10.08.2010, 14:27 Uhr | dpa, mash
Kraftwerke produzieren Müll - und der muss sicher entsorgt werden. Ob Atommüll oder abgetrenntes Kohlendioxid: bei der Endlagerung stellen sich die Bürger quer. Eine sichere Lösung kann niemand garantieren - die Erblast wird die grüne Energie-Wende überdauern.
Für den Energiekonzern Vattenfall fließt durch den kleinen silberfarbenen Schlauch die Verheißung: Am Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe in der Brandenburger Lausitz erprobt der Energiekonzern derzeit die Abscheidung des Klimakillers Kohlendioxid (CO2) bei der Kohleverbrennung. Bewährt sich die Technik, könnte verflüssigtes CO2 bald per Pipeline ins 80 Kilometer entfernte Beeskow gepumpt und tief in der Erde verpresst werden.
Beeskow ist die Heimat von Restaurant-Betreiber Udo Schulze - und für ihn ist der silberfarbene Schlauch mitsamt Inhalt Teufelszeug. Deshalb hat er Vattenfall den Kampf angesagt und gemeinsam mit anderen Bürgern der Regionen um Beeskow und Neutrebbin die Bürgerinitiative "Kein Fussbreit auf unser Land" gegründet.
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Auf dem Weg nach Beeskow hängen Gasmasken über Gartenzäunen, Plakate mit Aufschriften wie "Wir sind keine Versuchskaninchen" oder "Seismologische Untersuchungen untersagt" sind zu sehen. Am Rathaus hängt ein Banner, das "Nein zum CO2-Endlager" verkündet. "Wir wollen hier keine zweite Asse werden", sagt Bürgermeister Frank Steffen (SPD). Die Stadt hat Einspruch gegen die Erkundungserlaubnis für Vattenfall durch das Land eingelegt.
Befürchtet wird, dass ein CO2-Leck zum Ersticken führen könnte, da Kohlendioxid schwerer als Luft ist. Die Umweltschützer vom WWF warnen vor Panikmache - schließlich liegen auch Teile Berlins auf einem Gas-Speicher, ohne dass es die Bürger groß störe. "Wissenschaftler haben auch Asse für mindestens 1000 Jahre als sicher erklärt", meint Schulze, wobei man Atommüll sicher nicht mit CO2 gleichsetzen kann. "Wer will denn ein Leck verschließen, das sieht man doch im Golf von Mexiko, dass das kaum möglich ist", so Schulze. "Man kann den Versprechungen keinen Glauben schenken."
Allerdings gibt es bisher auch keine Beweise, dass das Ganze nicht auch funktionieren kann. Am Marktplatz sitzt Elvira Minack im CCS-Informationszentrum (CCS: Carbon Dioxide Capture and Storage), das über das als Klimahoffnung gefeierte Verfahren aufklären soll. "Es gibt hier die Gefahr, dass deutsche Ingenieurskunst zerredet wird", sagt die 56-Jährige, betont aber: "Das BP-Ölleck im Golf von Mexiko hat uns zurückgeworfen." Der Widerstand sei aber längst nicht so groß, wie es den Anschein habe, so die frühere Journalistin. Minack hofft, dass es gelingt, die Bürger von den Chancen zu überzeugen. "Es muss jetzt einfach mal losgehen mit den Erkundungen."
Ob CO2 oder die ungelöste Endlagerfrage für Atommüll - bestimmte Energieformen erzeugen Stoffe, die für tausende Jahre sicher eingepfercht werden müssen - in der Diskussion sind meist unterirdische Lösungen. Aber Fälle wie das einsturzgefährdete Lager Asse, wo in 126.000 Fässern schwach- und mittelradioaktiver Atommüll lagert, kosten viel Geld und Vertrauen.
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat sich nun beider Bereiche angenommen - die unterirdische Verpressung von CO2 soll per Gesetz erlaubt werden und in Gorleben wird geprüft, ob der Salzstock zum Endlager für hoch radioaktiven Atommüll taugt. Bei dem in Kürze vorliegenden Energiekonzept der Regierung geht es auch um eine Lösung für die offenen Endlagerfragen.
Während in Brandenburg der Widerstand wächst, rät Sachsens CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich zu mehr Pragmatismus und bietet sein Land als Ort für CO2-Speicher an. Alle Welt arbeite daran, CO2 unterirdisch oder mit Hilfe von Bakterien oder Algen zu entsorgen, "allein wir trauen uns das nicht." Im Gesetzentwurf der Regierung ist vorgesehen, Kommunen, die sich für die unterirdische Verpressung entscheiden, eine finanzielle Entschädigung zuzugestehen.
Während die Frage möglicher CO2-Endlager noch am Anfang ist und bei anhaltendem Widerstand - in Schleswig-Holstein scheiterte bereits eine Speichersuche - das für viele hoffnungsvolle CCS-Verfahren auf der Kippe steht, herrscht in der Atommüllfrage weiter Stillstand.
Bisher gibt es nur eine Lösung für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll. Schacht Konrad - ein ehemaliges Eisenerzbergwerk - war 2007 dafür als Endlager genehmigt worden. Bis spätestens 2015 soll es in Betrieb gehen und bis zu 270.000 Kubikmeter Abfälle aufnehmen. Bleibt die Frage, wohin mit hoch radioaktivem Müll? Bei 13 Atomkraftwerken mit unterschiedlichen Restlaufzeiten gibt es Zwischenlager für Brennstäbe und hoch radioaktiven Müll, in Ahaus und Gorleben existieren zudem zentrale Zwischenlager.
Für Umweltminister Röttgen ist Gorleben zunächst erste Option. Ob der Salzstock als Endlager für tausende Jahre lang strahlenden Atommüll taugt, soll in spätestens 20 Jahren feststehen. Röttgen kritisiert, SPD und Grüne hätten sich in ihrer Regierungszeit einer Endlagersuche verweigert. Für Kritik sorgt, dass der frühere Chef der Atomsparte von Vattenfall, Bruno Thomauske, als Gutachter für einen Sicherheitsbericht zu Gorleben berufen wurde. "Das ist ein klarer Interessenkonflikt", sagt der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Rainer Baake. 1,5 Milliarden Euro hat die Atomindustrie bisher in die Gorleben-Erkundung investiert, ist der Salzstock untauglich sind weitere Milliarden für eine neue Suche fällig.
Quelle: t-online.de , dpa
Leser schrieb:
am 8. September 2010 um 15:06:06
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A.-Müll
es ist einfach atomreaktoren zu bauen, aber der Müll ist Nebensache. Das können sicher die anderen besorgen. Hauptsache jetzt wird
Geld gescheffelt.Das die Bundeskanzlerin im Interesse der Energiebosse handelt ist auch klar.Wer mit der Energiewirtschaft zusammen arbeitet, hat natürlich auch Vorteile zu erwarten.(Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing)
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Atommeiler schrieb:
am 7. September 2010 um 07:51:56
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Müll
Warum den Müll endlagern ? weiterverwenden für friedliche Zwecke. Wir fliegen zum Mond, wir tauchen in die Tiefen der Ozeane, warum
können wir den Abfall aus den Kraftwerken nicht sinnvoll weiterverwenden ?? Wir sammeln Flachen, Dosen und Papier, was ist mit den Brennstäben ? Hier ist die Wissenschaft gefragt. Nicht immer nur meckern !!!!!!
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Staatsbürger schrieb:
am 7. September 2010 um 07:02:01
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Techniker "Panikmache"
1. Den Abraum-Deponien des Uranabbaus entweicht radioaktives Radongas, das physikalisch erst durch die Uranentfernung
entstehen kann.
2. Plutonium ist der giftigste Stoff überhaupt, entsteht erst im AKW und geht international ans Militär.
Also Techniker: Setzen, sechs!
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