03.08.2011, 13:58 Uhr | dpa
Gigantische Halbröhren sind auf der grünen Wiese im Fundament verankert, die Spiegel auf der Innenseite reflektieren das gleißende Licht der Sonne über Thailand. Noch wird gebaut und gewerkelt, zehn Arbeiter stehen in fünf Metern Höhe mit Schrubbern in der Halfpipe, um sauberzumachen, ehe die letzten Spiegelschichten verklebt werden. Ab Ende August wird hier die Sonne zur Stromerzeugung angezapft: das weltweit erste kommerzielle Parabolrinnenkraftwerk mit Wasser statt Thermalöl als Wärmeträger (Direktverdampfung) geht an den Start.
"Es wird ein Meilenstein für uns", sagt Joachim Krüger, der seine Firma Solarlite 2005 in Duckwitz in Mecklenburg-Vorpommern gegründet hat, bei der letzten Inspektion. Sein Team hat die solarthermische Anlage in 18 Monaten für den Stromerzeuger TSE in Huai Krachao in der Provinz Kanchanaburi 350 Kilometer nordwestlich von Bangkok gebaut. Solarlite hat Parabolspiegel aus leichtem Kompositmaterial entwickelt. Nervös ist der Umweltwissenschaftler und Betriebswirt nach eigenem Bekunden nicht. "Ich warte ungeduldig auf den Start."
Das Kraftwerk auf einem Areal von 100.000 Quadratmetern besteht aus 32 Rinnen, je 360 Meter lang. Zusammen haben sie eine Spiegelfläche von 45.000 Quadratmetern. Die Rinnen rotieren mit dem Sonnenverlauf um eine Achse, bei höchster Präzision: die Abweichung darf auf der ganzen Länge höchstens einen Millimeter betragen. Die Sonnenenergie wird von den Spiegeln auf ein Absorberrohr konzentriert. Der Clou: statt Thermalöl fließt Wasser durch das Rohr, das durch die Sonne erhitzt wird und verdampft. Der Dampf wird auf eine Turbine gelenkt. "Wir haben keine Gefahr von Öllecks, das System ist völlig umweltschonend", sagt Krüger.
Aktuelle Stellenangebote für Techniker, Ingenieure und im Vertrieb in Ihrer Wunschregion finden.
Jobsuche starten
Neben thailändischen Fachkräften sind auf der Baustelle junge Männer mit Piercings, Tätowierungen oder Irokesen-Haarschnitt im Einsatz: das sind Präzisionshandwerker aus Deutschland, Schweißer, Solartechniker, Kunststofftechniker, Metallwerker. Sebastian aus Gelsenkirchen ist Mechatroniker. Er will nie wieder weg. "Passt alles hier: Wetter, Aufgabe, Arbeitsklima", sagt der 26-Jährige. Das Herzstück: seine thailändische Verlobte. Er zeigt stolz den goldenen Ring am Finger. Das es hier deutsch zugeht, zeigt auch ein Blick in den Baucontainer: zwei Dosen Sauerkraut stehen da im Regal.
Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) sieht in der Solarenergie die Zukunft Asiens. "Die Kraft der Sonne zu nutzen ist für Asien nicht mehr einfach eine Option, sondern eine Notwendigkeit", sagte ADB-Vizepräsident Xiaoyu Zhao in Bangkok. Noch trägt Solarenergie in Asien kaum ein Viertel Prozent zur Energieversorgung bei.
Jetzt mit dem Verivox-Stromrechner Anbieter vergleichen, wechseln und Geld sparen!
Strompreisvergleich
Thailand setzte sich als Vorreiter das vorsichtige Ziel, bis 2022 eine Solargesamtkapazität von 550 Megawatt zu installieren. Doch der Einspeisetarif von acht Baht (0,19 Euro-Cent) pro Kilowattstunde über zehn Jahre löste einen wahren Boom aus. Nach Angaben des Energieministeriums sind schon Anlagen mit einer Gesamtkapazität von rund 2000 Megawatt genehmigt worden. Weitere Anträge über 1300 Megawatt liegen vor. Der Einspeisetarif für künftige Projekte wurde schon auf 6,5 Baht reduziert. Knapp 50 Megawatt sind installiert, wie die Drei-Megawatt-Solarfarm 60 Kilometer nördlich von Bangkok. Die deutsche Conergy lieferte die Technologie.
Anders als die Photo-Voltaik-(PV)-Kraftwerke können Parabolrinnenkraftwerke Strom und Wärme gleichzeitig liefern. Die Wärme könne für den Betrieb von Klimaanlagen oder zur Meerwasserentsalzung genutzt werden, sagt Krüger - eine effizientere Energienutzung als die Betreibung solcher Anlagen mit Strom. Krüger baut Anlagen von fünf bis 50 Megawatt. Ein Fünf-Megawatt-Kraftwerk könne den Bedarf eines Hotels mit 400 Betten decken. Die Anlage in Kanchanaburi ist nur zur Stromerzeugung vorgesehen. Derselbe Auftraggeber hat schon zwei weitere Kraftwerke bestellt. Insgesamt hat Krüger nach eigenen Angaben Aufträge für 50 Anlagen in Thailand. 240 seiner 300 Mitarbeiter arbeiten in Thailand.
Der Newsletter bietet Ihnen die wichtigsten Meldungen aus der Welt von Wirtschaft und Geldanlage werktags kostenlos per E-Mail. Jetzt abonnieren!
Anders als PV-Anlagen, die bei genügend Licht auch unter Wolkenhimmel Strom erzeugen, brauchen die Parabolrinnen allerdings stets direkte Sonneneinstrahlung. Kein Problem, sagt Krüger, der die Wetterdaten in Thailand studiert hat. "Wir sind zwar im Bau zehn Prozent teurer als PV-Kraftwerke, machen aber bei gleicher Kapazität im Jahresmittel 30 Prozent mehr Strom". Weil Verdampfungsanlagen wie seine auch mit anderen Energieträgern als der Sonne funktionieren, sieht er großes Potenzial: "Die Zukunft sind Hybridkraftwerke.". Die können tagsüber mit Sonnenkraft, nachts etwa mit Biogas arbeiten.
Er sieht Solarlite auf bestem Wege. Dennoch kann der Schutz der Götter nie schaden. Auf dem Gelände in Huai Krachao steht ein massiger Baum mit einem kleinen Tempel darunter. Ein heiliger Baum sei das, erklärt Krüger. Im Vorbeigehen verneigt er sich mit einem Wai-Gruß, der thailändischen Respektbekundung.
Quelle: dpa
MC schrieb:
am 4. August 2011 um 21:35:48
(0)
(0)
5 MW Kraftwerk
Das beste an diesem Bericht finde ich das 5 MW Kraftwerk für ein Hotel :-)
Kommentar melden
Gont schrieb:
am 4. August 2011 um 11:40:04
(0)
(0)
Alternative Kraftwerke
Das wirklich interessante an diesem Artikel ist, daß aufgezeigt wird, wie man das Argument der Gegner alternativer
Energien, nämlich fehlende Kontinuität der Energiebereitstellung, völlig entkräften kann:
Kombination von Solarthermie mit Biogas. Solarthermie hat außerdem einen Wirkungsgrad (der Absorption) von 70% - 85%, dagegen sieht Photovoltaik schlecht aus. Für Häuslebauer und -besitzer ist dies allerdings keine Lösung, hier sind unsere (unabhängigen) Energieversorger gefragt.
mehr
Kommentar melden
Hattie schrieb:
am 3. August 2011 um 14:46:10
(0)
(1)
Solar
Walter Bau hat 30 Mio auflaufen lassen. DIE haben gepennt. Kenne hier in TH Firmen, die mit deutschen Firmen arbeiten - ohne Probleme.
Hab über eine Firma in Bangkok Minikreissäge bestellt. Der deutsche Herrsteller hat die Firma als sehr seriös beschrieben. Noch was: Hab 1990 mal für die Bundesbaudirektion gearbeitet - und bin auf den letzten 3 Rechnung sitzen geblieben! BBD sagte: Klag doch! Also, nicht über TH meckern, auch die deutschen Behörden zahlen nicht immer lt. Vertrag!
mehr
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special
Entdecken Sie die neuen Kollektionen zu Top-Preisen: jetzt online bestellen! zu den Angeboten
Zeigen Sie Flagge - alles für die per- fekte EM-Party in Schwarz-Rot-Gold.
von GINGAR.de
Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de
Physiker Timon Wehnert spricht von großer Herausforderung. zum Video
Deutscher Mieterbund: "Wende muss bezahlbar sein". zum Video
Familienunternehmen macht 25 Mio. Jahresumsatz. zum Video