02.12.2010, 10:00 Uhr | Schmale, Leszczynski, dpa / t-online.de/business
Der prämierte Greifarm kann sogar Obst unfallfrei anreichen. (Foto: dpa)
Darauf können die deutschen Tüftler wirklich stolz sein: Mit ihren diesjährigen Innovationen sind sie ganz vorne dabei - das haben sie jetzt von höchster Stelle bestätigt bekommen. Bundespräsident Christian Wulff hat Ingenieure aus Baden-Württemberg für die Entwicklung eines flexiblen Greifarms mit dem Deutschen Zukunftspreis 2010 ausgezeichnet - dem bedeutendsten Innovationspreis in Deutschland. Nominiert waren drei Forscherteams, die wertvolle Lösungen für Klima und Umwelt geschaffen haben. Wir stellen Ihnen die wegweisenden Erfindungen vor.
Die Sieger-Erfindung des Deutschen Zukunftspreises, der in diesem Jahr zum 14. Mal vergeben wurde, entwickelten Peter Post und Markus Fischer von der Festo AG & Co. KG in Esslingen sowie Andrzej Grzesiak vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut: einen Hightech-Helfer für Industrie, Haushalt und Landwirtschaft. Nach dem Vorbild eines Elefantenrüssels entwickelten die Forscher einen so genannten bionischen Handhabungsassistenten – also einen flexiblen, künstlichen Arm.
Auf den ersten Blick sieht dieser graue, schlauchförmige Greifarm nicht sehr spektakulär aus. Doch das schlichte Äußere täuscht: Der "Elefantenrüssel" kann nicht nur Industrieteile montieren, er geht auch unfallfrei mit rohen Eiern und Tomaten um und kann ein Glas Wasser halten. Zurzeit wird getestet, ob er auch zum Orangenpflücken taugt. Diese Geschicklichkeit kommt nicht von ungefähr. Die Idee haben sich die Entwickler aus einer sicheren Quelle abgeschaut: der Natur.
Das Gerät habe die Gewandtheit eines Elefantenrüssels im Greifarm und die nachgiebige Spannkraft einer Fischflosse im Greiffinger, erläutert Peter Post. Der pneumatische Rüssel kann entweder mit Hilfe einer Kamera oder durch Sprachbefehle gesteuert werden. Mit ihrer Idee sind die Baden-Württemberger ganz frisch auf dem Markt. Es gibt Prototypen des Geräts, erst wenige sind verkauft. 2011 will die Firma rund 1000 der neuen Präzisions-Greifarme absetzen.
Die Innovation aus dem nachgiebigen Kunststoff Polyamid wird mit Druckluft betrieben. Im Gegensatz zu einem normalen Roboterarm ist die Neuentwicklung besonders beweglich. In Serie gehen werde das Gerät wahrscheinlich zuerst in der Industrie, zum Beispiel bei Montageautomaten, berichtet Post. Doch auch in der Landwirtschaft, im Haushalt oder in der Pflege sieht er eine Zukunft.
Gerade in einer alternden Gesellschaft seien Erfindungen wie dieser künstliche Arm sehr wichtig, so Wulff. Dafür brauche es die Zusammenarbeit von Geistes- und Naturwissenschaften. "Neue Werkstoffe mit neuen Formen des Antriebs erleichtern das Leben im Alter", erklärte der Bundespräsident.
Das Familienunternehmen Festo beschäftigt weltweit 13.500 Mitarbeiter, rund die Hälfte davon in Deutschland. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Euro. Der prämierte Greifarm wird weiter in Esslingen produziert. Das Stuttgarter Fraunhofer-Institut brachte bei dem neuartigen System unter anderem seine Erfahrungen ein, einen ziehharmonikaartigen Faltenbalg als Antrieb zu nutzen. Mit dem Preisgeld in Höhe von 250.000 Euro wollen Peter Post und sein Team Stipendien für Technik- und Ingenieurstudiengänge finanzieren.
Mit dem Prinzip Natur setzte sich das Gewinnerteam gegen zwei weitere Bewerber durch. Das Forscherteam um Gunther Krieg, Dirk Fey und Jürgen Bohleber von der Karlsruher Unisensor Sensorsysteme GmbH hat sich der Ressource Öl und dem Recycling von Kunststoffen gewidmet. Es entwickelte nach Angaben des Deutschen Zukunftspreises ein optisches System, mit dem sich PET (Polyethylenterephtalat) aus gebrauchten Plastikflaschen sauber von Fremdmaterialien und Verunreinigungen trennen lässt. Möglich ist das durch gezielt eingesetztes Laserlicht. Anschließend kann der Kunststoff für neue Produkte wiederverwendet werden.
Schnell und effizient wirkungsvolle Katalysatoren aufspüren lassen, das ist Ferdi Schüth vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim sowie Dirk Demuth und Wolfram Stichert von der Heidelberger hte Aktiengesellschaft gelungen. Wichtig ist das, weil Katalysatoren chemische Reaktionen beschleunigen, von denen viele erst durch sie in Schwung kommen – beispielsweise in der Umwelt- und Energietechnik. Die innovative Technologie, die zahlreiche Testreaktoren parallel einsetzt, hilft etwa Automobilingenieuren, strengere Abgasnormen zu erfüllen, und unterstützt den Ersatz von Erdöl durch synthetische Biokraftstoffe oder Kunststoffe aus Pflanzenmaterial. Zudem ist das neue Verfahren laut Deutschem Zukunftspreis um das zehn bis 100fache schneller und deutlich kostengünstiger als bisherige Methoden.
Quelle: dpa
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