18.03.2010, 14:13 Uhr | cs mit dpa-AFX
In Deutschland werden in Zukunft die Wohnungen knapp, warnen Mieterbund, Bauwirtschaft und Gewerkschaften. Schuld sei der Staat, der zu wenig fördere. Deshalb würden viel zu wenig Häuser gebaut, was bereits in wenigen Jahren zu einer gefährlichen Wohnungsnot führe. Vor allem für Ein-Personen-Haushalte dürften die Mieten in Metropolen wie München, Hamburg oder Berlin drastisch steigen. Denn hier droht die größte Wohnungsnot. Dagegen stehen in strukturschwachen immer mehr Immobilien leer. Nichts desto trotz müsse die Politik augenblicklich handeln und den Bau neuer Immobilien stärker fördern, um eine soziale Katastrophe vor allem für Rentner und jungen Menschen zu verhindern, fordern die Bauverbände. Passiere nichts, drohe in vielen Teilen Deutschlands Verelendung. Wir zeigen, wo in Deutschland die größte Wohnungsnot droht, und wo immer mehr Immobilien leer stehen.
Die Verbände untermauern ihre Vorwürfe mit einer Studie, der zufolge drei Viertel aller deutschen Regionen von dieser Lücke bedroht sind. Ohne aktives Eingreifen der Politik mit Steueranreizen und Investitionsförderung über die KfW-Bank werde sich bis 2025 eine Wohnungsbaulücke von 360.000 Wohnungen pro Jahr aufbauen, erklärten die Verbände auf dem Wohnungsbau-Forum in Berlin. Davon gingen 160.000 auf nicht sanierungsfähige Wohnungen zurück.
Obwohl die Bevölkerung in den kommenden Jahren weiter zurückgeht, steigt die Zahl der Haushalte. Und das belastet vor allem in gefragten Ballungsräumen wie München oder Hamburg den Wohnungsmarkt. Denn die steigende Zahl der Haushalte lässt auch die Nachfrage nach Immobilien steigen. Und das wird in den betroffenen Gebieten zu einem Problem - vor allem für sozial Schwache.
"Das Aufeinandertreffen von fehlenden Wohnungen, steigenden Mieten und geringen Einkommen bedroht die wirtschaftliche Existenz der kommenden Rentnergeneration und die der jungen Erwachsenen besonders dramatisch", erklärten die Verbände auf Basis der vorgelegten Studie der Prognos. Diese Gruppen seien die Verlierer bei wachsendem Trend zu Einpersonen-Haushalten. Ein solche Entwicklung hätte soziale Spannungen zur Folge und beträfe nicht nur Metropolen wie München, warnten Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten und IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel. Folge seien eine weitere Ghettoisierung der Unterschicht und steigende Kriminalität.
"Wenn nichts getan wird, werden wir in 20 Jahren die Katastrophe haben, nämlich dass wir viel zu wenig Wohnungen haben, dass wir dann eine Verelendung kriegen", sagte Wiesehügel. "Fehlende und unbezahlbare Wohnungen führen zu Abschiebungen alter Menschen in Pflegeheime, die drei Mal so teuer sind wie das, was wir jetzt an Wohnungsförderung diskutieren."
Zu den von der Wohnungslücke am stärksten betroffenen Regionen gehören laut Prognos vor allem Niedersachsen, Hessen und Berlin. Ähnlich ist die Lage am Niederrhein, in Teilen des Ruhrgebiets, im nördlichen Teil Baden-Württembergs, im Nordschwarzwald, in Ostwürttemberg sowie in den bayerischen Regionen Donau-Iller, Regensburg und Donau-Wald. In München sollen im Jahr 2025 mehr als 13 Wohnungen je 100 Haushalte fehlen. Dagegen gibt es im Osten einen deutlichen Überschuss an Immobilien.
Im Gegensatz zu den Warnungen der Verbände stehen harte Zahlen. So wurden erstmals seit Wegfall der Eigenheimzulage wieder mehr Wohnungen gebaut. Dem Statistischem Bundesamt zufolge stieg die Zahl der Baugenehmigungen 2009, was den Neubau-Einbruch zunächst leicht abbremsen dürfte. Die Behörden genehmigten den Neu- und Umbau von knapp 178.000 Wohnungen. Das sind 1,9 Prozent oder gut 3300 Wohnungen mehr als 2008. Allerdings war in den Vorjahren der jährliche Wohnungsbau dramatisch abgesackt: von 248.400 fertiggestellten Wohnungen 2006 auf 176.000 im Jahr 2008. Allein 2007 gab es einen Rückgang von 26 Prozent. Im Spitzenjahr 1995 waren noch 603.000 Wohnungen fertig gestellt worden.
Die Bauverbände und der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) kritisierten, dass die Bundesregierung trotz aller Warnungen nicht handele. Der finanzielle Einsatz werde bei gesicherter Beschäftigung wieder hereingeholt über die Steuereinnahmen und die Sozialbeitragskassen, sagte BFW-Präsident Walter Rasch. Wiesehügel ergänzte: "Jedes zusätzliche Einfamilienhaus sichert die Beschäftigung für vier Arbeitnehmer über ein Jahr. Zehn Geschosswohnungen sichern 23 Arbeitsplätze."
Auch die übrigen Verbände - so der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerksbau - fordern die Verdoppelung der degressiven Steuer-Abschreibung auf 4 Prozent jährlich in den ersten acht Jahren. Die Fördermittel für Gebäudesanierungen müssten verstetigt werden. Siebenkotten forderte, die vom Bund mit der Föderalismusreform bis Ende 2012 für diesen Zweck geleisteten, aber leider befristeten Zahlungen an die Länder von 518 Millionen Euro sollten dauerhaft gewährt werden.
cs mit dpa-AFX
Heijos schrieb:
am 18. März 2010 um 19:42:18
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Wohnungen fehlen
Da wird mal wieder zum Sturm auf die kleinen Vermieter geblasen. Was ist aus Deutschland geworden, das meine Generation nach
dem Ende des "tausendjährigen Reiches" auf demokratische Beine gestellt hat. Da sind wohl mal wieder einigen Herren ihre Boni zu klein!
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johann schrieb:
am 18. März 2010 um 19:21:40
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Preise drücken
Wenn dann mehr Wohnraum als Bedarf zur Verfügung steht, drückt das auf die Preise für Imobilien. Auf das wollen diese "Experten" wohl spekulieren.
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Bert schrieb:
am 18. März 2010 um 19:15:49
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Gigantische Wohnungslücke
Soviel zur Eigenheimzulage
Eigenheimzulage: Schröder will Streichung
zuletzt aktualisiert: 25.03.2004 - 16:09
Berlin (rpo). Zum Thema Eigenheimzulage hat Bundeskanzler Gerhard Schröder einen erneuten Streichungs-Vorstoß unternommen. Ihm wäre es lieber, die Milliarden andersweitig zu nutzen.
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