Lidl gerät zunehmen unter Druck (Foto: dpa)Der Einzelhändler Lidl gerät laut dem "Manager Magazin" immer mehr unter Druck. Hohe Schulden und der anhaltende Preiskampf mit dem Hauptrivalen Aldi sowie der Edeka-Tochter Netto machen dem Discounter laut Bericht schwer zu schaffen. Zu Jahresbeginn hatte Edeka den Discounter Plus von Tengelmann übernommen und wandelt die Märkte seitdem in Netto-Läden um. Gemessen an der reinen Zahl der Verkaufsstellen rangiert Lidl seitdem nur noch auf dem dritten Rang in Deutschland.
Bereits kurz vor der Übernahme setzte auf deutschen Markt ein Preiskrieg ein, der bis heute anhält. Seit November 2008 sind die Preise bei Discountern laut neuesten Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Schnitt um acht Prozent gefallen. Ein Ende der Talfahrt ist angesichts der Finanzkrise nicht in Sicht. Bei Lidl und Aldi macht sich das inzwischen im Umsatz bemerkbar, wobei Aldi mit einem Minus von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr deutlich schlechter abschneidet als Lidl (-0,9 Prozent).
Expansion auf Pump
Sollten Preise und Umsätze weiter fallen, könnte das zu einem Problem für Lidl werden. Laut "Manager Magazin" ist Lidl zurzeit etwa mit 16 Milliarden Euro verschuldet und braucht deshalb einen stetigen Cashflow, um die Darlehen weiter bedienen zu können. Lidl wächst zwar schneller als die meisten Wettbewerber, allerdings sinkt laut Bericht der Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche. Schrumpfen die operativen Gewinne weiter, könnten Zinssteigerung die Schwaben ins Wanken bringen.
In der Zinsfalle
Wie das Magazin in seiner aktuellen Ausgabe weiter berichtet, taxieren frühere Top-Manager den Gewinn von Lidl für das laufende Jahr auf lediglich 1,2 Milliarden Euro. Bei einem geschätzten Umsatz von 45 Milliarden Euro und Zinsen von 600 Millionen Euro für die Kredite ergibt sich eine Vorsteuerrendite von 1,3 Prozent. Augenblicklich sind die Kredite noch günstig. Ziehen die Zinsen bei sinkenden Umsätzen weiter an, könnten die verbleibenden Gewinne schnell aufgefressen werden.
Die Konkurrenten sind besser gepolstert. Aldi Nord und Süd weisen Vorsteuerrenditen zwischen drei und sechs Prozent aus und auch die Edeka-Tochter Netto verdient mehr als Lidl. Und nicht nur hier müssen die Schwaben aufholen. Auch bei Innovationen hinkt Lidl inzwischen hinterher. Überraschte der Discounter früher noch mit der Einführung von Scannerkassen und EC-Kartenzahlung schaut er sich heute manche pfiffige Idee ab. Zum Beispiel die Platzierung von Aktionsware über den Kühlregalen, mit der ausgerechnet der neue Konkurrent Netto auftrumpfte.