18.02.2010, 13:42 Uhr | Financial Times Deutschland
Russland schickt den Dollar auf eine Berg- und Talfahrt. (Quelle: imago)Nur wenige Tage, nachdem Russlands Präsident Dmitri Medwedew den Dollar als globale Reservewährung in Frage gestellt und Vertreter der Notenbank eine Umschichtung der Reserven angekündigt hatten, sprach Finanzminister Alexei Kudrin dem Greenback sein Vertrauen aus. Der US-Dollar sei in gutem Zustand, sagte Kudrin: "Es ist zu früh, über mögliche Alternativen zum Dollar zu sprechen."
Daraufhin legte der Dollar gegenüber dem Euro zu, die Gemeinschaftsnotierung rutschte unter die Marke von 1,39 Dollar. Die Rhetorik stütze den Dollar, urteilten die Währungsexperten von Barclays Capital. Sie sprachen sogar von "verbaler Intervention" der Russen, um dem Greenback zu helfen. Seit Wochen tobt eine Diskussion um den Dollar. Angeführt wird die Debatte von China und Russland, die über große Dollar-Bestände verfügen - und angesichts des Kursverfalls des Greenbacks Werteinbußen fürchten. Neben dem rein finanziellen Aspekt geht es aber auch um politischen Einfluss: Schwellenländer fordern international mehr Mitsprache.
Treffen der Bric-Staaten
Beispielsweise streben sie nach mehr Einfluss beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Der IWF wird Anleihen begeben, die voraussichtlich in Sonderziehungsrechten denominiert sein werden. China, Russland und Brasilien kündigten bereits an, die Bonds zeichnen zu wollen. Da sie dazu voraussichtlich Dollarbestände verkaufen werden, wird das aus Sicht von Experten für die Weltleitwährung negativ sein. Diese Woche kommen die Bric-Staaten - Brasilien, Russland, Indien und China - im russischen Jekaterinenburg zusammen.
Dollar-Index gefallen
Seit Anfang Mai fiel der Dollar-Index um knapp elf Prozent. Der Dollar-Index gibt den Kursverlauf gegenüber den Währungen der sechs wichtigsten Handelspartnern der USA wieder. Marktteilnehmer sind dollar-skeptisch, weil sie derzeit wieder riskantere Anlagen bevorzugen. Des Weiteren sorgen sie sich um die steigende Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten. Im Kampf gegen die Konjunkturkrise hat die US-Regierung für 2009 ein Haushaltsdefizit von rund 1850 Milliarden Dollar (1300 Milliarden Euro) eingeplant. Insgesamt wird sie 2500 Milliarden Dollar am Kapitalmarkt aufnehmen.
Analysten reagieren mit Kopfschütteln
Kudrins Aussagen wurden von Analysten mit Kopfschütteln aufgenommen. "An einem Tag ist eine neue Weltreservewährung das wichtigste Thema für Russlands Präsidenten Dmitri Medwedew. Am nächsten Tag erklärt sein Finanzminister Alexei Kudrin, alles sei nicht so gemeint, und der Dollar bliebe wichtigste Reservewährung", schrieben die Devisenstrategen der Commerzbank in einem Researchbericht.
Launische Aussagen gehören zum Programm
Aus ihrer Sicht gehörten die launischen Aussagen zum Programm und seien bereits von China bekannt. "Erst den Dollar mit wilden Spekulationen über eine mysteriöse, neu zu schaffende Weltreservewährung schwach reden und am nächsten Tag das ganze wieder zurücknehmen oder zumindest relativieren. Momentan ist es in der Tat zu einfach, mit solchen Äußerungen den Markt in die eine oder andere Richtung zu treiben, insbesondere, wenn man ein großes Portfolio an aktiv gemanagten Devisenreserven zur Verfügung hat", schrieben die Commerzbank-Experten.