Sitz der Gruppe Deutsche Börse in Frankfurt-Hausen (Foto: dpa) Die Deutsche Börse sucht einem Pressebericht zufolge nach neuen Anker-Aktionären und setzt dabei auf den Staat. Wie das "Manager Magazin" vorab unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, ist Börsenchef Reto Francioni bereits seit Monaten auf der Suche nach einem Ankerinvestor und sucht inzwischen die Unterstützung einheimischer Verbündeter wie den Staatsbanken der KfW und Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU).
Die Deutsche Börse wollte dies nicht kommentieren. "Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen zur Aktionärsstruktur", hieß es. Allerdings seien 100 Prozent der Aktien inzwischen im Streubesitz, und es werde eine Strategie verfolgt, die der Wertschaffung für alle Aktionäre dienen solle.
Angst vor aggressiven Investoren
Hintergrund für das Vorfühlen Francionis auf politischer Ebene sei Furcht vor neuen Attacken etwa von Hedge Fonds wie ehemals TCI und Atticus, hieß es in dem Bericht. Diese könnten erfolgen, sobald sich der Markt wieder einigermaßen erholt habe. Die beiden Hedge Fonds hatten sich im Frühjahr 2005 bei der Deutschen Börse eingekauft, die von den Frankfurtern geplante Übernahme der London Stock Exchange (LSE) verhindert und schließlich einen Führungswechsel samt großzügiger Ausschüttungspolitik durchgesetzt.
Ausländische Staatsfonds wollten nicht
Wie nun berichtet, sucht die Börse nach Unterstützung, nachdem es ihr nicht gelungen ist, ausländische Staatsfonds für einen Einstieg in den Konzern zu gewinnen. Am liebsten wäre es Francioni, wenn sowohl das Land Hessen als auch der Bund mit Paketen von fünf Prozent einsteigen würden, schreibt das "Manager Magazin". Dafür sei bereits in der Wiesbadener Staatskanzlei und der KfW-Zentrale vorgefühlt worden. Beide Institutionen waren für einen Kommentar am Donnerstag zunächst nicht erreichbar.
Übernahme-Gefahr durchaus gegeben
Zwei Analysten beurteilten die Gefahr eines erneuten Einstiegs von "aktiven Aktionären" als "durchaus gegeben". Die Deutsche Börse sei eine "bedeutende Marktplattform", sodass sie durchaus wieder Spielball von Übernahme-Interessen werden könnte, schätzt einer der beiden. Die derzeitigen Aktionäre wie Barclays Global Investment, Fidelity, Franklin Mutual oder Norges Bank seien zwar keine aggressiven Investoren, "doch sieht man nicht, wer unter der Meldeschwelle von drei Prozent Aktien an der Deutschen Börse hält", sagte der zweite Analyst.
Hessen könnte Interesse haben
Dabei erinnerte der Experte an das Vorgehen von TCI und Atticus, die "vieles über Derivate-Konstruktionen" gemanagt hätten. Diese sicherten sich zunächst indirekte Mehrheiten über Optionsgeschäfte und stiegen praktisch durch die Hintertür ein. Zudem dürfte das Land Hessen durchaus ein Interesse daran haben, dass es nicht wieder Diskussionen um einen Verkauf der Abwicklungssparte Clearstream oder einen Börsengang der Derivate-Börse Eurex gebe. "Allein den Kassamarkt in Frankfurt zu behalten, wäre nicht interessant", sagte der Analyst.