Discounter - Die Marktanteile wachsen immer mehr, die Preise dagegen purzeln (Foto: ddp)Die Discounter haben im vergangenen Jahr ihren Marktanteil bei Lebensmitteln weiter gesteigert. Er liegt jetzt bei 44 Prozent, einen Prozentpunkt höher als 2007. Das berichtete der "Focus" unter Berufung auf die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Die Inflation, die im Sommer Höchstwerte von 3,3 Prozent erreichte, dürfte zu diesem Erfolg beigetragen haben. Aktuell befinden sich die Discounter wieder in einem Preiskrieg mit immer neuen Senkungsrunden. So reduzierten Aldi und Penny am Montag die Preise für zahlreiche Artikel im gesamten Sortiment.
Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr wurden bei Aldi und Penny am Montag die Preise für zahlreiche Produkte von der Butter bis zum Prosecco, von Feinwaschmitteln bis zur Fertigpizza heruntergesetzt. Die Preisrückgänge betrugen im Einzelfall bis zu 20 Prozent. Billiger wurden erneut auch Milchprodukte wie Butter oder Yoghurt. So sank der Preis für eine 250-Gramm-Packung deutscher Markenbutter von 73 auf 65 Cent. Die Preissenkungen dürften auf den gesamten deutschen Lebensmittelhandel ausstrahlen. Denn Aldi gilt in der Branche als Preisführer, an dem sich alle anderen Unternehmen orientieren müssen.
Milchwirtschaft sieht Preisverfall mit Sorge
Die Milchwirtschaft spricht von einem "dramatischen Preisverfall". Der starke Rückgang der Milchexporte aus der Europäischen Union in Drittländer habe die Lage für die Milcherzeuger noch schwieriger gemacht, sagte der stellvertretende Geschäftsführer der Landesvereinigung Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen, Gerd Krewer. Die Landwirte erhielten derzeit nur rund 27 Cent pro Kilogramm Milch. Im Sommer 2007 kostete ein 250-Gramm-Päckchen Butter 1,18 Euro, jetzt also nur noch gut die Hälfte. Krewer erwartet aber, dass der Butterverkauf durch die neuerlichen Preissenkungen steigt. "Die Verbraucher reagieren auf Preisänderungen sehr sensibel", sagte er.
Marktmechanismen funktionieren
Nach Einschätzung des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels zeigen die Preissenkungen, dass die Marktmechanismen im Lebensmittelhandel funktionieren. "Die gesunkenen Einkaufspreise werden an die Kunden weitergegeben", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Hubertus Pellengahr auf Anfrage. "Das ist ein gutes Signal." Die Verbraucher erhielten jetzt einen Ausgleich für die im vergangenen Jahr überdurchschnittlich gestiegenen Preise. Für das gesamte Jahr rechnet Pellengahr aber mit stabilen Lebensmittelpreisen.
Discounter weiter auf der Erfolgsspur
Die starken Preissteigerungen gerade bei Lebensmitteln im vergangenen Sommer hat dem Erfolgstrend der Discounter nicht geschadet. Zwar hatten auch sie die Preise teils deutlich erhöht. Die Verbraucher waren aber offensichtlich der Meinung, im Vergleich zu herkömmlichen Supermärkten dennoch günstiger einkaufen zu können. Innerhalb von sechs Jahren steigerten die Discounter ihren Marktanteil dem "Focus"-Bericht zufolge um gut sieben Prozentpunkte auf jetzt 44 Prozent.
Privater Konsum soll leicht wachsen
Der Umsatz des Lebensmittel-Einzelhandels mit Gütern des täglichen Bedarfs sei 2008 um gut fünf Prozent auf 151,6 Milliarden Euro gestiegen. Grund seien laut GfK allein die höheren Preise. Dabei wird der private Verbrauch nach Einschätzung der Konsumforscher auch in diesem Jahr ein wichtiger Stützpfeiler für die Konjunktur sein. "Der Konsum wird den Abschwung etwas abmildern können", sagte GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl. Er sei aber zu schwach, um Deutschland komplett aus der Krise zu bringen. Die GfK erwartet in diesem Jahr ein Wachstum des privaten Verbrauchs um 0,5 Prozent.
Zunehmender Einfluss durch steigende Arbeitslosigkeit
Ab dem Herbst werde der Konsum von der steigenden Arbeitslosigkeit negativ beeinflusst werden, sagte Bürkl. Dabei sieht die GfK eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft. Ein Fünftel aller Haushalte sei in hohem Maße krisengefährdet, bei einem Drittel sei die finanzielle Lage angespannt. Dagegen ist knapp die Hälfte aller deutschen Haushalte nach GfK-Einschätzung von der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht betroffen.