
17.05.2011, 08:43 Uhr | Spiegel Online
Die Plagiatsjäger nehmen die Doktorarbeiten der Wirtschaftsbosse unter die Lupe (Foto: dpa)
Erst Politiker wie Karl-Theodor zu Guttenberg und Silvana Koch-Mehrin - bald auch Wirtschaftsbosse? Deutschlands Firmen bangen um die Doktortitel ihrer Führungskräfte. Schon suchen Plagiatsjäger nach Betrügern, oft kommen Hinweise von Neidern aus dem direkten Umfeld. Ein erster Name macht die Runde.
Die Liste umfasst 200 Namen, viele von ihnen klangvoll. Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank. Nikolaus von Bomhard, Vorstandsvorsitzender der Münchener Rück. Thomas Middelhoff, ehemaliger Vormann des Warenhauskonzerns Arcandor. Dirk Nonnenmacher, Ex-Chef der HSH Nordbank. Ihre und zahlreiche weitere Doktorarbeiten wollen die Plagiatsjäger von PlagPedi im Internet überprüfen. Unabhängig davon, ob es einen Anfangsverdacht gibt oder ob - wie in den oben genannten Fällen - kein Anfangsverdacht besteht.
Nach den Politikern stehen nun auch Manager unter Beobachtung der Internetgemeinde. Die Fälle von Karl-Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin und Edmund Stoibers Tochter Veronica Saß haben hellhörig gemacht. Die Frage ist nur: Was ist ein berechtigter Verdacht? Was ist pauschale Vorverurteilung?
"Die Plagiatsjäger erreicht zurzeit eine Flut von Hinweisen auf Doktorarbeiten von Managern", sagt die Berliner Professorin für Medieninformatik, Debora Weber-Wulff. Sie ist selbst eine der profiliertesten Plagiatsjägerinnen. Oft kämen die ersten Hinweise aus dem direkten Umfeld der Führungskräfte, erzählt sie. Neider wittern offenbar eine Chance.
Erst wenn auf mehr als zehn Prozent der Seiten Plagiate gefunden sind, informieren die Plagiatsjäger die zuständige Universität. In einem ersten Fall ist das passiert. Dem "manager magazin" ist der Name einer Top-Führungskraft aus der Energiebranche bekannt, deren Doktorarbeit derzeit von der Universität überprüft wird.
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Als "Spitze des Eisbergs" hatte zuletzt der Berliner Medienwissenschaftler Norbert Bolz die prominenten Schummelfälle in der Politik bezeichnet. Viele Menschen seien "getrieben von dem Wunsch, sich dieses Statussymbol eines Doktortitels an die Brust zu heften". Das gilt auch in der Wirtschaft. "Manager sind noch stärker in Versuchung zu schummeln als Politiker", sagt Weber-Wulff. "Gerade in der Wirtschaft wird sehr viel auf diesen Titel gegeben."
Manager ohne Doktortitel sind in den Chefetagen mancher deutscher Konzerne rar. Von neun Vorständen bei der Münchener Rück weist lediglich einer diesen akademischen Grad nicht vor, bei BASF tragen sechs von acht Vorständen den Titel, bei BMW haben die Doktoren mit vier zu drei knapp die Mehrheit im Vorstand. Von den 30 DAX-Chefs haben 18 promoviert, einige besitzen sogar einen Professorentitel.
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Das Signal an den Führungskräftenachwuchs ist klar: Wer den Doktortitel trägt, schafft es leichter bis ganz nach oben. In vielen Fällen ist er sogar Voraussetzung für den Aufstieg.
Tatsächlich messen Personalberater dem Namenszusatz eine hohe Bedeutung bei. "Angesichts einer wachsenden Akademikerquote ist der Doktortitel ein zunehmend gefragtes Mittel, sich positiv abzugrenzen", sagt Kienbaum-Geschäftsführer Soerge Drosten. "Wer promovieren will, muss zu den zehn bis 15 Prozent der besten Absolventen gehören. Das allein zeigt die Aussagekraft des Doktortitels für Arbeitgeber."
In der Forschung ist der Doktor sogar oft Pflicht. BASF erwartet von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren eine erfolgreich abgeschlossene Promotion. Der Doktortitel sei der Nachweis darüber, dass eine umfassende wissenschaftliche Fragestellung gelöst worden sei, sagt Linda von dem Bussche, Leiterin Talent Management.
Entscheidend ist laut Berater Drosten auch die lange Leidenszeit, die Träger des Doktortitels durchgestanden haben - das gilt für Forscher wie für Manager. "Viele Personaler sagen dann - dieser Kandidat hat sich durchgebissen, arbeitet akribisch, steht Krisenzeiten durch und wirft nicht gleich hin."
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Für Kandidaten, die sich ihren Titel mit zweifelhaften Methoden erworben haben, dürfte das genaue Gegenteil gelten. Deshalb achten Firmen verstärkt darauf, dass sich bei ihnen kein Scharlatan einschleicht. "Es gibt Leute, die jetzt zittern", sagt Drosten. "Die Unternehmen fordern, dass wir genauer hinschauen." Noch sei es aber nicht üblich, die Doktorarbeiten selbst zu überprüfen. "Man schaut auf die Universität, auf den Namen des Doktorvaters."
Auf diese Weise will auch die Personalberatung Russell Reynolds Schaden von ihren Kunden abwenden. "Die Überprüfung von akademischen Abschlüssen ist verstärkt Teil unserer Arbeit geworden", sagt der für die Suche nach Top-Managern zuständige Berater Thomas Tomkos.
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Muss eine Führungskraft ihren Titel abgeben, sei dies ein gravierender Vorgang. "Glaubwürdigkeit, Authentizität und Vertrauenswürdigkeit gehören zu den wichtigsten Eigenschaften von Führungskräften", sagt Tomkos. Wenn ein Titel aberkannt werde, ließe das keinen Arbeitgeber kalt. "In einem solchen Fall sind drastische Reaktionen eines Unternehmens denkbar."
Diese haben in der Vergangenheit schon manche Manager zu spüren bekommen. Schlagzeilen machte der Fall des Chefs der Telekom-Tochter T-Venture, der 2005 seinen Posten räumen musste.
Andere kamen mit einem Rufschaden davon. Der inzwischen verstorbene ehemalige Finanzvorstand des Armaturenherstellers Grohe, Thorsten Knopp, hatte zum Beispiel Probleme wegen eines gekauften Titels. Und auch der Weltchef der Werbeagentur BBDO, Udo Klein-Bölting, musste einen Titel abgeben, den er an einer dubiosen Schweizer Universität erworben hatte. Die Sache beschrieb er später als "schmerzhafte Erfahrung".
Richtlinien oder ein eindeutiges Prozedere, das den Umgang mit betroffenen Mitarbeitern regelt, gibt es allerdings bei keinem der Konzerne, die das manager magazin befragt hat. "Es kommt auf den Einzelfall an", sagt BASF-Personalexpertin von dem Bussche. Wichtig bei der Beurteilung eines Falls sei die Frage, wie sehr ein Mitarbeiter einen akademischen Grad benötige, um seine berufliche Tätigkeit auszuüben.
Ähnlich äußert sich die Deutsche Telekom. "Wenn jemand Urkunden gefälscht hat, ist das natürlich eine eindeutige Sache", heißt es bei dem ehemaligen Staatsunternehmen. Wie mit einem Mitarbeiter umgegangen werde, der beim Lebenslauf ein bisschen geschönt habe, der im Job aber seine fachliche Qualifikation bestätigt habe, müsse im Einzelfall entschieden werden. Titel seien aber ohnehin nicht entscheidend. "Der Trend geht zur Persönlichkeit", sagt ein Sprecher des Bonner Konzerns. "Die Gespräche mit Bewerbern sind bei uns wichtiger als das, was sie vorher schriftlich eingereicht haben."
Telekom-Chef René Obermann selbst ist das beste Beispiel, wie eine Karriere ohne Hochschulabschluss und Doktorwürde gelingen kann. Er absolvierte von 1984 bis 1986 eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei BMW. Dann schrieb er sich an der Universität Münster für ein Studium der Volkswirtschaftslehre ein.
Noch vor dem Vordiplom warf er allerdings hin. Stattdessen widmete er sich ganz seinem 1986 gegründeten Handelsunternehmen ABC Telekom, das mit Telefonen, Anrufbeantwortern und Kopierern handelte. Denn ABC Telekom verbuchte schon im ersten Geschäftsjahr einen Millionenumsatz (in Mark).
Aus Sicht von Plagiatsjägerin Weber-Wulff wird die Promotion in Deutschland ohnehin zu hoch gehängt. "Der Doktortitel hat in Politik und Wirtschaft nichts zu suchen", sagt die Amerikanerin. In den USA gilt der vergleichbare "PhD" eher als Eintrittskarte in die Forschungswelt denn in die Führungsetagen von Unternehmen.
Dass echte Qualifikation wichtiger ist als ein Titel, zeigt der Fall Michael Träm. Der vormalige Europa-Chef der Unternehmensberatung A.T. Kearney musste seinen Posten wegen eines zu Unrecht getragenen Doktortitels räumen. Inzwischen ist er bei der Konkurrenz von Arthur D. Little untergekommen - als Weltchef. Dabei hat er es sich nicht nehmen lassen, seinen Doktortitel doch noch zu erwerben. Und zwar auf anerkannte Weise.
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Quelle: Spiegel Online
Ludwig der Bayer schrieb:
am 16. Mai 2011 um 19:41:20
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Debora Weber-Wulff eine der profiliertesten Plagiatsjägerinnen
na ja, Frauen, die nicht zum Namen des Ehegatten stehen, müssen sich wohl
solcher Jagd bedienen um ihren Ego weiter zu bestätigen. Wohl aber auch aus Neid selbst nichts geschafft zu haben (siehe A. Schwarz). Wundere mich aber mehr über die "Männer" die sich mit solchen Frauen verehelichen.
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Franz schrieb:
am 16. Mai 2011 um 19:40:02
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Doktortitel in der Wirtschaft
Habt ihr denn keine anderen Probleme? Solange es den Steuerzahler kein Geld kostet, oder!
KT. hatte wenigstens keine Milliarden in den Sand gesetzt!
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Matto schrieb:
am 16. Mai 2011 um 19:37:41
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Dr.-Titel
Wer viel Geld hat bekommt alles!!!!!!!!!
Es gibt mit Sicherheit noch genügend Blender, die sich
mit Hilfe eines Dr.-Titels einen
guten Job ergattert haben.
Gut angezogen, gut sprechen und englisch können reicht
schon, um auf Personalchefs Eindruck zu machen.
Detailwissen muss nicht immer sein.
Vielleicht kennt jemand das Peter-Prinzip??????????
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