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Bahn-Chef feuert sieben Führungskräfte
14.05.2009, 12:58 Uhr | oca
Chef der Deutschen Bahn - Rüdiger Grube (Quelle: ddp)Mit der Verabschiedung von vier Vorständen und drei Topmanagern sowie einem Umbau der Vorstandsressorts haben der neue Bahnchef Rüdiger Grube und Aufsichtsratvorsitzender Werner Müller einen vorläufigen Schlussstrich unter die Datenaffäre der Deutschen Bahn AG gezogen. Grube entschuldigte sich in Berlin bei den Mitarbeitern für die massiven Verstöße gegen Datenschutz und Mitbestimmung, die die Sonderermittler Herta Däubler-Gmelin und Gerhart Baum sowie die Wirtschaftsprüfer von KPMG aufgedeckt hatten.
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Vorstandsmitglieder müssen Platz machen
Die Vorstandsmitglieder Margret Suckale, Norbert Bensel, Norbert Hansen und Otto Wiesheu verlassen den Staatskonzern zum Monatsende, wie Müller und Grube mitteilten. Einzig das Ausscheiden Hansens wurde mit gesundheitlichen Gründen begründet. Für die übrigen betonte Müller zwar, sie hätten sich nichts zuschulden kommen lassen und auch keine der Datenabgleich- und E-Mail-Ausspäh-Aktionen ausgelöst. Sie seien aber politisch verantwortlich, weil die jeweiligen Zuständigkeiten in ihre Ressorts fielen. Der 61-jährige heutige Logistikchef Bensel war bis 2005 Personalvorstand der Bahn, Suckale folgte ihm auf diesem Posten.
"Fehlverhalten kann und werde ich nicht tolerieren"
Außerdem verlieren auch der Leiter der Konzernrevision, Josef Bähr, sein Kollege von der Konzernsicherheit, Jens Puls, und der Chef der Compliance-Abteilung, der frühere Frankfurter Staatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner, ihre Jobs. Schließlich beendet die Bahn die Zusammenarbeit mit dem Rechtsanwalt Edgar Joussen, der für sie als Ombudsmann tätig war, wie Grube mitteilte. Müller erklärte, in der Affäre sei "seit Jahren wiederholt und breitflächig" gegen rechtliche Regeln verstoßen worden. In Einzelfällen gebe es eine strafrechtliche Relevanz. Grube, der deren Zahl auf etwa zwei Dutzend bezifferte, erklärte: "Fehlverhalten kann und werde ich nicht tolerieren." Außerdem würden die beiden Personalressorts der DB AG und der Betriebstochter DB Mobility Logistics AG vereint, die bisher Hansen und Suckale innehatten. Die neuen Vorstände sollten möglicherweise am 25. Mai bei einer weiteren Aufsichtsratssitzung bekanntgegeben werden, sagte Müller.
Finanzvorstand Sack soll bleiben
Die Sonderermittler waren auf Druck der Gewerkschaften und des Aufsichtsrats eingesetzt worden, nachdem herausgekommen war, dass jahrelang heimlich Daten von 170.000 Mitarbeitern abgeglichen und E-Mails kontrolliert worden waren. Im Verlauf der Affäre hatte bereits Bahnchef Hartmut Mehdorn seinen Posten räumen müssen. Er hatte zwar wiederholt betont, nichts von den Aktionen gewusst zu haben, aber die meisten davon trotzdem gerechtfertigt. Der 61-jährige Bensel war während der Datenaffäre Personalvorstand und ist jetzt für Logistik zuständig; der 64 Jahre alte Wiesheu ist seit 2005 verantwortlich für Wirtschaft und politische Beziehungen. Dazu gehörte auch die Abteilung Konzernsicherheit. Suckale wechselt zu
BASF. Im Amt bleibt möglicherweise Finanzvorstand Diethelm Sack. Er hatte laut Müller zunächst beabsichtigt, mit Bahnchef Hartmut Mehdorn den Konzern zu verlassen; Müller erklärte jedoch, er sei dabei, Sack zum Bleiben zu bewegen.
Umfangreiche Umstrukturierungen in Aussicht gestellt
Grube stellte umfangreiche Umstrukturierungen in Aussicht. So solle ein eigenes Vorstandsressort für Compliance, Datenschutz und Recht geschaffen werden. Insgesamt sollten künftig im Konzern "die höchsten Standards beim operativen Datenschutz" gelten - "mit Vorbildcharakter", betonte der frühere Daimler-Manager. Er berichtete darüber hinaus von "noch zu schließenden Sicherheitslücken" im Konzern. So hätten 800 Mitarbeiter Zugriffsrechte zu allen 60.000 Bahn-PCs gehabt. Sie hätten es erlaubt, ohne Kenntnis der Mitarbeiter deren Computerinhalte und Arbeitsvorgänge zu verfolgen. Bis Mitte 2008 sei der gesamte E-Mail-Verkehr der Mitarbeiter überwacht und mit Suchbegriffen gefiltert worden.
Gewerkschaften begrüßen hartes durchgreifen
Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA begrüßten den Umbau im Unternehmen. Die Ermittlungen zum Datenskandal hätten "bestürzende Organisationsmängel aufgezeigt", erklärten sie in Berlin. "In Zukunft muss verhindert werden, dass sich einzelne Bereiche verselbständigen, so wie das hier offenbar geschehen ist."
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Quelle: dapd
, dpa
, AFP
, t-online.de