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Deutscher Gründerpreis 2010 verliehen

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Deutscher Gründerpreis für jede Unternehmensphase

15.09.2010, 08:36 Uhr

Er ist der Küchenmeister: Willi Bruckbauer erhielt den Deutschen Gründerpreis 2010. (Foto: Deutscher Gründerpreis, Bärbel Schmidt)

Es beginnt mit einer Idee, es endet mit einem Lebenswerk: Der Deutsche Gründerpreis will alle Phasen unternehmerischer Erfolge bedenken. Der jetzt verliehene Preis ist eine der bedeutendsten Auszeichnungen für herausragende Unternehmer in Deutschland. Er wird für vorbildhafte Leistungen bei der Entwicklung von innovativen und tragfähigen Geschäftsideen und beim Aufbau neuer Unternehmen verliehen. Ziel ist es, ein positives Gründungsklima in Deutschland zu fördern und Mut zur Selbstständigkeit zu machen. Wir stellen ihnen die Preisträger 2010 vor.

Manchmal muss man die Dinge auf den Kopf stellen, damit sie funktionieren. Willi Bruckbauer tat das. Am Anfang war der Ärger und der Dampf. Ärger darüber, dass man sich an Dunstabzugshauben immer den Kopf stößt, sie aber doch nicht richtig funktionieren und die Kleidung und Räume weiterhin nach Küche riechen. Seine Idee: Dampf ist schwerer als die Raumluft, sie fällt nach unten, also muss der Dunstabzug nach unten. In seinem patentierten Abzug wird der Dunst unten durch Schlitze im Herd abgesaugt. Damit stört keine Haube mehr die Kopffreiheit. Der gelernte Schreinermeister ließ sich nicht nur die Idee patentieren, sondern gründete im bayerischen Raubling gleich eine Firma, um die entsprechenden Produkte herzustellen.

Ideen aus aktuellen Lebenswelten

Küche und Internet: Das sind die Lebenswelten, in denen die ausgezeichneten Innovationen ihren Platz finden. Der Deutsche Gründerpreis 2010 wurde an die Bora-Lüftungstechnik GmbH aus Raubling und die Internetstores AG
aus Esslingen verliehen. Zum neunten Mal wurden damit unternehmerische Vorbilder in unterschiedlichen Unternehmensphasen ausgezeichnet – vom Schülerplanspiel bis zum Lebenswerk. Außergewöhnliche Unternehmerleistungen können mit einem Sonderpreis gewürdigt werden.

Alle Phasen: Schüler, Start-up, Aufsteiger, Lebenswerk

Alle Phasen unternehmerischen Schaffens sollen abgedeckt sein, so wollen es die auslobenden Partner Stern, Sparkassen, ZDF und Porsche. Bereits seit 1997 setzen sich die Partner für die Förderung des Unternehmertums und der Gründungskultur ein. Die Initiative wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, namhaften Förderern, einem hochkarätigen Kuratorium und einem Experten-Netzwerk unterstützt. Der Deutsche Gründerpreis wird jährlich in den Kategorien Schüler, StartUp, Aufsteiger und Lebenswerk vergeben.

Das sind die Preisträger: Start-up in der Küche

Die Jury des Deutschen Gründerpreises ehrt die Bora-Lüftungstechnik GmbH in der Kategorie Start-up. Bora entwickelt, produziert und vertreibt Dunstabzugsgeräte für Küchen, die direkt ins Kochfeld integriert sind und die Dämpfe nach unten absaugen. "Das Unternehmen hat ein einfaches Alltagsprodukt aus einem neuen Blickwinkel betrachtet: Mit dem Dunstabzug, der direkt in das Kochfeld integriert ist, steigen Kochdämpfe nicht auf, sondern werden nach unten abgesaugt, die Gerüche können sich also beispielsweise nicht in der Kleidung festsetzen. Auch ist der Abzug leiser und leichter zu reinigen als herkömmliche Dunstabzugshauben und durch seine Einbindung in das Kochfeld ergeben sich völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten bei der Küchenplanung. Das kleine mittelständische Unternehmen konnte seine Innovation innerhalb kurzer Zeit in einen von großen Markenherstellern dominierten Markt einführen, ein hohes Wachstum erreichen und sowohl Profi- als auch Hobbyköche begeistern", so die Begründung der Jury.

Der Aufsteiger 2010: Denken wie der Nutzer

Die Auszeichnung in der Kategorie Aufsteiger geht an die Internetstores AG aus Esslingen. Das Unternehmen hat seine Erfahrungen aus der Einrichtung von Onlineshops systematisiert und für den Online-Vertrieb von unterschiedlichsten Produkten unter eigenen und Fremdmarken nutzbar gemacht. Die Jury des Deutschen Gründerpreises ehrt das Unternehmen, "weil ein tiefes Verständnis für das Medium Internet und ein ausgefeiltes Logistiksystem die Internetstores AG zu einem der großen Anbieter unter den deutschen Onlineshops werden ließen. Der Betreiber antizipiert das Verhalten der Nutzer und ist immer dort präsent, wo sich die potenziellen Käufer gerade aufhalten. Vor sieben Jahren mit dem stationären Fahrradhandel seines Vaters gestartet, hat der junge Unternehmer (27) zunächst seine Erfahrungen aus der Fahrrad-Branche konsequent auf das Internet übertragen. Heute etabliert er permanent Shops für neue Produkte bekannter Markenhersteller aber auch für eigene Marken. Die Internetstores AG nutzt die Potenziale des Internets optimal und konnte ein außergewöhnliches Unternehmenswachstum erreichen. Der Gründer übernimmt zudem Verantwortung über seine unternehmerische Tätigkeit hinaus: Für sein Projekt ReCycle kann jedermann alte oder ungenutzte Fahrräder spenden, die er abholen lässt, aufarbeitet und an südafrikanische SOS-Kinderdörfer spendet."

Business aus der Schule: Gegen Fahrradklau

In der Kategorie Schüler wird das Team Argus. aus Rheine (Nordrhein-Westfalen) prämiert für den Businessplan zu seiner fiktiven Geschäftsidee - eines GPS-Systems zur Ortung gestohlener Fahrräder. Das Team Argus. bearbeitete damit ein reales Problem: Im Falle eines Diebstahls erfolgt die Ortung durch den Zweiradhändler, der mittels des im Fahrrad eingebauten Chip genau feststellen kann, wo sich das Fahrrad gerade befindet. Die Umsetzung in ein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell gelang unter anderem durch eine intelligente Vertriebskonstruktion: Der Zweiradfachhandel und die Versicherungswirtschaft werden in den Vertrieb des Produktes eingebunden.

Die Preisträger und Nominierten in den Kategorien StartUp und Aufsteiger erhalten ein individuelles, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Coaching durch die Unternehmensberatung Porsche Consulting GmbH. Zudem übernehmen Kuratoriumsmitglieder des Deutschen Gründerpreises über einen Zeitraum von zwei Jahren Patenschaften für alle Nominierten und Preisträger in den Kategorien. Je nach Bedarf stellen die Paten erfolgsnotwendiges Know-how in allen betriebswirtschaftlichen Bereichen wie Finanzierung, Organisation, Marketing, Recht oder Personal und natürlich auch Kontakte zur Verfügung. Die Nominierten erhalten außerdem ein eintägiges Medientraining sowie Zugang zum Alumni-Netzwerk.

Lebenswerk: Mut und konsequente Innovationen

Für sein Lebenswerk wurde in Berlin dem Familienunternehmer Ludwig Georg Braun der Deutsche Gründerpreis 2010 verliehen. Die Jury ehrt Braun "für seine herausragende unternehmerische Leistung: Durch konsequente Internationalisierung und ständige Innovationen entwickelte er das deutsche Familienunternehmen B. Braun Melsungen, das im Jahre 1839 aus der Melsunger Rosenapotheke hervorging, zu einem internationalen Marktführer im Bereich Pharma und Medizintechnik. Braun schuf eine Unternehmenskultur, in der Kommunikation im Mittelpunkt steht und ein modernes, innovatives Bürokonzept Anwendung findet. Die Ausbildungskultur des Unternehmens ist vorbildlich. Der mit vielen Ehrungen und Auszeichnungen bedachte Unternehmer verband zwei anspruchsvolle berufliche Rollen erfolgreich miteinander: Mit vollem Einsatz ist er erfolgreicher Unternehmenslenker.

Mit dem gleichen Engagement war er langjährig Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages und stets ein geschätzter Ansprechpartner für Wirtschaft und Politik. Braun engagiert sich in der Förderung von Existenzgründern und als Kunstmäzen." Ludwig Georg Braun führt das Familienunternehmen in der fünften Generation. Nach einer Bankausbildung arbeitete er in Brasilien und den USA, bevor er 1972 mit 29 Jahren in das elterliche Unternehmen eintrat. Braun formte die 3000-Mann-Firma zu einem global aufgestellten Unternehmen, das mit über 50 ausländischen Standorten und mehr als 40.000 Mitarbeitern zu den Besten der Welt gehört. Seinen Erfolg verdankt Braun ständigen Produktinnovationen, am bekanntesten sind die "Braunüle", eine einteilige Plastikkanüle und die Infusionslösung Sterofundin.

Es lohnt sich in Deutschland Unternehmer zu sein

Wo andere Kosten sehen, sieht Ludwig Georg Braun Effizienzgewinne, wo andere Bedrohungen sehen, sieht er Chancen. Schon früh zeigte sich seine Fähigkeit, schneller als andere auf technische Entwicklungen und gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren: Während Europaskeptiker Anfang der 1970er Jahre nach nationalen Regelungen zum Schutz vor ausländischen Anbietern riefen, nutzte er die Vorteile des Europäischen Einigungsprozesses. Auf die erstarkenden japanischen Anbieter regierte das Unternehmen mit asiatischen Niederlassungen "aber nicht als Werkbank, sondern als Keimzellen zur Erschließung der Märkte", so die Begründung der Jury. Der Geehrte selbst reagierte hoch erfreut: "Der Deutsche Gründerpreis zeigt beispielhaft, dass es sich lohnt, in Deutschland Unternehmer zu werden. Mit der Auszeichnung in der Kategorie Lebenswerk findet es Anerkennung, wenn man nicht nur kurzfristige Gewinnmaximierung betreibt, sondern ein Familienunternehmen
nachhaltig führt", erklärte er. Konsequente Internationalisierung und ständige Innovationen waren für ihn der Schlüssel. Der Unternehmens-Chef war zudem auch langjährig Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, ein geschätzter Ansprechpartner für Wirtschaft und Politik und in der Förderung von Existenzgründern und als Kunstmäzen engagiert.

Allgemeine Zustimmung findet auch die Familienpolitik des Unternehmens: Flexible Arbeitszeiten, über 200 verschiedene Teilzeitmodelle und zahlreiche Angebote, die Karriere trotz familiärer Verpflichtungen möglich machen. "Immer mehr Hochschulabsolventen sind Frauen. Wir müssen als Unternehmen attraktiv bleiben", sagt der Firmenchef dazu. Dem kommenden demographischen Wandel begegnet er schon jetzt durch intensive Aus- und Weiterbildung, auch und gerade der älteren Arbeitnehmer. "Natürlich muss der Mitarbeiter die Bereitschaft zum Lernen mitbringen." Ludwig Georg Braun führt das 1839 gegründete Familienunternehmen in der fünften Generation. "Ich hatte sehr früh eine enge Bindung an das Unternehmen."

Frühere Preisträger

Im vergangenen Jahr erhielt Prof. Artur Fischer (Fischer-Dübel) den Preis für sein Lebenswerk. In den Jahren davor wurden Prof. Dr. Werner Otto und sein Sohn Dr. Michael Otto, Prof. Dr. Claus Hipp, Prof. Dr. Reinhold Würth, Günther Fielmann und Dr. Heinz-Horst Deichmann mit dem Deutschen Gründerpreis für ihr Lebenswerk geehrt.


Quelle: T-Online

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