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Deutsche Post kündigt nach Umsatzeinbruch längere Arbeitszeiten an

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Deutsche Post will das Briefporto erhöhen

07.05.2009, 14:03 Uhr | sky / bab

Schlechte Geschäfte bei der Post - Briefträger sollen länger arbeiten (Foto: ddp) Schlechte Geschäfte bei der Post - Briefträger sollen länger arbeiten (Foto: ddp)Die Deutsche Post plant nach einem Einbruch bei Umsatz und Gewinn die Preise zu erhöhen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, will der Konzern mit der Politik über höhere Briefpreise in Deutschland verhandeln. Laut Bericht machte Briefvorstand Jürgen Gerdes die Ankündigung bei einer Investorenkonferenz. Eine Erhöhung des Portos bedarf jedoch der Zustimmung der Bundesnetzagentur. Zudem kündigte Gerdes wie bereits zuvor Konzernchef Frank Appel "drastische Schritte" zur Reduzierung der Kosten in der Sparte an.

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Briefträger sollen länger arbeiten

Laut eigener Aussage plant die Post, die Effizienz im Brief-Geschäft zu steigern. Mitarbeiter müssen sich auf eine Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit oder eine Verschiebung geplanter Lohnerhöhungen einstellen. Alle Schritte zusammen sollen 2009 rund 300 Millionen Euro zum Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) beitragen. Auch in der Express-Sparte stehen Neuerungen an: Managementebenen sollen entfallen, sowohl auf globaler als auch auf regionaler Ebene soll gespart werden. Aus fünf geographischen Regionen werden zukünftig drei.



Das Geschäft bricht ein

Im ersten Quartal brach der Umsatz der Deutschen Post von 15,8 auf 11,5 Milliarden Euro ein und blieb damit hinter der Durchschnittsschätzung der Analysten zurück. Hintergrund war der beispiellose Nachfrageeinbruch über alle Regionen und Branchen hinweg. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern fiel von 539 auf 27 Millionen Euro. Hier wirkten sich hauptsächlich Einmalbelastungen im Zusammenhang mit der Restrukturierung des DHL Express-Geschäfts in den USA aus. Vor Sondereffekten fiel das EBIT nur um 42,1 Prozent auf 312 Millionen Euro.

Sparen und mehr Gewinn zum Jahresende

Sollten die Volumina wieder steigen, erwartet die Post, dass sich die Kostenkur ab der zweiten Hälfte des Jahres im Ergebnis niederschlagen werde. Bis Ende nächsten Jahres sollen nicht-operative Kosten um mindestens eine Milliarde Euro fallen. Im Express-Geschäft soll das Sparziel von 460 Millionen Euro Ende 2009 erreichen sein. Auch die anderen Sparten - Brief mit 180 Millionen Euro, Global Forwarding, Fracht mit 160 Millionen Euro, Supply Chain mit 130 Millionen Euro und Corporate Center mit 70 Millionen Euro - wollen ihre Einsparziele früher erreichen.



Briefträger sollen länger arbeiten

Ein weiteres Detail der Sparmaßnahmen: Briefträger sollen künftig deutlich länger und ohne Lohnausgleich arbeiten. Das sagte Post-Vorstandschef Frank Appel der "Bild"-Zeitung. "Ohne Mehrarbeit drohen künftig Entlassungen", warnte der Manager. Er verwies darauf, dass die Wirtschaftskrise auch zu deutlichen Einbrüchen im ohnehin stagnierenden Briefgeschäft geführt habe. Darauf müsse das Unternehmen reagieren. Die Briefträger arbeiten derzeit 38,5 Stunden. "Unsere 80.000 Briefträger arbeiten schon heute sehr hart. Aber die Arbeitszeiten müssen verlängert werden. Jede Stunde Mehrarbeit bedeutet auch mehr Produktivität", sagte Appel dem Blatt.

Warnung an die Gewerkschaft

Appel warnte die Gewerkschaft Ver.di davor, längere Arbeitszeiten strikt abzulehnen - dann drohten Entlassungen. Für die Mehrarbeit könne es auch keinen Lohnausgleich geben. "Es wäre gut, wenn wir die Arbeitszeit in mehreren Schritten deutlich erhöhen könnten. Auf eine genaue Zahl möchte ich mich nicht festlegen", sagte Appel der "Bild"-Zeitung. Bei sinkenden Mengen blieben für die Post die Kosten für Personal und die Infrastruktur gleich oder stiegen sogar. Derzeit bauen sich bei den Briefträgern unzählige Überstunden auf.

Ver.di reagiert entrüstet

Die Gewerkschaft wies die Forderung zurück: "Wir lehnen pauschale Forderungen nach Arbeitszeit-Erhöhungen strikt ab", sagte Wolfgang Abel, Ver.di-Landesfachbereichsleiter Nord und Mitglied im Post-Aufsichtsrat dem "Hamburger Abendblatt". Er kritisierte die Aussagen Appels als "medienpolitischen Amoklauf. Jeder Verantwortliche weiß, dass man Tarifpolitik nicht über die Medien führt." Ein Post-Sprecher sagte, es müsse zum Thema Arbeitszeit möglichst rasch Verhandlungen mit Ver.di geben. Es gehe dabei auch für die Beschäftigten um Zukunftssicherung. Nach den Tarifvereinbarungen sind noch bis Mitte 2011 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

Tausende Stellen sollen gestrichen werden

Laut einem Zeitungsbericht will die Post in ihrer Briefsparte dennoch jedes Jahr mehrere tausend Arbeitsplätze einsparen. Dies gehe aus einem Schreiben des Vorstandsvorsitzenden Frank Appel an die Belegschaft hervor, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". "Jedes Jahr gehen etwa 4000 bis 5000 Mitarbeiter in den Ruhestand oder verlassen das Unternehmen", schrieb Appel. "Angesichts der rückläufigen Volumina können wir diese Mitarbeiter nicht ersetzen, sondern wir müssen ihre Arbeit auf die restlichen Schultern verteilen."
Spielraum für Personalanpassungen sieht Briefvorstand Jürgen Gerdes laut "FAZ" bei den mehreren tausend Mitarbeitern mit befristeten oder Teilzeitarbeitsverträgen. Hier müssten alle Möglichkeiten für eine Flexibilisierung genutzt werden. "Zwei Drittel unserer Kosten sind Personalkosten. Auch hier darf es keine Tabus geben", schrieb Gerdes der Zeitung zufolge in einem Mitarbeiterbrief.

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Quelle: t-online.de , dpa-AFX

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