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Sag' dem Dollar leise Servus
18.02.2010, 13:42 Uhr | sky
Experten glauben nicht mehr an den Dollar (Foto: imago)Die Nachrufe auf den US-Dollar häufen sich: Immer mehr Experten gehen davon aus, dass der Greenback eher früher als später seine Rolle als Weltreservewährung verlieren wird. Der Grund: Die Angst vor der Dollar-Inflation geht um und die größten Schwellenländer auf dem Globus wenden sich von der US-Währung ab. Zudem bringt der Internationale Währungsfonds verstärkt eine Ersatz-Währung in Umlauf.
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Ende der Supermacht-Dominanz
Für C. Fred Bergsten, Leiter des Peterson Institute of International Economics und früherer Ökonom in der US-Regierung von Jimmy Carter, steht fest: Der
Dollar wird seine dominierende Rolle verlieren. Denn die USA gehe den gleichen Weg wie Großbritannien: Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg war das Empire geschwächt und die USA stiegen zur globalen Supermacht auf, sagte Bergsten der "Washington Post". Derzeit erodiere die Finanzkrise den Dollar, da die US-Notenbank zur Finanzierung der riesigen Hilfsprogramme immer mehr Geld drucke, kommentierte Douglas Rediker, Analyst bei der New America Foundation.
Bric-Staaten gegen den Dollar
In der Vergangenheit habe die US-Regierung dank der Dollarstärke ihr Defizit günstig refinanziert, erläutert der Autor Martin Weiss in seinem Buch "Der ultimative Ratgeber zum Überleben in der Depression". Dagegen hätten internationale Investoren Länder wie Brasilien bestraft, indem sie höhere Zinsen als Risikoaufschlag verlangt hätten. Das soll sich ändern: Gerade haben sich Brasilien, Indien, Russland und China auf dem Bric-Gipfel für ein stärker diversifiziertes Weltwährungssystem ausgesprochen.
Reservewährung des IWF
In den kommenden Wochen steht nun laut “Washington Post” ein entscheidender Paradigmenwechsel an: Der Internationale Währungsfonds (IWF) will Sonderziehungsrechte (Special Drawing Rights – SDR) im Gegenwert von 300 Millionen Dollar drucken – dies ist zehnmal mehr, als die aktuell umlaufende Menge an SDR. Der Grund: Der Weltwirtschaftsgipfel in London hatte im April beschlossen, die Bilanzen von Krisenländern mit Hilfe von SDR zu stabilisieren. Das bedeutet also, dass viele Zentralbanken künftig vermehrt SDR einkaufen und zugleich Dollar verkaufen. Die in den sechziger Jahren eingeführte Kunstwährung SDR basiert neben dem Dollar auf dem britischen Pfund, dem Euro und dem Yen. Analysten zufolge könne die globale Dollar-Reserve von derzeit 65 Prozent auf weniger als 50 Prozent in einem Jahrzehnt sinken.
Devisen-Koloss China will weg von der US-Währung
Ökonom Bergsten rät vor allem der Volksrepublik China zum Einkauf von SDR, denn dies erlaube einen sanften Abschied von der US-Währung. Peking hat sich zuletzt immer wieder gegen den Dollar ausgesprochen und seine eigene Währung gestärkt: China schloss Swap-Geschäfte mit Südkorea, Malaysia, Indonesien, Weißrussland, Hong Kong und Argentinien ab, in Kürze dürfte Brasilien folgen. Diese Länder sollen künftig Waren aus China direkt in Yuan bezahlen, China will umgekehrt vor Ort in der Landeswährung einkaufen. Damit müssen die Handelspartner nicht erst auf dem Devisenmarkt Dollar tauschen. Insgesamt haben die bisherigen Abkommen einen Gegenwert von 95 Milliarden Dollar.
Peking will Gold statt Dollar
Auch die Analysten der Commerzbank verweisen auf China: Der leitende Analyst der Kommunistischen Partei Chinas habe gerade seinem Land empfohlen, wegen des zu erwartenden Dollar-Rückgangs mehr
Gold zu kaufen. Diese Strategie ist nicht neu: Vor zwei Monaten hatte China den Kauf von 454 Tonnen Gold in den vergangenen Jahren bekannt gegeben. Nach Meinung der Commerzbank-Experten wird sich China künftig weiter mit Gold eindecken.
Nicht nur negative Folgen für Washington
Für die USA habe all dies weit reichende Konsequenzen, urteilt die "Washington Post“: Da der Dollar wohl an Wert verlieren werde, müsse die US-Regierung höhere Zinsen bei der Ausgabe von Anleihen bezahlen. Ferner müssten Amerikaner, die im Ausland leben und ihr Gehalt in Dollar erhielten, eine rapide schrumpfende Kaufkraft hinnehmen. Andererseits breche ein goldenes Zeitalter für Exporteure in Amerika an – US-Waren seien im Ausland künftig besonders günstig.
Der Euro ist noch kein Ersatz
Dass der Dollar in den vergangenen Wochen angesichts all der jüngsten Entwicklungen nicht eingebrochen ist, liegt für C. Fred Bergsten unter anderem daran, dass sich China – mit zwei Billionen Dollar der größte Halter von US-Dollar – sehr mit dem Verkauf zurück gehalten habe. Auch gelte der Greenback in Krisenzeiten noch immer als ein sicherer Hafen. Gleichzeitig habe der Euro nicht an Attraktivität gewonnen, weil es vielen Ländern der Eurozone noch viel schlechter gehe, als Amerika.
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Quelle: t-online.de