverschiebungen auf einen Samstag rutschte. Gleiches gilt für den ersten Weihnachtsfeiertag.
Die Kalenderverschiebung zum Weihnachtsfest falle allerdings nicht so stark ins Gewicht, weil sie durch die kalendarische Verlagerung von Allerheiligen ausgeglichen werde, sagt Treier. War Allerheiligen 2009 an einem Sonntag, fiel der Feiertag dieses Jahr auf einen Montag. Allerdings ist Allerheiligen nur in einer Handvoll Bundesländer Feiertag. Im bundesweiten Schnitt schlägt die Verschiebung daher mit nur einem Drittel Arbeitstag mehr zu Buche.
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"In den vergangenen Jahren gab es schon extremere Kalendereffekte", sagt Treier. 2004 beispielsweise habe es 4,7 Arbeitstage mehr gegeben als 2003. Dies sei der stärkste Kalendereffekt seit der Wiedervereinigung gewesen. Die Verschiebung habe mit 0,5 Prozentpunkten zum Wirtschaftswachstum beigetragen, das damals 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr betrug. 2008 habe es 3,7 Arbeitstage mehr gegeben als 2007. Die Wirtschaft wuchs damals um ein Prozent, der Kalender-Effekt machte 0,35 Prozentpunkte aus. In diesem Jahr sind es 0,15 Prozentpunkte von den vom DIHK erwarteten 3,4 Prozent Wachstum.
"Aus Sicht der Unternehmen mögen 1,3 Tage wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirken - es ist aber immerhin ein Tropfen", sagt Treier. Die Unternehmen könnten dadurch mehr produzieren, was ihnen im Aufschwung Geld für Investitionen bringe. "Bei den Investitionen besteht nach der Krise Nachholbedarf, deswegen ist ein Jahr mit mehr Arbeitstagen im Aufschwung aus Sicht der Wirtschaft ein klarer Vorteil."
Aber auch der Einzelhandel darf sich 2010 nach Einschätzung von Experten der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) durch den Kalendereffekt auf ein besseres Geschäft freuen. Die Umsätze werden im Gesamtjahr im Schnitt voraussichtlich ein Prozent höher ausfallen als 2009, sagt GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth. "Insbesondere der Dezember ist ein umsatzstarker Monat", sagt Adlwarth. Die seit Monaten starke Kaufneigung der Verbraucher lasse auf ein gutes Weihnachtsgeschäft hoffen. Entscheidend sei aber, dass die Verbraucher den einen Werktag mehr auch tatsächlich zum Einkaufen nutzen.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) ist zuversichtlich. Der Kalendereffekt bringe "gute Voraussetzungen für den Handel in diesem Jahr", sagt HDE-Sprecherin Ulrike Hörchens. Die Verbraucher hätten mehr Tage zum Einkaufen. Zwar heiße dies nicht zwingend, dass die Möglichkeit auch genutzt werde. "Aber es ist ein begünstigender Faktor - und zusammen mit der Stimmung der Verbraucher sind die Rahmenbedingungen gut", sagt Hörchens.
Quelle: AFP
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