04.03.2010, 11:16 Uhr | t-online.de/business
Auch 2010 planen viele Unternehmen in Deutschland, die Belegschaft zu reduzieren. (Foto: Imago)
Entlassungen trotz Lichts am Wirtschaftshorizont: Jedes dritte Unternehmen in Deutschland plant in diesem Jahr Personal abzubauen, obwohl fast die Hälfte der Firmen für 2010 mit einer positiven Geschäftsentwicklung rechnet. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Managementberatung Kienbaum.
Für die Untersuchung „HR-Klima Index 2010“ hat Kienbaum 233 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. „Der Beschäftigungsabbau wird sich fortsetzen. In Deutschland wird auch bei einer positiven Geschäftsentwicklung die Beschäftigung deutlich hinterher hinken. Das ist unter anderem eine Folge der Kurzarbeit“, meint Paul Kötter, Director bei Kienbaum und Gesamtverantwortlicher der Studie.
In Österreich und der Schweiz kehrt sich der Trend der Analyse zufolge: Zwar rechnen demnach nur knapp ein Viertel der österreichischen Unternehmen in diesem Jahr mit einem steigenden Umsatz, ein Drittel der Firmen geht dennoch davon aus, dass die Anzahl ihrer Mitarbeiter steigt. In der Schweiz gaben sogar mehr als 40 Prozent der befragten Betriebe an, 2010 Personal aufstocken zu wollen, während nur jede neunte Firma eine Verbesserung ihrer Geschäfte erwartet.
Im Branchenvergleich entwickeln sich Beschäftigung und Geschäft unterschiedlich: Im Finanzbereich gehen laut HR-Klima Index 201 mehr als 60 Prozent von einer positiven Geschäftsentwicklung aus, aber nur gut ein Viertel der Finanzinstitute will mehr Mitarbeiter einstellen. In der Dienstleistungsbranche ist die Kluft zwischen guten Geschäftsaussichten und Mitarbeiterzahl am geringsten: Knapp 60 Prozent der Unternehmen erwarten steigende Umsätze und fast 40 Prozent planen, ihre Belegschaft zu erweitern.
Krisenprofiteure planen laut der Studie anders als Unternehmen, die in der Krise Verluste hinnehmen mussten: Sechs Mal häufiger gaben diese Personalreduzierung als vorrangig an als die Krisengewinner. Unternehmen, die 2009 Marktanteile hinzugewonnen haben, konzentrieren sich demnach drei bis fünf Mal öfter auf Talent Management, Anreizstrukturen und Arbeitgeberattraktivität. „Während die Verlierer noch mit den Auswirkungen der Krise beschäftigt sind, arbeiten die Gewinner der Krise an den Wettbewerbsvorteilen von morgen und bemühen sich gezielt um die Besten der Branche", erklärt Stephan Schmid, Projektleiter der Kienbaum-Analyse. Die Schere zwischen Krisengewinnern und -verlieren drohten weiter auseinander zu gehen, den Verlierern der Weggang wertvoller Mitarbeiter.
Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: 80 Prozent der Studienteilnehmer nutzen Erfahrungen aus früheren Krisen, um die derzeitige Situation zu bewältigen, 90 Prozent der Personalbereiche sehen sich für zukünftige Krisen besser gewappnet. Weiterhin an erster Stelle auf der Agenda der Personalbereiche steht die Verbesserung der Führungs- und Managementqualität. „Maßnahmen erfolgen selektiv und gezielt, sei es zur Personalbindung oder zum Arbeitsplatzabbau. Auch die strategische Personalplanung gewinnt an Bedeutung“, betont Schmid.
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