
09.08.2010, 09:58 Uhr | Financial Times Deutschland
Unternehmer mit Hunderten Millionen auf dem Konto lässt der Vorstoß von 40 US-Milliardären kalt, den Löwenanteil ihres Vermögens zu spenden. Allerdings stecken hierzulande viele ihr Geld in Stiftungen. Und: Großzügige Spenden werden von der Gesetzeslage erschwert. Und so wird es eine milliardenschwere Spenderallianz wie die amerikanische "The Giving Pledge" in Deutschland voraussichtlich nicht geben. Hiesige Superreiche wollten sich dazu entweder überhaupt nicht äußern oder reagierten zumeist zurückhaltend auf das Versprechen von 40 US-Milliardären, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu spenden.
Es existiere doch eine lange Tradition vieler europäischer Familienunternehmen, einen Teil des Geldes zu spenden, hieß es etwa beim Otto-Konzern. Insofern gebe es bereits eine Ähnlichkeit zu der US-Aktion. Der Unternehmer Klaus-Michael Kühne hatte bereits früher erklärt, sein Vermögen zu mehr als 90 Prozent der gemeinnützigen Kühne-Stiftung zu vermachen. Damit erfülle er "eine wesentlich höhere Quote, als diejenigen, die sich derzeit rühmen, auf die Hälfte ihres Vermögens zu verzichten", so ein Sprecher. "Ich finde es toll, dass viele Amerikaner große Teile ihres Vermögens spenden wollen", sagte dagegen SAP-Gründer Dietmar Hopp der "Financial Times Deutschland" (FTD).
Experten halten die Rahmenbedingungen in den USA für nicht vergleichbar mit anderen Ländern. "In Deutschland würde so eine Initiative wohl nicht funktionieren", sagte Georg von Schnurbein, Leiter des Zentrums für Philanthropie und Stiftungswesen an der Uni Basel. Wer in den USA seinen Reichtum zur Schau stelle und davon etwas abgebe, sei gesellschaftlich angesehen, so Jens Uwe Böttcher von der Uni Bremen. In Deutschland sei das Gegenteil der Fall: "Wenn gespendet oder gestiftet wird, dann passiert das oft im Verborgenen." Grund sei der ausgeprägte Sozialneid. SAP-Mitgründer Hopp sieht es genauso: "Bei uns beginnt dann immer schnell eine Neiddebatte."
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Zwar spielen kulturelle Unterschiede eine wichtige Rolle. Doch im Vergleich zu den USA ist es für deutsche Reiche auch finanziell deutlich unattraktiver, im großen Stil zu spenden. "Der Staat gibt einem nie mehr durch eine Steuerersparnis zurück, als man selbst gespendet hat", sagte Claus Lemaitre, Geschäftsführer der Fidia Steuerberatungsgesellschaft. In Deutschland wie in den USA werden Spenden nur vom Einkommen abgezogen, auf das wiederum Steuern gezahlt werden muss. Man erwirbt also einen Steuervorteil - der Betrag, der zuvor verschenkt worden ist, ist aber weg. Wegen großzügiger Grenzen bei der Absetzbarkeit lohnt es sich für Spitzenverdiener in den USA indes deutlich mehr, Geld oder Unternehmensanteile zu verschenken.
In Deutschland kann man dem Fiskus zwar die komplette Spende melden. Angerechnet werden kann die aber maximal bis zu einer Höhe von 20 Prozent des Jahreseinkommens oder vier Promille des Jahresumsatzes eines Unternehmens. Anders in den USA: Da darf zwar nur die Hälfte der Spende geltend gemacht werden - sie kann aber bis zur Hälfte des gesamten Einkommens ausmachen. "Vor allem wenn es um Millionenbeträge geht, sind die USA attraktiver", sagt Stephan Strothenke, Experte für internationales Steuerrecht bei HLB Stückmann.
Hinzu kommt: Viele Firmengründer in den USA haben ihre Unternehmen in Aktiengesellschaften verwandelt. Steigen sie aus dem Unternehmen aus, müssen die Anteile irgendwo angelegt werden. In Deutschland lassen gerade die reichen Gründer ihr Kapital in der Firma, die oft als GmbH geführt wird. "Die großen Vermögen liegen hierzulande in den Unternehmen", so ein Insider. Wolle ein Firmengründer die Hälfte seines Vermögens spenden, bedeute das im Extremfall, dass er sein Unternehmen zerschlagen müsse.
Um ihr Lebenswerk zu retten oder ihren Nachkommen die Erbschaftsteuer zu ersparen, setzen deutsche Reiche zunehmend auf Stiftungen. Auch die Milliardäre, die sich der Initiative "The Giving Pledge" angeschlossen haben, halten ihr Vermögen überwiegend über Unternehmensanteile. Hopp fordert deshalb: "Bei uns sollte der Staat an die sehr Reichen appellieren, dass diese sich in Stiftungen engagieren." Tatsächlich ist deren Zahl laut Bundesverband Deutscher Stiftungen bereits um 3000 auf 14.700 gestiegen, seit nach einer Reform 2007 Stiftungsgelder bis zu 1 Million Euro bei der Einkommensteuer abgesetzt werden können - und zusätzlich noch 20 Prozent des Jahreseinkommens.
Anders als die Amerikaner geben die Deutschen im Verhältnis zu ihrem Gesamtvermögen aber nur wenig in die Stiftungen: Über 70 Prozent aller in Deutschland angemeldeten Stiftungen verfügen nur über ein Vermögen von weniger als 1 Million Euro, wie aus Zahlen des Verbands hervorgeht - ein Beleg dafür, dass es Stiftungsgründern zuletzt vor allem darum geht, die neuen steuerlichen Vorteile zu nutzen.
Die Stiftungen verfügen gemeinsam über ein Vermögen von rund 100 Milliarden Euro, schätzt der Verband. Sie schütten jährlich etwa 7 Milliarden Euro für wohltätige Zwecke aus. Andere Quellen sprechen nur von 50 Milliarden Euro Stiftungsvermögen, woraus sich auch eine deutlich geringere Kapitalausschüttung ergebe. Stiftungen sind in Deutschland nicht verpflichtet, Informationen über ihr Vermögen oder Ausschüttungen zu veröffentlichen. Anders in den USA: Dort besaßen Stiftungen 2009 ein Vermögen von 583,4 Milliarden Dollar, über ihre Zinserträge schütteten die Einrichtungen 42,9 Milliarden Dollar aus.
"Der Stiftungsboom wird nicht ewig so anhalten, da es sich vor allem um Nachholeffekte handelt. In zwei bis drei Jahren wird sich das normalisieren", sagte der Philantrophie-Experte Böttcher. Tatsächlich haben laut einer unveröffentlichten Studie der Uni Heidelberg bereits 161 der 300 reichsten Deutschen eine Stiftung eingerichtet.
Hopp etwa hat bereits vor 15 Jahren zwei Drittel seines Vermögens an eine Stiftung gespendet. Der Schraubenmilliardär Reinhold Würth finanziert über unter anderem eine Ganztagsschule, Ausbildungseinrichtungen für Behinderte und Preise für Künstler. Die BMW-Großaktionärin Johanna Quandt unterhält zwei Stiftungen, mit denen sie den Wirtschaftsjournalismus und die Berliner Charité fördert. Ihr Sohn Stefan Quandt erklärte das Faible seiner Mutter für Journalismus mit dem Augenleiden seines Vaters Herbert, dem seine Mutter aus Zeitungen vorlas. Andere wie die Stiftungen der Oetker-Familie engagieren sich im sozialen, wissenschaftlichen und kulturellen Bereich. Mittel fließen in die Krebsforschung, in Kindergärten und Kinderherzzentren sowie in die Restaurierung von Dorfkirchen in den neuen Bundesländern.
Trotz dieses Engagements hinken die deutschen Stiftungen ihren US-Pendants noch stark hinterher. Das hat auch historische Gründe: Hyperinflationen und Währungsreformen zerstörten nach beiden Weltkriegen beinahe das gesamte Vermögen der Gesellschaften. Stiftungen in den USA blieben von solchen Faktoren weitgehend verschont.
Financial Times Deutschland
Stefan schrieb:
am 6. August 2010 um 19:26:46
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@Eva
Man kann den Chef von KIK nicht mit Bill Gates vergleichen. Bei KIK arbeiten großteils ungelernte die leider gezwungen sind für jedes
Gehalt zu arbeiten. Bei Gates Microsoft abeiten hochqualifizierte Softwareentwickler, die überall Anstellung finden würden und da muß man schon was bieten. Übrigens: Stolz auf nen Milliardär ist vielleicht das falsche Wort. Man beneidet sie auf eine Art und Weise in dem mann ihnen nacheifert. Man versucht auf was zu erreichen.
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Eva schrieb:
am 6. August 2010 um 19:03:03
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ich kann mir nicht vorstellen
dass in Usa niemand neidisch auf einen Millionär ist, das ist doch nur menschlich. Während er sich abrackert
in seinem 3.Job hofiert er und ist stolz auf den Millionär? Nun ja, das ist für mich genauso krank, wie der Neid, der in Deutschland sehr ausgeprägt ist.
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lisa schrieb:
am 6. August 2010 um 19:00:01
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an STefan
nun ja, ich bin noch kurz vor dem Mauerfall in der Tschechei gewesen, dann bin ich raus, ich war dort auf dem Gymnasium, jeder, der
gute NOten hatte, durfte aufs Gymnasium, egal was Vater, Mutter usw. war. ich finde die Chancengleichheit war grösser, als hier, im Sozialismus. Sonnst brauche ich kein Kommunismus, oder Sozialismus, ala Honecker usw. Das mit der Krankversorgung da muss ich googeln, ich dachte wer nicht bezahlt, wird nicht behandelt.
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