22.07.2010, 14:13 Uhr | Anne-Beatrice Clasmann, dpa
Mit Solarstrom aus Nordafrika will die deutsche Industrie-Initiative Desertec künftig 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Die Kritik zu Beginn des Projektes ist weitgehend verstummt. Umweltschützer, arabische Potentaten und deutsche Industriebosse lieben das Projekt gleichermaßen.
Ganz vorn dabei sein bei den Erneuerbaren Energien - das ist das Ziel der Wüstenstrom-Initiative Desertec. 13 deutsche Unternehmen haben diese vor einem Jahr ins Leben gerufen. Und es geht voran: Der Spatenstich für das erste solarthermische Kraftwerke in der Wüste von Zentralmarokko dürfte früher erfolgen als zunächst geplant.
Die deutschen Autobauer müssen sich gegen den Vorwurf wehren, die Entwicklung des Elektroautos verschlafen zu haben. Etwas Ähnliches soll der Solarstrombranche nicht passieren. Und schon im ersten Jahr seit dem Desertec-Start ist viel passiert: Die Regierungen von Algerien, Marokko und Tunesien sitzen bei Desertec inzwischen mit im Boot.
Auch in Libyen, Ägypten und Jordanien stößt der ambitionierte Plan, an dem Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) mitgewirkt haben, auf großes Interesse. Der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) hat sich von Desertec als Berater anheuern lassen, und auch Bundesfinanzminister Rainer Brüderle (FDP) hat seine Unterstützung zugesagt.
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Schneller als ursprünglich geplant will Desertec mit dem Bau der ersten solarthermischen Anlage in Zentralmarokko beginnen. Die Anlage soll eine Leistung von 250 Megawatt haben und damit schon mehr Strom produzieren als die bisher weltweit größte Anlage, die in der nordamerikanischen Mojave-Wüste steht.
"Wir haben in Marokko ein Gebiet ausgewählt, wo die Sonneneinstrahlung gut ist und wo es nicht zu viel Staub in der Luft gibt", erklärt Desertec-Chef Paul van Son. Der Standort sei vergleichweise leicht ans Stromnetz anzuschließen. Wasser für die Kühlung und die Reinigung der Spiegel sei auch vorhanden.
Paul van Son, der Niederländer mit dem kurzen Salz-und-Pfeffer-Bart, der die Aktivitäten von Desertec von seinem Münchner Büro aus steuert, spricht an diesem heißen Julitag erstmals bei der Regierung in Kairo vor. Es geht ihm hier - genauso wie in seinen Gesprächen mit Politikern aus Berlin, Rabat, Algier oder Tunis - darum, sichere politische Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Firmen und Regierungen schon möglichst bald in großem Stil in Erneuerbare Energien investieren.
Gleichzeitig treibt van Son, wie jetzt in Marokko, die Planung der ersten Pilotanlagen voran. Mit ihnen will die Desertec-Initiative beweisen, dass ihre Idee nicht nur schön klingt, sondern auch tragfähig ist. Am fehlenden Kapital, so glaubt der Niederländer, wird es nicht scheitern.
Kern der Desertec-Vision ist es, zunächst einen Teil des Stroms aus Windenergie und Solarkraftwerken zu gewinnen, den die nordafrikanischen Ländern verbrauchen. Anfangs wird dies allerdings noch ein Zuschussgeschäft sein, da die Produktionskosten vor allem für den Strom aus der Solarthermie derzeit noch deutlich höher liegen als für den Strom aus fossilen Brennstoffen. Aber das Beispiel der Windenergie zeigt, dass die Kosten schneller sinken können als von den Pessimisten vorhergesagt, wenn Forschung und Nutzung auf eine breite Basis gestellt werden.
In einem zweiten Schritt soll dann zusätzlicher Strom produziert werden, der über das Mittelmeer durch Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen nach Europa geliefert werden soll. Von Ende 2015 an könnte der erste Strom aus der Wüste nach Europa fließen, sagte Desertec-Projektleiter Ernst Rauch in der vergangenen Woche der "Süddeutschen Zeitung".
Für Ägypten, das über keine entsprechenden Leitungen verfügt, käme ein alternatives Szenario infrage: Der Wüstenstrom wird komplett in Ägypten verwendet, das dafür sein bislang im Inland genutzten Gas nach Europa exportieren könnte.
Paul van Son bemüht sich nüchtern zu bleiben - trotz der Begeisterung für das Projekt, die ihm überall entgegenschlägt. Er weiß, dass die geschätzte Investitionssumme von insgesamt 400 Milliarden Euro nicht mehr ist als eine Hausnummer. "Man muss den Bären auch schießen, um ihn verteilen zu können", sagt er, während er mit dem Bus durch die ägyptische Wüste ruckelt. Karg und unbeschreiblich heiß ist es hier, unerbittlich bläst der warme Wind über den festgebackenen Sand. Das ist ein Klima ganz nach dem Geschmack des Desertec-Chefs.
Quelle: dpa
brian f schrieb:
am 22. Juli 2010 um 17:31:02
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Dersertec
das wird der finanzielle Ruin für die Euro-Länder die dort investieren. Die Preise werden explodieren, da keinerlei Sicherheit
gegeben ist. Militante Afrikaner werden abzocken, die Strommafia wird mit diesem Schwchmatenprojekt geboren. Aber: Mir ist das wurtsch, mein Verbrauch sind seit Jahren. Wäsche trocknet auf Leine, lektrozahnbürste - no, sparsamere Haushaltsgeräte-vorzugsweise Nutzung Nachstrom, demnächst eigenes Bio-BHKW. Somti kein Kunde mehr für Stromriese, Arsch lecken :-)
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Balu schrieb:
am 22. Juli 2010 um 16:45:53
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Energie
Halloooo, da fließen auch meine Steuern mit ein. Das wird nicht allein aus deren Tasche gezahlt. Heuchler! Wir sollten mal eher
darüber nachdenken, mit weniger Geräten zu leben. Manuell Zähne putzen, oweija, Brot schneiden,oweija,Wäsche draußen aufhängen,oweija... Es gibt moderne Seeräuber der Meere und es wird Wüstenräuber gegen.Der Frust der armen Afrikaner ist verständlich. Wir beuten die Armen nur aus!
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