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Lettland droht Währungsabwertung
18.02.2010, 12:36 Uhr | Financial Times Deutschland
Lettische Währung Lat (Foto: dpa)Der EU-Beitritt 2004 bescherte den baltischen Staaten ein kleines Wirtschaftswunder. Doch damit ist es vorbei: Das Wachstum bricht ein. Spekulanten wetten jetzt auf eine Abwertung der lettischen Währung. Für skandinavische Banken ist das keine schöne Perspektive.
Hohe Wahrscheinlichkeit für Abwertung
Die Spekulationen nehmen zu, dass Lettland bald seine Währung abwerten wird. Die Analysten des Finanzkonzerns ING beziffern die Wahrscheinlichkeit in einem aktuellen Bericht für die kommenden drei Monate auf 30 Prozent, für die kommenden zwölf Monate auf bis zu 50 Prozent. Ähnlich sieht das Timothy Ash, Leiter Schwellenländer-Research bei der Royal Bank of Scotland: "Der Rubikon ist überschritten. Im Land scheint sich die Überzeugung breit zu machen, dass die aktuelle Währungsstrategie nicht funktioniert und ein Plan B erforderlich ist", urteilte er.
Industrieproduktion dramatisch eingebrochen
Das Baltikum wurde von der weltweiten Rezession besonders hart getroffen. Die Regierung Lettlands geht davon aus, dass die heimische Wirtschaft dieses Jahr um 18 Prozent schrumpft. Aktuelle Konjunkturdaten sind alarmierend. So brach die Industrieproduktion im April um 16,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Premierminister Valdis Dombrovskis kürzte die Löhne der Staatsbeamten und die öffentlichen Ausgaben, um den Haushalt in Ordnung zu bringen. Die EU-Kommission und der Internationale Währungsfonds (IWF) schnürten ein Hilfspaket im Umfang von 7,5 Milliarden Euro.
Lettischer Lat an Euro gebunden
Doch mehr und mehr zeichnet sich ab, dass die Währung abgewertet werden muss. Der Lat ist gebunden an den Euro und darf sich zur Gemeinschaftswährung ein Prozent verteuern oder verbilligen. Derzeit kostet der Euro 0,7094 Lat. Die Zentralbank verteidigt diesen sogenannten Peg und stützte den Kurs der eigenen Währung durch Interventionen auf dem Devisenmarkt. Doch die Währungsreserven schwinden. "Die aktuelle Situation ist nicht nachhaltig. Der Notenbank rinnen die Reserven regelrecht durch die Finger", sagte Ash.
Streit in der Regierung
In der Politik nimmt der Widerstand gegen eine Abwertung ab. Während Premierminister Dombrovskis an dem Wechselkursband festhält, sind seine Berater teilweise anderer Ansicht. Der frühere schwedische Zentralbankgouverneur Bengt Dennis steht der Regierung in Riga zur Seite und spricht sich für eine Aufgabe des Pegs aus: "Niemand weiß, ob die Abwertung morgen oder in ein paar Monaten vollzogen wird. Aber wir haben uns inzwischen von der Frage wegbewegt, ob es eine Abwertung geben wird. Die Frage lautet stattdessen, wie sie durchgeführt werden wird", sagte Dennis.
Gefahr für skandinavische Banken
Für ausländische Banken wäre eine Abwertung mit unangenehmen Konsequenzen verbunden. Besonders skandinavische Geldhäuser wären betroffen. Nach Ansicht der schwedischen Notenbank sind die großen Institute des Landes zwar ausreichend kapitalisiert, um selbst höhere Verluste als die für 2009 und 2010 erwarteten 170 Milliarden Schwedische Kronen (16 Milliarden Euro) zu verkraften. Die Riksbank warnt aber, die Entwicklung in den baltischen Staaten, in denen die Institute Marktführer sind, sei ein großes Risiko.
Schwedische Krone unter Druck
Nach Einschätzung der Notenbank werden 40 Prozent der erwarteten Fehlbeträge aus dem Geschäft im Baltikum sowie dem Rest Osteuropas kommen. Die Sorgen um das Engagement in den baltischen Ländern lasten auf den Aktien großer schwedischer Geldhäuser wie SEB, Swedbank und Nordea - und der Landeswährung. Die Schwedische Krone fiel in den vergangenen Tagen deutlich.
Fremdwährungskredite kaum rückzahlbar
Nach Angaben der schwedischen Notenbank sind in Lettland 90 Prozent aller Kredite in Fremdwährungen, meist in Euro, aufgenommen worden. Nach einer massiven Abwertung würde es für die Schuldner enorm schwer, diese Kredite zu bedienen. Ende des ersten Quartals hatten die großen schwedischen Banken im Baltikum Kredite im Volumen von 483 Milliarden Schwedische Kronen ausstehen, davon 145 Mrd. Schwedische Kronen allein in Lettland. Die Swedbank, die am stärksten im Baltikum engagiert ist, hat nach eigenen Angaben genug Kapital, um eine Abwertung des Lat zu verkraften.
Quelle: Financial Times Deutschland
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