27.10.2010, 10:00 Uhr | Brigitte Caspary, dapd / t-online.de/business
Deutsche Tüftler zeigen ihre cleveren Erfindungen. (Fotos: dpa, Montage: toi)
Deutschen Erfindern gehen die Ideen nicht aus. Was daraus geworden ist, präsentieren ganz junge und schon erfahrene Tüftler jetzt auf der internationalen Erfindermesse iENA in Nürnberg. Wir stellen Ihnen in unserer Foto-Show einige ihrer Innovationen vor.
Als ehemaliger Kapitän auf hoher See kennt Bernhard Hähnsen Schiff- und Glasbruch nur zu gut. Als Konstrukteur des weltweit ersten kippsicheren Tabletts will der 68-Jährige zumindest Letzteres vermeiden helfen. Der Hamburger ist einer von mehr als 500 Ausstellern aus 33 Ländern, die in Nürnberg auf der internationalen Erfindermesse iENA bis zum 31. Oktober ihre Produktideen vorstellen und auf Partner aus der Industrie hoffen.
Dass in Nürnberg die deutschen Erfinder mit vorn sind, ist keine Überraschung. So schätzt das Deutsche Patent- und Markenamt nach internen Hochrechnungen die Neupatente 2010 auf rund 60.000. Das ist mehr, als Experten erwartet hatten, denn die Anmeldungen folgten zeitversetzt der Konjunktur.
Die Idee zum Sicherheitstablett hatte übrigens Hähnsens Nachbarin Barbara Willomat. "Meine Freundin hat sich nie getraut, mit zwei langstieligen Rotweingläsern auf dem Tablett eine Treppe hochzugehen", erzählt die 53-Jährige. Da sei ihr vor eineinhalb Jahren eingefallen, die Gläser auf den Tabletts einfach zu befestigen - und zwar mithilfe eines speziell entwickelten Saug- oder Druckknopfes, auf den verschiedene Halterungen montiert werden können. Je nach Glas- und Tassengröße oder Form des Stiels können damit unterschiedliche Aufsätze für eine unterschiedliche Anzahl an Gefäßen verwendet werden.
Dabei lassen sich "Willomat-Tabletts" genauso vielseitig wie ihre Aufsätze einsetzen: Neben dem privaten Haushalt können sie die Alten- und Krankenpflege erleichtern oder in der Gastronomie verwendet werden. "Wenn sie beispielsweise in einem Biergarten über einen holprigen Rasen gehen müssen, können ohne Befestigung die Gläser leicht kaputt gehen", schildert Hähnsen.
Die Erfindung von Dieter Ortwein aus Wartenberg wird hingegen Fahrradfreunde jubeln lassen: Er hat sich den pannenfreien Fahrradreifen ausgedacht, der mit und sogar ohne Luft fährt. Wird der Reifen einmal undicht, dehnt sich ein elastischer Körper aus, der es dem Radler erlaubt, einfach weiterzufahren.
Weniger nützlich, dafür aber mit einem höheren Spaßfaktor ist das vom 43-jährigen Ansbacher Thomas Rank entwickelte "Flyrad". Das etwas mehr als 20 Kilogramm schwere Einrad kann mit Batterien betrieben bis zu 50 Kilometer zurücklegen - und dabei 40 Stundenkilometer schnell werden. Das "Flyrad" sei eine ideale Ergänzung für alle, die gerne auf Inlineskates unterwegs seien, erklärt Rank.
Wer es lediglich als Gleichgewichtshilfe nutzen will, kann es wie einen Schubkarren vor sich herschieben und sich darauf stützen. Wer aber lieber darauf herumfährt, schwingt es mit einem Handgriff unter sich und nutzt es mit seinen Inlineskates als eine Art motorisiertes Dreirad. "Ganz wichtig ist, dass ich damit auch richtig bremsen kann", betont Rank. Mit den Inlinern sei das ja bekanntlich bisweilen etwas schwierig. Hier biete seine Erfindung also ein wenig mehr Sicherheit im Straßenverkehr.
Die verspricht auch die von Maximilian Hausmann und Maximilian Herrmann entwickelte Leuchtkleidung. Die beiden 16-Jährigen besuchen derzeit die 10. Klasse eines Gymnasiums in Fürstenzell und kreierten in ihrem Wahlfach "Erfinden" eine Jacke, die via Fernbedienung in bis zu 15 verschiedenen Farben leuchten oder blinken oder beides gleichzeitig kann. "Wir wollten was Extravagantes machen", erzählt Herrmann und gibt zu, dass ihm außergewöhnliche Kleidung ansonsten nicht so wichtig sei.
Doch die Leuchtjacke sei durchaus als Hingucker auf Partys geeignet - und darüber hinaus auch ideal als Sicherheitskleidung etwa bei Autopannen oder für Werbezwecke. "Mit den Leuchtbändern können auch Firmenlogos oder Namen in die Jacke eingenäht werden", erläutert Herrmann.
Ein echter Hingucker dürfte auch der in einem Koffer integrierte Klappstuhl des zwölfjährigen Schülers Johannes von Moreau aus Fürstenzell werden. "Als in Island der Vulkan ausgebrochen ist, hab ich die Idee dazu bekommen", erzählt er. Denn er habe im Fernsehen gesehen, wie viele Menschen wartend in den Flughäfen herumgestanden seien und sich nicht hinsetzen konnten.
Also habe er in den Sommerferien ein Gestell aus Aluminium entwickelt, das auf einen Hartschalenkoffer montiert und bei Bedarf als Sitzfläche nach unten geklappt werden kann. Dank des Materials ist der Klappstuhl stabil und dennoch leicht und bequem. Über eine Weiterentwicklung seines "Relax-Koffers" hat sich der Zwölfjährige auch schon Gedanken gemacht. "Ich überlege, ob man da noch einen Motor dran machen kann", erzählt er. "Dann könnte man mit dem Koffer auch mal rumfahren".
Die iENA ist am 30. und 31. Oktober für das allgemeine Publikum geöffnet - am Samstag, 30. Oktober, von 9 bis 18 Uhr, am Sonntag, 31. Oktober, von 9 bis 16 Uhr.
Brigitte Caspary, dapd / t-online.de/business
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