17.03.2011, 15:12 Uhr | dpa, t-online.de/business
Tüftler Thomas Adamec mit seiner Recyclinganlage. (Foto: dpa)
Eine einmalige Erfindung kommt aus Franken. 13 Jahre lang hat sich ein Tüftler mit Schrott auseinander gesetzt und schließlich eine weltweit einzigartige Recyclinganlage gebaut. Nun hofft er, mit ihr den großen Wurf zu landen. Wir stellen Ihnen den Erfinder und seine Maschine vor.
Thomas Adamec ist Schrotthändler und ein Tüftler durch und durch. Voller Begeisterung spricht er von kaputten Handys, Computern und Digitalkameras. In den aussortierten Spielzeugen der Elektronikjünger sieht er wertvolle Rohstoffe - Adamecs Steckenpferd ist die Wiederverwertung. In jahrelanger Arbeit hat er eine hoch effiziente Recyclinganlage entwickelt, die 98 bis 99 Prozent aller Rohstoffe separiert und zur erneuten Verarbeitung bereitstellt. "Das ist weltweit einmalig", betont der Fürther voller Stolz.
"Das Spezielle ist, dass wir die Kunststoffe besser heraustrennen können und diese noch trennen können nach flammschutzhaltigen und flammschutzfreien Kunststoffen", erklärt der 50-Jährige. Fernseher und Radios etwa sind zum Schutz gegen Brände mit speziellen Chemikalien präpariert, was Probleme beim Recyclen macht. Übliche Anlagen jedoch können Kunststoffe nur nach hell und dunkel sortieren - Adamecs Erfindung hingegen spuckt die verschiedenen Sorten in säuberlich getrennten Haufen aus.
13 Jahre hat Adamec nach Angaben der Nürnberger Nachrichten an seiner Anlage gearbeitet. Sobald der Betrieb der Anlage im Sommer komplett von Test- auf Vollbetrieb umgestellt wird, schafft das immerhin 15 neue Arbeitsplätze für die Firma, die 1956 vom Vater des heutigen Inhabers gegründet worden ist.
Zehn Millionen Euro hat Adamec in seine Erfindung gesteckt, 1,5 Millionen davon hat das Umweltbundesamt zugeschossen. Denn wenn statt der gesetzlich geforderten 85 Prozent nun nahezu alle Bestandteile wiederverwertet werden, lohnt sich das nicht nur, aber auch für die Umwelt: Im Elektronikschrott stecken Gold, Kupfer, Aluminium, Stahl - und 40 bis 50 Prozent Kunststoff. "Davon wird noch nicht sehr viel recycelt", erklärt Adamec. Das meiste wird verbrannt und landet als Fernwärme in den Wohnungen.
Beim Verbrennen entstehen giftige Gase und Schadstoffe. Unter ihnen leiden besonders arme Menschen in Asien oder Westafrika, die ihren Lebensunterhalt auf Müllkippen verdienen und den Elektronikschrott der westlichen Welt mit primitivsten Mitteln ausschlachten. "Viele Entwicklungsländer sind mit dem Schreckgespenst gefährlicher E-Müll-Berge konfrontiert, mit schwerwiegenden Konsequenzen für die Umwelt und die öffentliche Gesundheit", schrieben Experten in einer Studie des UN-Umweltprogramms schon 2009.
Demnach steigt der weltweite Elektronikschrott Jahr für Jahr um 40 Millionen Tonnen an. Im Prinzip müssen sich die Staaten der EU sowie viele andere Länder selbst um ihre Hinterlassenschaften kümmern - erst recht wenn sie Anhaltspunkte dafür haben, dass der Müll im Empfängerland nicht fachgerecht entsorgt wird.
Doch es ist bekannt, dass trotz der Basler Konvention viele als "Spenden" getarnte Lieferungen nicht noch einmal genutzt, sondern umgehend ausgeschlachtet werden - häufig auch von Kindern. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat in Ghana Bodenproben dieser "Mini-Wertstoffhöfe" genommen und giftiges Blei, die Zeugungsfähigkeit schädigende Phtalate und krebserzeugende chlorierte Dioxine gefunden.
Um das illegale Geschacher um den Elektronikschrott zu reduzieren, sind die Hersteller in Deutschland seit 2005 verpflichtet, jedes verkaufte Gerät registrieren zu lassen - und im gleichen Umfang Elektronikschrott zurückzunehmen, wie Markus Weiß von der Stiftung Elektro-Altgeräte-Register erklärt. Der Inhalt der Sammelcontainer ist heiß begehrt: "Mittlerweile ist der Absatzmarkt kein Problem mehr, aber der Beschaffungsmarkt ist umgekämpft", weiß Hubert Bielmeier von Adamec Recycling. "Man hat den Wert der Rohstoffe erkannt."
Quelle: dpa
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