30.04.2008, 16:19 Uhr | T-Online / bab
Discounter drehen an der Preisschraube (Foto: Imago) Die Preise in Deutschland steigen mit einer nie da gewesenen Geschwindigkeit. Spürbar ist das zurzeit vor allem an der Zapfsäule, aber auch immer stärker bei den täglichen Einkäufen. Wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in ihrem monatlich erscheinenden "Consumer Index" berichtet, haben Discounter wie Aldi und Lidl ihre Preise bereits den dritten Monat in Folge drastisch erhöht. Das Plus im März gegenüber dem Februar beträgt 12,8 Prozent nach 11,2 und 11,5 Prozent im Januar und Februar.
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Verbraucherpreise - Inflation seit 2006
Drogeriemärkte stoppen die Preisrallye
Weniger drastisch, aber immer noch hoch, fiel der Anstieg bei den sogenannten Vollsortimentern aus, also Supermärkten mit mehr Verkaufsfläche und einem breiteren Warenangebot. Zwischen 5,5 und 6,4 Prozent betrug der Aufschlag pro Monat seit Jahresbeginn. Einzig bei Drogeriemärkten beobachtet die GfK seit Februar nur noch einen geringen Anstieg unterhalb von einem Prozent. Erhoben werden die Daten durch die Verbraucher, die im Rahmen eines Panels alle Waren nach dem Einkauf einscannen und dabei die Preise auf dem Einkaufszettel erfassen.
Gefühlte Inflation weiterhin hoch
Verbraucher spüren diese Preiserhöhungen bei den Gütern des täglichen Bedarfs besonders deutlich, weshalb die gefühlte Inflation deutlich höher liegt als die offizielle Teuerungsrate von 3,1 Prozent im März und 2,8 Prozent im Januar und Februar. Besonders verteuert haben sich im März laut dem GfK-Barometer besonders Eier, Speisequark, Mehl und Nudeln mit jeweils mehr als 20 Prozent plus gegenüber dem Vormonat. Der öffentlichkeitswirksam verkündeten Senkung der Milchpreise steht also eine ganze Reihe von Erhöhungen gegenüber.
Zurückhaltung bei Verbrauchern
Auf Verbraucherseite führen die steigenden Preise zu immer mehr Kaufzurückhaltung. Bereits in den vergangenen Monaten berichteten die Marktforscher von sinkenden Einkaufsmengen bei steigenden Preisen. Es wird weniger gekauft, dafür jedoch im Schnitt mehr gezahlt. Discounter und Vollsortimenter können so zwar ihren Umsatz steigern, setzen jedoch nicht mehr Ware ab. Kaum zu Buche schlägt die im März vom „Stern“ aufgedeckte Lidl-Affäre um die Überwachung von Mitarbeitern. Der Discounter verbuchte nur einen leichten Umsatzrückgang.
Explodierende Preise - Diskussion im Forum
Preise bleiben hoch
Mit sinkenden Lebenshaltungskosten können Verbraucher unterdessen vorerst nicht rechnen. Nach Einschätzung der EU-Kommission ist frühestens zum Jahresende mit einer Entspannung bei den hohen Lebenshaltungskosten zu rechnen. In ihrer Anfang der Woche veröffentlichten Frühjahrsprognose geht die Behörde für dieses Jahr von einer Inflationsrate von 2,9 Prozent in Deutschland und sogar von 3,2 Prozent in den 15 Ländern mit dem Euro aus.
EU spricht von Inflations-Schock
Wirtschaftskommissar Joaquín Almunia sprach bei der Vorstellung der Daten angesichts der drastisch gestiegenen Energie- und Lebensmittelkosten von einem wahren "Inflations-Schock", der vor allem einkommensschwache Gesellschaftsschichten treffe. "Die Inflation in Deutschland hat ein seit anderthalb Jahrzehnten nicht mehr gesehenes Niveau erreicht", schreiben die Experten der Kommission in dem halbjährlich veröffentlichten Bericht.
Entspannung erst 2009
Nach einem Höchststand im Sommer werde der Preisanstieg demnach in den letzten Monaten dieses Jahres in der Bundesrepublik wieder "gegen zwei Prozent" tendieren. Gegen Ende des Frühjahrs 2009 soll die Inflation dann erstmals wieder unter die Zwei-Prozent-Marke fallen. Im April sind die Preise in Deutschland nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamts voraussichtlich um 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Im März hatte die Inflationsrate noch 3,1 Prozent betragen.
Hoffnungsschimmer im April
Eine kleinen Hoffnungsschimmer für Verbraucher gibt es dennoch. Die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP), die Märkte für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft beobachtet und analysiert, meldet bereits für den April sinkende Preise. Die von der ZMP beobachteten Preise sind laut der Erhebung im zurückliegenden Monat im Schnitt um 0,6 Prozent gegenüber März gesunken. Günstiger geworden sind demnach Molkereiprodukte, Gemüse, Eier und Fleisch. Mehr hätten Verbraucher hingegen für Geflügel, Obst, Kartoffeln, Margarine und Speiseöle bezahlen müssen. Ein Vergleich mit den Daten der GfK ist erst im kommenden Monat möglich, wenn der neue "Consumer Index" erscheint.
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Quelle: t-online.de
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