18.03.2010, 08:55 Uhr | Financial Times Deutschland
Deutsche Bahn angeblich im Übernahmegespräch mit Arriva (Foto: imago)
Was hat ein britisches Transportunternehmen mit der Deutschen Bahn zu tun? Eine ganze Menge, meint die Börse. Die Aktien des britischen Verkehrsunternehmens Arriva sind am Mittwoch um mehr als 17 Prozent auf 681,5 Pence nach oben geschnellt. Der Konzern hatte zuvor mitgeteilt, ein Interessent sei wegen eines potenziellen Übernahmeangebots an das Unternehmen herangetreten. Arriva nannte aber keinen Namen.
Nach Recherchen der "Financial Times" (FT) ist dieser Interessent die Deutsche Bahn. Ein Übernahmeangebot könnte das britische Unternehmen mit 1,2 Milliarden Pfund (1,3 Milliarden Euro) bewerten. Bereits am Vortag hatten Übernahmegerüchte den Arriva-Kurs angetrieben. Dabei war über einen Preis von 700 Pence je Aktie spekuliert worden.
Arriva teilte weiter mit, es sei nicht sicher, ob die jetzigen Gespräche in eine verbindliche Offerte münden würden. Details werde das Unternehmen zu gegebener Zeit bekanntgegeben. Die Deutsche Bahn lehnte einen Kommentar ab.
Arriva beschäftigt mehr als 44.000 Mitarbeiter und ist im Bus- und Bahngeschäft in zwölf europäischen Ländern aktiv, unter anderem Deutschland. Branchenbeobachter meinen, das Geschäft beider Unternehmen würde sich gut ergänzen - vor allem, weil sich die Hochgeschwindigkeitszüge der Deutschen mit dem Bus- und Bahnangebot der Briten gut kombinieren ließen.
Arrivas Vorsteuergewinn war 2009 um 19 Prozent auf rund 122 Millionen Pfund gefallen. Der Umsatz betrug rund 3,2 Milliarden Pfund. Die Deutsche Bahn erwirtschaftete im Krisenjahr 2009 nach Angaben aus dem Unternehmen einen Nettogewinn von etwas mehr als 800 Millionen Euro. Damit habe der Konzern vor allem dank Sondererträgen besser abgeschnitten als noch zuletzt erwartet, sagten mit den Zahlen Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters. Dennoch entsprach das einem Einbruch von mehr als einem Drittel. Der Umsatz sei mit 29,3 Milliarden Euro um zwölf Prozent gefallen, was vor allem auf den Einbruch im Schienengüterverkehr und der Logistik-Sparte zurückzuführen sei, hieß es weiter. Ein Bahn-Sprecher wollte sich nicht zu den Zahlen äußern und verwies auf die Bilanzpressekonferenz in der nächsten Woche.
Financial Times Deutschland
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