Tanks mit Erdöl (Foto: dpa)Die Verbraucher müssen sich nach Ansicht von Experten auf anhaltend hohe Ölpreise (siehe WTI) einstellen: Wegen der Flutung der Märkte mit Geld durch die US-Notenbank dürfte der Dollar unter Druck geraten - dies macht Erdöl attraktiv. Der französische Vermögensverwalter Carmignac erwartet eine Flucht der Anleger in Rohstoffe, um dem Wertverlust zu entgehen. Die Analysten der Commerzbank sehen aus gleichem Grund für das kommende Jahr eine Spanne beim Ölpreis von 80 bis zu 90 Dollar und einen durchschnittlichen Ölpreis von 83 Dollar je Barrel. Zuletzt kostete ein Fass Öl gut 82 Dollar.
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Milliarden der Fed fließen ins Erdöl
Vor einigen Tagen hatte Preis für die weltweit führende Marke West Texas Intermediate (WTI) ein Zweijahres-Hoch bei 88,60 Dollar je Fass erreicht. Der Grund ist die Geldpolitik: Die Federal Reserve will im Zuge ihres neuerlichen Quantitative Easing bis Mitte 2011US-Staatsanleihen im Volumen von bis zu 900 Milliarden Dollar aufkaufen. Das zusätzliche Geld aus Washington dürfte auch weiter in die Commodities fließen, urteilte die Commerzbank. So hätten die Ölpreise seit der ersten Ankündigung der neuerlichen quantitativen Lockerung Ende August bis Mitte November um mehr als 20 Prozent zugelegt.
Finanzinvestoren decken sich ein
Ein Großteil des Preisanstiegs dürfte laut der Bank auf ein gestiegenes Interesse der Anleger zurückzuführen sein. Laut der US-Aufsichtsbehörde CFTC waren demnach Ende September 52,4 Milliarden Dollar in Long-Indexinvestments bei WTI-Rohöl investiert. Dies entspricht einem Anstieg der Kaufpositionen um sechs Milliarden Dollar im Vergleich zum Vormonat. Die Netto-Long-Positionen der spekulativen Finanzanleger hätten sich in den vergangenen sieben Wochen nahezu verdoppelt und in der Woche zum 9. November ein Rekordniveau von 189.000 Kontrakten erreicht.
Öl bietet Schutz gegen die Inflation
Das Investment in Rohstoffe biete einen Schutz gegen die Erosion der US-Währung, kommentierte auch Eric Le Coz, Mitglied im Investmentkomitee von Carmignac Gestion. Der Sektor biete zugleich eine Beteiligung am Wachstum der Schwellenmärkte - und letztendlich auch einen Schutz gegen die von der Fed verursachten inflationären Risiken.
Produzenten verlangen Ausgleich für Wertverlust
Da die meisten Rohstoffe in USD gehandelt werden, sinke bei einem niedrigeren Dollar der relative Rohstoffpreis für die Anleger aus dem Nicht-Dollar-Raum – und dies mache Investments in Rohstoffen attraktiver, erläuterte die Commerzbank weiter. Die Rohstoffproduzenten verlangten zudem einen Ausgleich für den durch die Dollar-Abwertung verursachten Kaufkraftverlust, dies betreffe insbesondere die Produzenten im arabischen Raum.
Fallen dürfte der Ölpreis (siehe WTI) allenfalls, wenn sich die Nachfrage aus China abschwäche – danach sieht es laut Commerzbank aber zurzeit nicht aus. Die Ölnachfrage aus dem Reich der Mitte sei im Oktober sogar auf einen Rekordwert von 8,9 Millionen Barrel pro Tag geklettert. Die beiden führenden chinesischen Raffineriebetreiber Sinopec und PetroChina hätten zudem von einem Verarbeitungsvolumen im November auf Rekordhöhe berichtet. Denn zahlreiche kleinere Unternehmen seien aufgrund der staatlich verordneten Energiesparmaßnahmen derzeit von der Stromversorgung abgeschnitten – und deswegen hätten sie Dieselgeneratoren angeworfen, was das Angebot weiter verknappt habe.
Angst vor der Zinserhöhung
In den vergangenen Tagen hatten jedoch Ängste vor einer Zinserhöhung in China zwischenzeitlich den Ölpreis gesenkt: Höhere Zinsen würden den Boom abkühlen und die Nachfrage nach Öl in der Volksrepublik drücken.